+
Vor Libyen sind 100 Flüchtlinge aus dem Meer gerettet worden (Symbolbild).

Vor Libyen

Flüchtlingsboot  gekentert: 250 Migranten gerettet

Rom - Sie brachten ihr Boot vermutlich selbst zum Kentern: 25 Flüchtlinge sind im Mittelmeer ertrunken, 400 weitere wurden gerettet. Das Schicksal der übrigen Menschen an Bord ist zunächst unklar.

Bei einem neuen Flüchtlingsdrama sind im Mittelmeer möglicherweise Hunderte Migranten ertrunken. Das voll besetzte Boot kenterte am Mittwoch vor der Küste Libyens, wie die italienische Küstenwache mitteilte. Bis zum Abend konnten 25 Leichen geborgen und 400 schiffbrüchige Menschen in Sicherheit gebracht werden. Es wurde jedoch befürchtet, dass bis zu 700 Menschen an Bord waren. Nach den Vermissten sollte die gesamte Nacht über weiter gesucht werden.

Möglicherweise hatten die Migranten das Boot selbst unbeabsichtigt zum Kentern gebracht, weil sich viele Menschen beim Anblick eines rettenden Schiffes auf eine Bordseite gedrängt hatten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die selbst mit zwei Schiffen vor Ort war, bestätigte, dass es viele Tote gegeben habe. Es wäre eins der schlimmsten Flüchtlingsdramen der vergangenen Monate.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sollen etwa 700 Menschen an Bord gewesen sein. „Es gibt die Befürchtung, dass viele Menschen noch an Bord waren“, sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Viele Menschen könnten unter Deck im Frachtraum des Schiffs gewesen sein, so dass sie kaum eine Chance auf Rettung hatten.

Die Migranten waren vermutlich mit ihrem kaum seetüchtigen Holzboot von Libyen aus aufgebrochen. Schon nach wenigen Meilen gerieten sie in Seenot und setzten einen Hilferuf ab. Daraufhin wurde ein irisches Marineschiff in der Nähe alarmiert und eilte den Flüchtlingen zur Hilfe. Genau das wurde den Menschen an Bord ersten Erkenntnissen zufolge zum Verhängnis: Beim Anblick der Retter bewegten sich viele von ihnen auf eine Seite des Schiffs und brachten es zum Kentern.

Die italienische Küstenwache koordinierte die anschließende Rettungsaktion mit mehreren Schiffen. Neben Einsatzkräften der Marine und von Ärzte ohne Grenzen war auch die private Rettungsmission MOAS aus Malta beteiligt. Auch mehrere Hubschrauber waren am Unglücksort im Einsatz. Das Drama ereignete sich etwa 28 Kilometer vor der libyschen Küste. Der Alarm war am Mittag ausgelöst worden; die Küstenwache schickte daraufhin mehrere Boote zur Unglücksstelle.

Es könnte das schlimmste Unglück im Mittelmeer seit Monaten sein. Im April waren Hunderte Migranten ertrunken, als ihr Schiff kenterte. Erst am Dienstag hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) eine vorläufige Bilanz veröffentlicht, wonach in den ersten sieben Monaten des Jahres mehr als 2000 Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Die tödlichste Route ist demnach die von Libyen nach Italien - die vermutlich auch die Flüchtlinge am Mittwoch nehmen wollten.

Fast 100 000 Bootsflüchtlinge sind in diesem Jahr schon über das Mittelmeer nach Italien gelangt. In Griechenland sind es fast genauso viele, aber der Seeweg von der Türkei zu einer griechischen Insel ist erheblich kürzer. Skrupellose Schlepper setzen oft alte und kaum seetüchtige Boote ein, weshalb es immer wieder zu Unglücken kommt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Royaler Stinkefinger: Mit geheimen Botschaften setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump
Noch immer sorgt das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin beim Gipfel in Helsinki für Schlagzeilen. Wir berichten weiter über die Nachwehen des Gipfels im …
Royaler Stinkefinger: Mit geheimen Botschaften setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump
CDU übernimmt CSU-Parteizentrale - bis die Münchner Polizei eingreift 
Die CSU ist am Mittwoch Opfer einer besonderen Art der Demonstration geworden. Aktivisten überklebten das Logo an der Zentrale mit dem CDU-Schriftzug.
CDU übernimmt CSU-Parteizentrale - bis die Münchner Polizei eingreift 
In kaputtem Schlauchboot im Meer zurückgelassen - Schwere Vorwürfe gegen libysche Küstenwache
Spanische Flüchtlingsretter haben vor der libyschen Küste eine tote Frau und ein totes Kleinkind in einem kaputten Schlauchboot gefunden.
In kaputtem Schlauchboot im Meer zurückgelassen - Schwere Vorwürfe gegen libysche Küstenwache
Heimliche Botschaften: So raffiniert setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump
Die Queen ist zu politischer Neutralität verpflichtet. Dennoch findet sie immer wieder Mittel und Wege um ihre Meinung kundzutun. So auch bei ihrem Treffen mit Donald …
Heimliche Botschaften: So raffiniert setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.