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Flüchtlinge am Strand von Bodrum (Archivfoto).

Weltweite Bestürzung

Totes Kind am Strand: Warum wir das Foto nicht zeigen

Bodrum - Das Foto eines Flüchtlingsbuben, der tot am Strand von Bodrum liegt, sorgt für weltweite Bestürzung. Wir haben uns dagegen entschieden, es zu zeigen.

Ein Foto geht um die Welt. Es ist das traurigste, das die Öffentlichkeit seit langem gesehen hat. Ein toter Bub liegt am Strand. Es ist offensichtlich ein Flüchtlingskind, das vor der türkischen Küste ertrunken ist, als es versuchte, mit anderen Migranten die griechische Insel Kos zu erreichen. Die Bild-Zeitung widmet dem Foto in ihrer Freitagsausgabe ihre letzte Seite. Es erschien am Donnerstag auch groß auf den Titel- oder Rückseiten anderer internationaler Zeitungen, darunter der "Guardian" in Großbritannien. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ veröffentlichte das Bild auf der Webseite mit der Überschrift "Dunyavi sarsti" ("Die Welt erschüttert").

Unter dem Hashtag „#KiyiyaVuranInsanlik“ (in etwa: „Menschheit an die Küste gespült“) riefen die Fotos auf Twitter viele Reaktionen hervor. „Alles, was bleiben wird, sind unsere gebrochenen Herzen“, schrieb ein Nutzer. „Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt“, schrieb eine andere Nutzerin. „Mir kamen die Tränen (...)“, meinte eine andere. „Ohne Worte“, schrieb ein weiterer Nutzer. Meedia.de sprach von einem „medialen Wendepunkt“ in der Flüchtlingskrise.

Der dreijährige Junge, der Aylan Kurdi heißen soll, gehörte einem Bericht des Guardian zufolge zu einer Gruppe von mindestens zwölf syrischen Flüchtlingen, die am Mittwoch vor der türkischen Küste ertrunken waren. Auch sein fünfjähriger Bruder soll ums Leben gekommen sein.

Der Junge soll aus dem syrischen Kobane stammen und machte mit seiner Familie die gefährliche Überfahrt zur Hafenstadt Kos in Griechenland. Nach Angaben der Zeitung „Ottawa Citizen“ wollte die Familie nach Kanada.

Schon seit dem frühen Donnerstagmorgen laufen in unserer Onlineredaktion die Diskussionen, ob wir auf unserem Portal das Foto zeigen oder nicht. Es gibt dazu so viele Meinungen wie Journalisten. Ist es aufrüttelnd? Oder nur voyeuristisch? Ist es ein Dokument, das das komplette Flüchtlingsdrama in erschreckender Weise vor Augen führt? Oder verletzt es die Gebote der Moral oder gar die Menschenrechte, einen toten Buben so zu zeigen?

Wir sagen nicht, dass es falsch ist, dass andere Medien das Foto zeigen. Aber wir haben uns nach kontroversen Diskussionen in unserer Redaktion dagegen entschieden. Der Hauptgrund ist, dass wir uns nicht wohl dabei fühlen, ein totes Kind in aller Deutlichkeit zu zeigen. Zudem sollte jeder selbst entscheiden, ob er dieses traurige Bild sehen möchte oder nicht. Wie schlimm das Flüchtlingsdrama ist, weiß jeder aus den vielen, vielen Berichten auch auf unserem Portal. Und wir werden weiterhin ungeschönt darüber berichten. Aber ohne einen toten Buben zu zeigen.

Die Onlineredaktion mit Material von dpa

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