Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt das Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi".
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Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt das Seenotrettungsschiff Alan Kurdi. (Archivbild)

Seenotretter wieder gestoppt

Flüchtlingsdrama: „Alan Kurdi“ sitzt vor Italien fest

  • vonCornelia Schramm
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Jährlich sterben Hunderte auf ihrer Flucht über das Mittelmeer. Das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ rettet Flüchtlinge in Seenot - sofern es kann. Denn die Behörden setzten das Schiff nun erneut fest.

  • Immer wieder geraten Menschenrechtsaktivisiten und Behörden aneinander - besonders im Mittelmeer ist die Lage ernst.
  • Das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ will Flüchtlingen in Seenot helfen.
  • Italienische Behörden legen erneut ihr Veto ein.

Olbia, Sardinien - Die Überquerung des Mittelmeers gilt als eine der gefährlichsten Flüchtlingsrouten der Welt. In Booten versuchen Jahr für Jahr unzählige Menschen von Afrika über das Mittelmeer in die Europäische Union zu gelangen. Sogenannte Schleuser schlagen Profit aus der Not der Menschen und lassen sich mit horrend hohen Summen dafür bezahlen, die Flüchtlinge auf die andere Seite des Meeres zu bringen - meist in völlig seeuntüchtigen Booten, die kentern. Dabei ertrinken die Menschen entweder oder erfrieren im kalten Wasser.

Die deutsche „Alan Kurdi“ ist deshalb im Mittelmeer im Einsatz, um in Not geratene Flüchtlinge zu retten. Erneut haben die italienischen Behörden das Rettungsschiff der Regensburger Hilfsorganisation „Sea Eye“ nun festgesetzt. Vorerst darf es nicht mehr aus dem Hafen von Olbia auf Sardinien auslaufen. Dies teilte die örtliche Küstenwache jetzt mit. Bei technischen Kontrollen seien „Unregelmäßigkeiten“ an Bord festgestellt worden, die die Sicherheit der Passagiere gefährden könnten.

„Sea Eye“ erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der italienischen Küstenwache

Auf Twitter schrieb Julian Pahlke, Mitglied bei „Sea Eye“, dass die Gründe hierfür „wie immer konstruiert“ seien. Es sei etwa bemängelt worden, dass zu viele Schwimmwesten an Borden seien, so Pahlke. Bei einem Schiff zur Seenotrettung hält er dieses Argument für „völlig absurd“. Auch Mit-Aktivist Gordon Isler schreibt auf Twitter: „Es klingt wie im Kabarett. Einer der Gründe für die erneute Festsetzung der #ALANKURDI ist die Anzahl der Rettungswesten auf dem Schiff. Achtung: Es sind nämlich mehr als nötig!“

Wie die Regensburger Organisation weiter berichtet, fehlten der „Alan Kurid“ laut den Behörden zudem wichtige Zertifikate, um wieder auslaufen zu können. Auf ihrer Website schreibt „Sea Eye“, dass deutsche sowie spanische Fachbehörden nach einer langen Werftpause der „Alan Kurdi“ ihnen die Einsatzbereitschaft des Schiffes zugesichert haben - weshalb die Organisation nun Klage gegen die erneute Festsetzung einreichen möchte.

Italienische Küstenwache lässt „Alan Kurdi“ in Olbia erneut nicht auslaufen

Es ist nicht das erste Mal, das die „Sea Eye“-Verantwortlichen mit den Behörden vor Ort aneinander geraten und ihnen vorwerfen, nur Vorwände zu suchen, um das Rettungsschiff nicht auslaufen zu lassen. Als „politisch motiviert“ und „skandalös“ ordnen die Menschenrechtler das Vorgehen der italienischen Küstenwache ein, gefährde sie doch an jedem Tag, an dem die „Alan Kurdi“ nicht unterwegs sei, Menschenleben. Isler von „Sea Eye“ informierte bereits am Freitag auf Twitter darüber, das Auswärtige Amt und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) inzwischen um Unterstützung gebeten zu haben.

Video: „Alan Kurdi“: Sicherer Hafen für 125 Menschen auf Sardinien

Ende September durfte die „Alan Kurdi“ nach Tagen der Unsicherheit mit 125 auf dem Meer geretteten Menschen - darunter 50 Minderjährige - im Hafen von Olbia anlegen. Das Rettungsschiff hatte sich zunächst auf den Weg ins französische Marseille gemacht, nachdem sowohl Italien als auch Malta die Aufnahme der Flüchtlinge nicht zugelassen hatten. Nachdem Frankreich Italien klar gemacht hatte, das es das Schiff getreu den internationalen Regeln im nächstgelegenen Hafen anlegen lassen müsse und zudem ein Unwetter aufzog, lies Sardinien die „Alan Kurdi“ schließlich anlegen. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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