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Ein syrischer Pass (Archivbild).

Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden

Flüchtlinge: Jetzt kann der IS auch Pässe drucken

Damaskus - Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden kann der Islamische Staat offenbar auch "echte“ Ausweise" drucken. Der IS nutzt offenbar gezielt den Flüchtlingsstrom. 

Ein Albtraum der europäischen Sicherheitsbehörden scheint Wirklichkeit geworden zu sein: Wie die Welt am Sonntag berichtet, ist die Terrorbande Islamischer Staat (IS) offenbar in der Lage, „echte“ Ausweise zu drucken. Bisher war es für die Behörden relativ einfach, einen gefälschten Pass zu erkennen – doch mittlerweile gehen den Ermittlern bei Grenzkontrollen immer wieder Menschen ins Netz, die einen echten Pass bei sich haben, der trotzdem nicht zu ihnen gehört. Die Behörden sprechen in solchen Fällen von einem „echten Falschen“. Das Problem: Der IS kontrolliert Gebiete, in denen sie Zugriff auf Druckmaschinen zur Herstellung von Pässen haben. Die tz erklärt, welche Gefahr von diesen „echten Falschen“ ausgeht und

Wie kommt der IS dazu, echte Pässe ausstellen zu können?

Der IS kontrolliert große Gebiete in Syrien und im Irak. Im IS-Hauptquartier, der Stadt Raqqa befindet sich ein Passamt, auch in Deir ez-Zour sollen dem IS Blankopässe in die Hände gefallen sein. Außerdem gehen US-Behörden davon aus, dass die Terroristen im Besitz von zwei Pass-Druckmaschinen sind.

Ist der IS nur in der Lage, syrische Pässe herzustellen?

Nein. Im Irak kontrolliert der IS die Stadt Mossul – auch dort hält die Miliz das Passamt besetzt. Gleiches gilt außerdem für das Bürgerkriegsland Libyen, wo der IS die Passämter in Bengasi und Sirte kontrolliert.

Können die Terroristen nicht ohnehin Pässe fälschen?

Ein gefälschter Pass ist relativ leicht zu erkennen. Pässe verfügen über viele Sicherheitmerkmale – vom Wasserzeichen über Hologramme bis zur richtigen Seriennummer. Oft fällt eine schlechte Fälschung schon durch das falsche Papier auf – und das, obwohl der syrische Pass als eher leicht zu fälschen gilt. Das Sicherheitsrisiko bei einem echten Pass ist deutlich größer. Gelangen Terroristen also in den Besitz von Passrohlingen, können sie diese mittels eines Fotos und einer Unterschrift schnell in ein völlig echt erscheinendes Dokument verwandeln. In den Ämtern, die der IS unter Kontrolle gebracht hat, sollen viele dieser Blanko-Ausweise gelagert sein.

Woher kommen die Informationen?

US-Geheimdienste hatten zuerst gewarnt. Der amerikanische Sender ABC zitiert aus einem Geheimdienstbericht: „Vor über 17 Monaten sind Raqqa und Deir ez-Zour an die IS-Miliz gefallen. Es ist möglich, dass Personen aus Syrien mit Pässen, die in diesen vom IS kontrollierten Städten ausgestellt worden sind, in die die USA eingereist sind.“

Wofür braucht der IS überhaupt die Möglichkeit so viele Pässe herzustellen?

Die Terrorgruppe kann damit einen Teil ihrer Kämpfer ausstatten und ihnen so den Grenzübertritt ermöglichen. Wichtiger ist aber der Handel mit den Passrohlingen. Bei biometrischen Pässen etwa ist ein Gewinn von bis zu 2000 Euro drin. Der syrische Pass ist leicht zu fälschen und an fast jeder Ecke zu bekommen – zum Preis von 200 bis 400 Euro pro Pass und noch einmal genauso viel für einen rückdatierten Stempel.

Hat der IS solche Pässe bereits genutzt, um Terroristen nach Europa zu schleusen?

Ja, zwei der Attentäter von Paris hatten solche syrische Pässe bei sich und waren mit ihnen nach Europa gekommen. „Was wir in Paris gesehen haben, ist, dass der IS den Flüchtlingsstrom genutzt hat“, zitiert die WamS Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Allerdings hält er diese Aktion eher für Propaganda – schließlich hätten die Anschläge auch ohne die zwei Attentäter durchgeführt werden können. „Der IS wollte zeigen, was er kann. Als ob er den Menschen in Europa sagen wollte: Passt auf, jeder der Flüchtlinge kann einer von uns sein“, sagt Maaßen. Dieser Propaganda des IS dürfe man nicht auf den Leim gehen. Maaßen: „Das Ziel, den Flüchtlingsstrom zu diskreditieren, sollten wir den IS nicht erreichen lassen.“

Wie versucht die EU, solche IS-Pässe zu erkennen?

Der arabische Sender Al-Arabiya meldete am vergangenen Wochenennde, dass in den Staaten der EU eine Liste mit Seriennummer von verlorengegangenen syrischen und irakischen Blankopässen im Umlauf sind. Diese Nummer sollen bereits in das Schengener Informationssystem eingespeist worden sein – und würde bei einer Kontrolle sofort auffallen. Aus Syrien sollen insgesamt 5000 Passnummern übermittelt worden sein, aus dem Irak sogar etwa 10.000.

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