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Grenzen dicht - und dann? Experten rechnen mit chaotischen Zuständen für die Flüchtlinge, langen Staus, dem Ende der Reisefreiheit - und Menschen, die trotzdem Wege finden werden, zu uns zu kommen.

Szenario zur Flüchtlingskrise

Was würde passieren, wenn wir die Grenzen schließen?

München - Der Ruf nach einer Schließung der Grenzen wird lauter. Doch um den Zustrom zu begrenzen, müsste man die Grenzen wohl komplett schließen. Welche Folgen das haben könnte? Eine Analyse.

Allein die Ankündigung der Grenzschließung hätte Folgen. Berater der Bundesregierung rechnen damit, dass die Zahl der Flüchtlinge dann noch einmal steigt, um Deutschland noch vor der geplanten Grenzschließung zu erreichen. Chaotische Zustände an den Übergangen wären vorprogrammiert: Tausende müssten in der Kälte ausharren, irgendwo notdürftig campieren. Ihre Versorgung könnte zusammenbrechen. Der Österreichische Außenminister Sebastian Kurz sagte dazu in einem Interview: „Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen.“

Die Umsetzung: Um die Folgen in Grenzen zu halten, müsste Deutschland die Grenzen über Nacht schließen. Ob das überhaupt zu schaffen ist, darüber streiten die Experten. Für einen Zaun, wie ihn Ungarn habe, sei die Grenzlinie zu lang. Anne Koch, Europa-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, hält eine Grenzschließung sogar für kontraproduktiv. Wenn organisierte Einreisemöglichkeiten wegfielen, würden Flüchtlinge andere Wege finden, sagte sie der Huffington Post.

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Kettenreaktion: Wenn Deutschland die Grenzen schließt, wären auch alle Durchreiseländer auf der Flüchtlingsroute gezwungen, die Grenzen zu schließen, da sie noch viel weniger in der Lage sind, das Problem zu schultern. Am Ende stünde dann Griechenland da, das (wegen der vielen Inseln) kaum die Möglichkeit hat, seine Grenzen zu schließen. Und wo derzeit täglich immer noch rund 3000 Flüchtlinge ankommen.

Was würde sich für die Bevölkerung in Deutschland ändern? Schon jetzt müssen Pendler im bayerisch-österreichischen Grenzland mit Behinderungen rechnen. Nach einer kompletten Grenzschließung (denn nur wenn man auch den Lkw- und Warenverkehr kontrolliert, kann man Schlepper stoppen) wäre ein tägliches Pendeln aufgrund der zu erwartenden Staus aber wohl gar nicht mehr möglich. Insgesamt wäre für jeden von uns die Reisefreiheit erheblich eingeschränkt. Auch an den Flughäfen würde sich die Wartezeiten verlängern.

Arbeitsplätze: Experten gehen davon aus, dass die längeren Wartezeiten für Lkws an der Grenze zu höheren Kosten für die Wirtschaft führen – und zu höheren Preisen für uns. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schätzt, dass die erst kürzlich eingeführten Kontrollen auf der Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden schon bis jetzt Kosten in Höhe von 300 Millionen Euro verursacht haben. Würde man bei Grenzkontrollen in ganz Europa eine einstündige Wartezeit pro Lkw zugrunde legen, entstünden Kosten von drei Milliarden Euro! Europa-Politiker Alexander Graf Lambsdorff (FDP) warnt, dass ohne offene Grenzen der Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr sei. Grenzkontrollen könnten auch viele Arbeitsplätze kosten. Mittelstandspräsident Mario Ohoven sieht’s gelassen. Der tz sagte er: Natürlich kosten Grenzkontrollen den Mittelstand Zeit und Geld, gerade bei Zuliefern in der Speditions- und Logistikbranche. Aber das ist derzeit das kleinere Übel!“ Bei einem ungebremsten Zustrom von Flüchtlingen drohen Kosten bis zu 900 Milliarden Euro.

Die Europäische Idee: Europa-Experten gehen davon aus, dass eine deutsche Grenzschließung Europa-Gegnern Auftrieb geben wird. Dass die Staaten zunehmend das Vertrauen untereinander verlieren könnten. Und es zunehmend schwieriger werden könnte, jungen Menschen den „Geist von Europa“ zu vermitteln, wenn Vorteile wie die Reisefreizügigkeit wegfielen.

tz

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