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Bundespräsident Joachim Gauck spricht am Donnerstag im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen mit syrischen Flüchtlingen

"Ein Tropfen im Ozean"

Flüchtlinge bitten bei Gauck-Besuch um Hilfe

Friedland - Die Schilderungen von Raketenbeschuss und wahllosem Töten in Syrien lassen den Bundespräsidenten nicht kalt. Nach einem Gespräch mit Flüchtlingen fordert Gauck mehr deutschen Einsatz für die Notleidenden.

Auch wenn die Kriegsgräuel, die die Syrienflüchtlinge Bundespräsident Joachim Gauck schildern, meist schon Monate zurückliegen, ist der Schrecken nicht verflogen. Nachts sei ihre Stadt angegriffen worden, erzählt eine Frau. Ihre Kinder hätten mitansehen müssen, wie die Nachbarn gegenüber getötet wurden. Unter Tischen und im Bad habe sie vor den Bomben Schutz gesucht.

Am Ende flieht ihre Familie wie die übrigen Flüchtlinge, mit denen Gauck am Donnerstag im Lager Friedland (Niedersachsen) redet, in den Libanon. Kaum Arbeit, kein Geld, keine Perspektive für die Kinder habe es gegeben, erzählen die am Montag aus dem Libanon ausgeflogenen Syrer.

Häuser, Krankenhäuser, Moscheen oder Kirchen - die umkämpfte Stadt Homs sei zu 80 Prozent zerstört worden, sagt eine Lehrerin. „Das Töten war wahllos.“ Eine zehnjährige Verwandte hätten Scharfschützen in den Hals getroffen, berichtet sie dem Bundespräsidenten während einer einstündigen Gesprächsrunde.

Morgens um fünf habe der Beschuss seiner Heimatstadt begonnen, erzählt ein junger Mann. „Die Armee begann wahllos, Leute umzubringen.“ Der Inhaber eines Restaurants in Damaskus beklagt den Tod seines Bruders, dessen Frau und neun weiterer Familienmitglieder. Nach der Flucht in eine Moschee im Libanon habe er kaum das Nötigste gehabt, bis die Vereinten Nationen die Ausreise nach Deutschland organisierten.

Die Schilderungen lassen Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt nicht kalt. Der Bundespräsident fragt nach: Was wird aus dem zurückgebliebenen Besitz, dem Geld auf dem Konto? Ist die Flucht aus syrischer Sicht ein Vergehen? Was droht jungen Männern, die vor dem Armeedienst geflohen sind? Einfache Antworten gibt es nicht. Mancher konnte noch Geld abheben, anderen blieb kaum Zeit, mit dem Allernötigsten zu fliehen. Andere, die nach den Kämpfen noch einmal zurückgekehrt waren, fanden nur noch geplünderte Häuser vor.

„Wenn man in die Gesichter von Menschen schaut, ist das etwas anderes, als wenn man nur Opferzahlen liest“, sagt Gauck nach dem Gespräch. Viele Flüchtlinge hatten ihm im Gespräch für die Aufnahme in Deutschland gedankt, zugleich aber darum gebeten, weiteren Notleidenden zu helfen. Gauck sicherte den Menschen zu, sich für ihr Anliegen einzusetzen.

„Wir sind nur ein Tropfen im Ozean, wir sind nur 5000 von 20 Millionen“, sagte eine Syrerin dem Bundespräsidenten. „Wir hoffen, dass weiteren geholfen wird.“

Von Herzen kommende Hilfe erhalten die Neuankömmlinge in Friedland von einer angehenden Krankenschwester aus Göttingen. Spontan hat sich die junge Frau, die ursprünglich aus Syrien stammt, am Montag im Lager gemeldet. „Ich möchte meinen alten Landsleuten helfen. Gerade die Jugendlichen brauchen jemanden, mit dem sie sprechen können“, sagt sie, als sie mit Gauck und den Flüchtlingen zusammensitzt.

dpa

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