Merkur-Kommentar

Flüchtlings-Konferenz in Wien: Brüchige Ruhe

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München - Europa braucht zügig einen starken, gemeinsamen Grenzschutz, meint Merkur-Autor Christian Deutschländer. Was ist von der Flüchtlings-Konferenz in Wien zu erwarten?

Wien lädt Europa zum Flüchtlings-Treffen. Ein Gipfel der Gelassenheit? Mitnichten. Die Ankunftszahlen mögen gesunken sein, die Aufgeregtheit der Debatten nimmt ab – doch gelöst ist nichts, gar nichts. Das Sterben auf den Fluchtrouten geht weiter. Und der Rückgang der Flüchtlingszahlen beruht auf einer fragilen Konstruktion: der derzeit geschlossenen Balkanroute, dem wackeligen Türkei-Deal und der Tatsache, dass zehntausende übers Mittelmeer geflohene Migranten bisher in Italien verweilen. Europa hat die Krise irgendwie eingedämmt, aber nicht in den Griff bekommen.

Bayern steht mit in vorderster Linie

Das Staaten-Treffen in Wien wird überschattet vom fortdauernden Grund-Dissens auf dem Kontinent. Im Mittelpunkt steht Deutschland: Das Land – und hier in vorderster Linie Bayern – hat in einem Kraftakt und mit ungeahnter Mitmenschlichkeit die Hauptlast der Migration aufgefangen. Die deutsche Aufnahmebereitschaft hat aber unbestritten eine Sogwirkung ausgelöst. Gerade in Österreich und Südosteuropa hat sich der Eindruck festgesetzt, durch die Schließung der Balkanroute die Schmutzarbeit zu übernehmen – während Deutschland im Glanz der Humanität leuchtet und das Ende des offenen und binnengrenzenfreien Europas beklagt.

Das wird ein Gipfel kaum auflösen können. Wenn es gut läuft, ist Wien eine Etappe auf dem Weg hin zu einer Lösung. Europa braucht zügig einen starken, gemeinsamen Grenzschutz, die Aufnahme von Flüchtlingskontingenten, dazu ausgebaute Entwicklungshilfe und Krisenintervention. All das scheint noch weit entfernt zu sein.

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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