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Sein Schicksal bewegte: Mazour Hossein Sharifi mit Gastgeberin Maybrit Illner.

Debatte im ZDF

Flüchtlings-Schicksal bei Illner-Talk: Schieben wir die Falschen ab?

München - Der jüngste Talk von Maybrit Illner wird keinen Weg in die Geschichtsbücher finden. Doch das bittere Schicksal eines Afghanen wirft eine entscheidende Frage auf.

Nach dem Vergewaltigungs-Mord an einer jungen Frau in Freiburg, für den wohl ein Flüchtling verantwortlich ist, talkte Maybrit Illner am Donnerstagabend zum Thema „Flüchtlinge unter Verdacht – Willkommenskultur am Ende?". 

Als Gäste kamen Hannelore Kraft, SPD-Ministerpräsidentin aus Nordrhein-Westfalen, Dieter Salomon, Freiburgs Grüner Oberbürgermeister, Michael Kretschmer als Fraktionsvize der Union im Bundestag, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt, Emitis Pohl, eine Autorin, die mit 13 Jahren aus dem Iran nach Deutschland floh und Johannes Forck, ein angehender Jurist aus Freiburg.

Einigkeit bei „Maybrit Illner“: "Wir schieben die Falschen ab"

Die Talkrunde bei Maybrit Illner.

Trauriger Held des Abends wurde aber keiner der genannten, sondern Mazour Hossein Sharifi. Der 22-jährige Afghane lebt seit sieben Jahren in Deutschland und war bereits im Frühjahr bei Illner. Sharifi bewirbt sich um Jobs und Ausbildung. Auch im BAMF wollte er helfen. Doch ohne Arbeitserlaubnis keine Chance. Der 22-Jährige wirkt optimal integriert, spricht fließend Deutsch und fühlt sich hier wohl. Bei Illner erzählt er: Statt die Arbeitserlaubnis zu bekommen, kämpfe er seit Jahren darum, nicht abgeschoben zu werden - in ein Land im Kriegszustand. Die Bundeswehr ist noch immer vor Ort stationiert.

Während der Schilderung kocht Pohl. Sie, OB Salomon und Polizei-Funktionär Wendt sind sich sofort einig: "Wir schieben die Falschen ab." Auch Kraft stimmt zu, findet, dass Abschieben nicht Teil der Lösung sei, um Sicherheit zu garantieren. Kretschmer äußert zwar im Illner-Talk „Mitgefühl“, sagt aber immer wieder: „Wir haben Gesetze und Regeln“. Um Straftäter leichter in die Heimat zurückführen zu können und andere abzuschrecken, fordert er „Abschiebegefängnisse“. Wohlgemerkt: Der Mann stammt aus der Partei von Angela Merkel.

Illner-Talk zeigt: Es hakt am System

Berechtigt macht Kraft bei Illner klar, dass man straffällige Flüchtlinge gar nicht abschieben könne, wenn die Aufnahmeländer nicht mitmachen. Auch Salomon spottet: „Sollen wir sie mit dem Fallschirm abwerfen?“ Dann legt er mit leichtem Kopfschütteln nach: „Seit eineinhalb Jahren muss ich die Kanzlerin gegen CDU-Mitglieder verteidigen." 

Was bleibt vom Illner-Talk? Meinung: Die Forderung nach Abschiebung für straffällig gewordene Flüchtlinge ist wohl berechtigt. Doch ist es nur Teil der Lösung, das Land sicherer zu machen. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass die Politik Strukturen schafft, damit willige Flüchtlinge auch bleiben dürfen und sich integrieren können.

mke

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