"Salafistische Verführer stoßen in ein Vakuum"

CSU-Experte warnt vor "Missionierung" von Flüchtlingen

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München - Besteht die Gefahr einer Radikalisierung muslimischer Flüchtlinge? Unsere Zeitung hat mit dem Abgeordneten Alexander Radwan (51, CSU) darüber gesprochen. Der Jurist sitzt im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags.

Von den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen sind viele Muslime. Wer kümmert sich in religiösen Belangen um sie?

Das steht bei der Betreuung nicht im Vordergrund. Zunächst geht es um eine Unterkunft, um die Versorgung der Grundbedürfnisse. Religiosität wird als Privatsache empfunden. Das höre ich auch oft aus den Helferkreisen. Deshalb ist eine Betreuung in diesem Punkt von offizieller Seite gar nicht vorgesehen.

Besteht hier ein Defizit, das zu bedenklichen Entwicklungen führen kann?

Die allgemeinen Angebote von muslimischer Seite können nicht über ein gewisses Vakuum hinwegtäuschen, in das islamistisch-muslimische Verbände oder Gruppierungen vorstoßen können, deren Einstellung weit von unserem Grundgesetz entfernt ist.

Die entwurzelten und oft orientierungslosen Flüchtlinge können leicht zur Beute religiöser Fanatiker werden. Wie groß ist diese Gefahr?

CSU-Abgeordneter Alexander Radwan.

Muslime sind meist sehr stark in ihrem Glauben verankert und suchen deshalb vor allem in ihrer Gemeinde Halt. Hier können sich radikale Gruppierungen leicht als Ansprechpartner in einem unbekannten Umfeld präsentieren. Die Salafisten sind, das ist bekannt, stark engagiert und versuchen immer wieder, sich mit Versprechungen als Ansprechpartner attraktiv zu machen.

Hat man die Kontrolle darüber, wer in Deutschland islamisch-fundamentalistische Werte predigt?

Der Verfassungsschutz ist gut informiert. Die Verdächtigen werden sehr genau beobachtet. Aussagen des Bundeskriminalamtes zufolge gibt es derzeit in Deutschland 427 islamistische Gefährder. Also Menschen, die jederzeit bereit sind, Anschläge oder islamistisch motivierte Straftaten zu begehen.

Wo werden muslimischen Prediger geschult?

Die Ausbildung findet überwiegend in der islamischen Welt statt: vor allem in der Türkei, in Ägypten und in Saudi-Arabien. So ist es uns nicht möglich, die Ausbildung dieser Prediger zu kontrollieren. Umso wichtiger ist es, dass keiner hier predigen darf, der sich nicht auf der Basis unseres Grundgesetzes bewegt. In diesen Ländern mehren sich inzwischen auch Stimmen, die davor warnen, dass die Flüchtlinge in einem „falschen Sinn“ missioniert werden.

Das heißt, dass auch das radikale Gedankengut der Wahhabiten aus Saudi-Arabien nach Deutschland transportiert wird?

Mitunter ja. Das ist häufig ein großes Problem jener muslimischen Gemeinden in Deutschland, die aus dem Ausland finanziert werden. Bei unseren Nachbarn in Österreich gibt es beispielsweise seit diesem Jahr ein Islamgesetz, das klar festlegt, dass es keine ausländische Finanzierung geben darf.

Welche Rolle spielt das türkische Religionsministerium?

Das Ministerium soll rund 1000 Imame auf seiner Gehaltsliste haben, die für einige Zeit nach Deutschland kommen, ihr Gedankengut verbreiten und wieder zurückgehen. Das ist ein klarer Bruch der Trennung von Religion und Staat in unserem Land.

Was ist bei einem Blick auf die muslimischen Flüchtlinge in Deutschland Ihre größte Sorge?

Der Islam und die Muslime sind nicht von Haus aus gewaltbereit. Es gibt lediglich eine Minderheit, die Unzählige in Verruf bringt. Ich befürchte, dass Flüchtlinge, die selbst fast alle Opfer des Terrorismus sind, aufgrund fehlender adäquater Ansprechpartner durch Radikale in die falsche Richtung geleitet und ideologisch missbraucht werden.

Info

Alexander Radwan ist Abgeordneter des Wahlkreises Starnberg, der sich aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Starnberg zusammensetzt. 

Rubriklistenbild: © dpa

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