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Ulrich Maly, Präsident des Städtetags.

Städtetagspräsident

Flüchtlinge: Ulrich Maly fordert mehr Geld für Wohnungsbau

München - Der bayerische Städtetagspräsident Ulrich Maly (SPD)  fordert wegen steigender Flüchtlingszahlen mehr Investitionen in Wohnungsbau.

Maria Hilbert hätte nie gedacht, wie schwer es werden würde. Die Garmisch-Partenkirchnerin hat tagelang telefoniert. Mit Wohnungsbau-Gesellschaften, mit Maklern, mit Wohnungsbesitzern, die Zeitungsannoncen geschaltet hatten. Ein paar Mal hatte sie schon fast die Zusage für eine Wohnung. Dann hat sie gesagt, dass sie nicht für sich selbst sucht, sondern für eine Familie aus Afghanistan. Eine Familie, für die sie eine Patenschaft übernommen hat. Ein junges Paar, eine kleine Tochter. Die Familie lebt in einer Flüchtlingsunterkunft, ist anerkannt, dürfte ausziehen, findet aber seit Monaten keine Wohnung. Jedes Mal, wenn Maria Hilbert das erzählte, kamen die Absagen.

Die Garmisch-Partenkirchnerin heißt eigentlich anders, aber sie möchte nicht mit Namen in der Zeitung stehen. Weil das nicht ihre Geschichte ist, sagt sie. Sondern die Geschichte vieler anerkannter Asylbewerber, die plötzlich auf eigenen Beinen stehen sollen – aber es nicht können. Weil sie die Sprache noch nicht gut beherrschen, weil sie noch keine Arbeitsstelle gefunden haben. Und weil viele Vermieter ihre Wohnungen nicht an anerkannte Asylbewerber vermieten wollen. „Es gibt so viele Vorurteile“, sagt Hilbert. „Viele haben Angst vor der fremden Kultur, fürchten, dass viele Verwandte nachkommen. Oder dass andere Mieter sich aufregen könnten“, glaubt Hilbert. Manchmal macht sie das richtig wütend. „Alle sprechen immer von den überfüllten Unterkünften“, sagt sie. „Aber keiner fragt, wie es für die Menschen weitergeht, wenn sie eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben. Dann werden sie mit allen Problemen allein gelassen.“

Der bayerische Städtetagspräsident Ulrich Maly (SPD) äußerste sich am Dienstag ähnlich. Die Aufmerksamkeit liege zu sehr bei Asylbewerbern, die neu ankommen. „In Wirklichkeit ist das aber nur die Spitze des Eisbergs.“ Denn die weitaus größere Herausforderung liege darin, die Voraussetzungen zu schaffen, um die Menschen langfristig zu integrieren. Etwa 40 Prozent der Flüchtlinge könnten in Deutschland bleiben. Dieses Jahr wird mit 240 000 Flüchtlingen gerechnet. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße von drei Personen wären demnach 80 000 Wohnungen nötig, so Maly. Deshalb forderte er eine Verdopplung der Investitionen von Bund und Ländern in den Wohnungsbau – das wären dann drei Milliarden Euro. Auch die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland müsse jährlich wiederkehrend um 25 bis 30 Prozent gesteigert werden. Die Kommunen seien bei der Bereitstellung der Flächen gefragt.

Maria Hilbert hat für ihre Patenfamilie nach monatelanger Suche schließlich eine Wohnung gefunden. Doch die Zahl der sogenannten Fehlbeleger in den Unterkünften ist hoch. Vor einem Jahr berichtete die Regierung von Oberbayern, jeder zehnte Flüchtlinge müsste ausziehen, findet aber keine Wohnung. Aktuelle Zahlen hat die Regierung nicht. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen dürfte sich die Situation allerdings weiter verschärft haben.

Von Katrin Woitsch

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