Medienbericht

Mehr Gewalt: Zahl der Taten gegen Flüchtlinge steigt an

Berlin - Die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge ist deutlich angestiegen. Es wird zudem davor gewarnt, dass der Rassismus in Deutschland auf dem gleichen Stand ist wie vor 20 Jahren.

Die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge ist nach Informationen der Zeitung "Die Welt" in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen. In diesem Jahr seien bereits 104 Gewalttaten gegen Asylheime registriert worden, darunter 53 Brandstiftungen, berichtete die Zeitung in ihrer Donnerstagsausgabe unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA). Im gesamten Jahr 2014 seien 28 Gewalttaten verzeichnet worden.

Die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte, wozu auch Propagandadelikte und Fälle von Volksverhetzung zählen, wurde demnach mit 637 angegeben - mehr als dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. Allein im dritten Quartal 2015 seien es 303 Straftaten gewesen.

Betreiber von Flüchtlingsunterkünften äußerten sich dem Bericht zufolge alarmiert. "Wir erleben gerade die schlimmste Welle von rassistischer und rechtsextremer Gewalt seit zwanzig Jahren", sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie der "Welt". Inzwischen richteten sich die Anschläge auch gegen bewohnte Unterkünfte. "Hier sind vergleichbar den Bannmeilen Schutzzonen um gefährdete Unterkünfte sinnvoll und notwendig", sagte Lilie.

Flüchtlingskrise: Sicherheitsbehörden am Pranger

Der Diakonie-Präsident kritisierte die Sicherheitsbehörden. Es sei nicht hinnehmbar, dass so wenige Brandanschläge aufgeklärt würden. "Eine konsequente, schnelle und erfolgreiche Strafverfolgung kann dazu beitragen, eine weitere Eskalation von Gewalttaten zu verhindern", sagte Lilie.

Der Gründer der Rechtsextremismus-Aussteiger-Initiative Exit, Bernd Wagner, sieht die Intensität der fremdenfeindlichen Gewalt auf einem ähnlichen Niveau wie zu Beginn der 90er Jahre. "Wir hatten so eine Situation bereits im Frühjahr 91", sagte Wagner der Zeitung. "Da braut sich was zusammen, bald könnten die ersten Todesopfer zu beklagen sein, wenn die Gewalt nicht repressiv gestoppt wird."

Offiziell rechnet die Bundesregierung mit 800.000 Flüchtlingen, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Am Donnerstag treffen sich die Koalitionsspitzen erneut in Berlin, um eine Einigung über die nächsten Schritte zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zu erzielen.

Alle Informationen zur Flüchtlingskrise finden Sie im News-Ticker.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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