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Ukraine-Krieg könnte riesige Flüchtlingswelle auslösen - auch Deutschland bereitet sich vor

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Von: Stephanie Munk

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Eine Familie überquert in der Region Luhansk in der Ostukraine den einzigen täglich geöffneten Grenzübergang zwischen dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet und den von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten.
Eine Familie überquert einen Grenzübergang in der Region Luhansk in der Ostukraine. © Vadim Ghirda/dpa

Millionen Ukrainer könnten fliehen, sollte es zu einer Invasion Russlands kommen. Auch Deutschland wäre wohl von der Flüchtlingswelle betroffen. Die Vorbereitungen laufen.

München - Die Bevölkerung der Ukraine lebt in Angst vor einem Krieg mit Russland, und diese Angst steigt von Tag zu Tag. Aus gutem Grund: Der russische Präsident Wladimir Putin spracht der Ukraine am Montag in einer schockierenden Rede die Souveränität ab und scheint davon zu träumen, das Land zumindest in Teilen Russland einzuverleiben*.

Experten rechnen nicht nur mit vielen Toten* auf beiden Seiten, sondern auch mit einer riesigen Fluchtbewegung. Die Migrationsforscher Franck Düvell und Irina Lapshyna fürchten bis zu acht Millionen Vertriebenen aus den östlichen Provinzen der Ukraine, schreibt die Zeit. Es wird angenommen, dass die meisten zunächst in den Westen der Ukraine oder in die Nachbarländer Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien fliehen. Ein Teil der Menschen könnte aber auch versuchen, nach Deutschland weiterzureisen. Mehr als eine Million Flüchtlinge könnten in die EU kommen, warnte die EU-Kommission vergangene Woche.

Ukraine-Konflikt mit Russland: Zahl der Asylanträge in Deutschland steigt

In Deutschland ist bereits jetzt die Zahl der Ukrainer, die in Deutschland Zuflucht suchen, leicht gestiegen. Eine Sprecherin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass im Januar 107 Menschen aus der Ukraine einen Asylantrag in Deutschland gestellt hätten. Im Dezember seien es noch 85 gewesen, im Januar 2020 nur 54.

Wie wird diese Zahl sich entwickeln, wie viele Ukrainer werden im Kriegsfall nach Deutschland flüchten? Das sei derzeit schwer zu sagen, wird die Bamf-Sprecherin zitiert. Eine „aussagekräftige Einschätzung“ sei nicht möglich, da die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchten, von „zahlreichen volatilen Faktoren“ abhänge. Die Herausforderung bestehe darin, sich auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten.

Video: Ukraine-Konflikt - Was will Putin?

Ukraine-Konflikt mit Russland: Katastrophenschutz bereitet sich offenbar auf Flüchtligswelle vor

Auch im Bundesinnenministerium äußert man sich bisher vorsichtig. Es gebe derzeit keine Anhaltspunkte für Flüchtlingsbewegungen von der Ukraine nach Deutschland, sagte ein Sprecher der Zeit. Man beobachte jedoch die Situation genau und stimme sich eng mit der EU-Kommission ab. Laut derm Bericht gibt es in Deutschland offenbar Überlegungen, den Katastrophenschutz miteinzubeziehen.

Konkreter äußert sich der FDP-Innenexperte Stephan Thomae. Deutschland müsse einem Krieg in der Ukraine „vielleicht eine sechsstellige Zahl von Menschen aufnehmen“, sagte er dem TV-Sender Welt. Dies wäre aber zu bewältigen, weil derzeit weniger Menschen aus dem Nahen Osten oder Afghanistan nach Deutschland kämen, glaubt der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion. Allerdings sei die Aufnahme von Flüchtlingen im Falle eines Ukraine-Kriegs „nichts, was Deutschland ganz allein lösen kann“, auch andere Staaten müssten sich beteiligen, betonte Thomae.

Ukraine-Konflikt mit Russland: Deutschland sei gut gerüstet für Flüchtlingszuzug

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, sieht Deutschland gerüstet für einen möglichen Flüchtlingszuzug infolge eines Krieges in der Ukraine. „Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt, wenn wir an den bestehenden Strukturen für die Aufnahme geflüchteter Personen festhalten, insbesondere den Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften und Anlaufstellen für Integration“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir beobachten die Lage sehr genau, sind wachsam und auf alles vorbereitet“, sagte Alabali-Radovan. Aktuell seien keine Anhaltspunkte für verstärkte Migrationsbewegungen nach Deutschland zu erkennen. „Wir stehen in engem Austausch in der Bundesregierung und mit den Ländern“, sagte sie.

Ukraine-Konflikt: Russland berichtet von Evakuierungen aus der Ostukraine

Russland hat unterdessen eigenen Angaben zufolge weitere Tausende Flüchtlinge aus den nun von Moskau anerkannten „Volksrepubliken“ in der Ostukraine aufgenommen. „In den vergangenen 24 Stunden haben mehr als 20.000 Bürger, die aus dem Gebiet der Donbass-Republiken evakuiert wurden, die Grenze über Kontrollpunkte überquert“, teilte der Inlandsgeheimdienst FSB in der russischen Region Rostow am Dienstag, 22. Februar, der Staatsagentur Tass zufolge mit.

Mehr als 11.000 Geflüchtete seien in andere Regionen Russlands gebracht worden, hieß es vom Geheimdienst, der auch für den Grenzschutz zuständig ist. Am Dienstag, 22. Februar, waren russischen Angaben zufolge bereits insgesamt mehr als 90.000 Menschen aus den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk ausgereist. (smu/dpa/afp) *Merkur.de ist ein Angebot vin IPPEN-MEDIA.

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