+
Das Gedränge der Flüchtlingen an den deutschen Tafeln wird immer größer. Mittlerweile werden schon 200.000 versorgt.

Bundesregierung müsse eingreifen

Flüchtlingshilfe bringt Deutsche Tafel in Not

Berlin - Die Deutsche Tafel stößt durch die Versorgung von 200.000 Flüchtlingen an ihre Grenzen. Tafel-Chef Brühl fordert daher die Bundesregierung zum helfen auf.

Die lokalen Tafeln in Deutschland unterstützen nach Angaben ihres Bundesverbands inzwischen mehr als 200.000 Flüchtlinge mit Lebensmitteln. Die Organisationen erlebten derzeit eine "Nachfrage nie dagewesenen Ausmaßes", erklärte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Jochen Brühl, am Dienstag in Berlin. Dies bringe die lokalen Tafeln an ihre Grenzen. Die Bundesregierung müsse eingreifen.

Versorgung der Flüchtlinge hat sich verdoppelt

Vor einem Jahr seien nur knapp halb so viele Flüchtlinge zu den Tafeln gekommen wie heute, sagte Verbandschef Brühl im Bayerischen Rundfunk. Die Zahl der Flüchtlinge, die Hilfe erhielten, steige "weiter rapide". Brühl unterstrich, die Tafeln stünden "grundsätzlich allen Menschen offen, die bedürftig sind". Die Flüchtlingssituation lege aber erneut schonungslos offen, wie groß die sozialstaatlichen Versäumnisse bisher gewesen seien.

Seit Jahren weise sein Verband darauf hin, dass es in Deutschland ein großes Gefälle gebe "zwischen denen, die was haben, und denen, die nichts oder wenig haben", sagte Brühl im BR. "Fatal wäre, wenn Armut gegeneinander ausgespielt würde."

Brühl: Staat verlasse sich "zu sehr auf ehrenamtliche Bewegung" 

Brühl nannte es eine "große Herausforderung" für die Ehrenamtlichen, mit traumatisierten Flüchtlingen in Kontakt zu kommen, deren Geschichten zu hören und dabei oftmals nicht die Kultur oder Sprache zu kennen. Er kritisierte, der Staat verlasse sich "zu sehr auf ehrenamtliche Bewegungen". Die Politik müsse für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen.

In diesem Zusammenhang stellte der Verband am Dienstag neun Forderungen an die Bundesregierung. Unter anderem müssten die Tafeln "projektbezogen Finanzierungshilfen" bekommen, um etwa Dolmetscher und Flüchtlingsbetreuer zu bezahlen. Auch müssten Ehrenamtliche mit Schulungen auf ihren Einsatz in der Flüchtlingshilfe vorbereitet werden.

Forderung nach "bedarfsgerechter" Hartz-IV-Aufstockung

Allgemein forderte der Verband einen Runden Tisch gegen die Verschwendung von Lebensmitteln sowie die Einsetzung eines unabhängigen Armutsbeauftragten. Außerdem müssten die Hartz-IV-Leistungen "bedarfsgerecht" deutlich erhöht werden.

Der Bundesverband Deutsche Tafel besteht seit 20 Jahren und vertritt nach eigenen Angaben mittlerweile rund 900 lokale Tafeln mit mehr als 3000 Läden und Ausgabestellen. Die Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel von Händlern und Herstellern ein und verteilen sie an Bedürftige.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Frauen fühlen sich abgestoßen“: CDU-Ministerin schießt im Asylstreit scharf gegen Seehofer und Co.
Innenminister Horst Seehofer sieht sich als Opfer einer Kampagne und keinerlei Schuld bei der Bundespolitik für das CSU-Umfragetief. Tritt er im falle eines Debakels bei …
„Frauen fühlen sich abgestoßen“: CDU-Ministerin schießt im Asylstreit scharf gegen Seehofer und Co.
Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: CSU im Sturzflug - Grüne stärker als SPD und AfD
Am 14. Oktober 2018 findet die bayerische Landtagswahl statt. Die aktuellen Umfrageergebnisse und eine darauf basierende Prognose finden Sie hier.
Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: CSU im Sturzflug - Grüne stärker als SPD und AfD
Heikler Termin: Seehofer sagt vor dem GBW-Ausschuss aus
Knapp drei Monate vor der Landtagswahl hat im GBW-Ausschuss des Bayerischen Landtags die entscheidende Phase begonnen. Den Auftakt im Zeugenstand macht Horst Seehofer.
Heikler Termin: Seehofer sagt vor dem GBW-Ausschuss aus
Israel verabschiedet umstrittenes "Nationalitätsgesetz"
Mit 62 von insgesamt 120 Stimmen ist im Parlament Israels das "Nationalgesetz" verabschiedet worden. Die Verordnung sieht unter anderem vor, das Arabisch nicht mehr …
Israel verabschiedet umstrittenes "Nationalitätsgesetz"

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.