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Flüchtling in Mazedonien. Die östlichen EU-Mitglieder sperren sich bei den Aufnahmequoten für Flüchtlinge. Foto: Nake Batev

Trotz chaotischer Verhältnisse

Flüchtlinge kommen weiter auf der Balkanroute nach Deutschland

Berlin - Ungarn verbarrikadiert sich hinter einem Grenzzaun. Am Ende gelangen die Flüchtlinge aber doch wieder durch das EU-Land nach Österreich und Deutschland. Die Hotspots an den Grenzen Südosteuropas verändern sich derweil laufend.

Update vom 30. September 2015: In Athen ist es in der Nacht zum Mittwoch zu Massenschlägereien zwischen Flüchtlingen gekommen. "Hunderte Personen waren daran beteiligt", sagte der Bürgermeister er griechischen Hauptstadt. Was Sie zur Flüchtlingskrise in Europa wissen müssen, können Sie in unserem News-Ticker verfolgen.

Entlang der Balkanroute werden Flüchtlinge von den Staaten weiter umhergeschoben. Die meisten Menschen gelangen derzeit über den Umweg Kroatien nach Ungarn und weiter nach Österreich. Der Zugang nach Ungarn über Serbien ist den Flüchtlingen durch den neuen Grenzzaun erheblich erschwert.

Nach den chaotischen Verhältnissen der vergangenen Tage im kroatischen Tovarnik an der Grenze zu Serbien wurden die Flüchtlinge seit Sonntagnachmittag zur Registrierung in ein neues Zeltlager gefahren. Dort befinden sich derzeit nach Angaben des kroatischen Innenministers Ranko Ostojic 2500 Flüchtlinge. Die Menschen würden in der Zeltstadt registriert und dann direkt an die ungarische Grenze gefahren.

In Ungarn kamen in der Nacht zum Montag erneut Flüchtlinge aus Kroatien an und sind nun vermutlich nach Österreich unterwegs. Allein bei Barcs hätten 800 bis 1000 Menschen die Brücke über den Fluss Drau von Kroatien nach Ungarn passiert, berichtete das ungarische Staatsfernsehen.

Die Flüchtlinge hätten zwar auch die Möglichkeit, in Kroatien Asyl zu beantragen, sagte Innenminister Ostojic. Es gehe nicht darum, "dass die kroatische Regierung sie nicht behalten wolle. Die Wahrheit ist, dass diese Leute nicht hier bleiben wollen".

Bayern: 5374 Asylsuchende am Sonntag

Aber auch in Ungarn wollen die meisten nicht bleiben. So berichtete das ungarische Staatsfernsehen, dass ungarische Polizisten die Flüchtlinge zu einem Zug begleitet hätten, der mit 15 Waggons nach Hegyeshalom an der ungarisch-österreichischen Grenze starten sollte.

Über Österreich erreichen die Menschen auch wieder vermehrt Deutschland. In Bayern reisten nach Angaben des Innenministeriums am Sonntag 5374 Asylsuchende ein, tags zuvor waren es 2800 gewesen. Die Flüchtlinge wurden registriert und anschließend in Erstaufnahme-Einrichtungen in ganz Deutschland verteilt.

Der rechtskonservative ungarische Ministerpräsident Viktor Orban verteidigte die Entscheidung, die Grenzen seines Landes mit Sperranlagen und einem 175 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Serbien gegen Flüchtlinge abzuschotten. "Viele sagen, dass Zäune keine gute Lösung seien, weil dann alle einen Zaun bauen müssten. Aber genau das ist die Lösung", erklärte Orban am Montag im ungarischen Parlament. 

Kritik an Griechenland

Der kroatische Innenminister Ranko Ostojic betrachtet sein Land als Opfer der derzeitigen Flüchtlingskrise auf dem Balkan. Länder wie Griechenland würden Hunderttausende Flüchtlinge ohne Registrierung einfach durch ihr Land lassen, kritisierte Ostojic. "Das muss an der Quelle gestoppt werden, zwischen der Türkei und Griechenland", forderte er.

In der Türkei hinderte die Polizei derweil tatsächlich mehr als 100 Flüchtlinge daran, von Istanbul zur türkisch-griechischen Grenzstadt Edirne zu laufen. Die Sicherheitskräfte hätten den rund 150 Syrern am Montag den Weg abgeschnitten, berichtete der Sender CNN Türk. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Polizei die Flüchtlinge mit Schutzschildern zurückdrängte. Nach Angaben des Senders wurden vier Menschen festgenommen.

Am Mittwoch wollen die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten zu einem Sondergipfel zusammenkommen. Dabei soll es auch um eine bessere Unterstützung der Herkunftsländer der Flüchtlinge sowie die Einrichtung von Registrierungs-Stellen in Griechenland und Italien gehen.

Mehr aktuelle Informationen zum Thema Flüchtlinge finden Sie in unserem News-Ticker.

dpa

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