Nach Unruhen in einem Flüchtlingslager in Grand-Synthe in Nordfrankreich ist die Wohnanlage vollständig niedergebrannt.

Schlägerei war Auslöser

Nach Unruhen: Flüchtlingslager in Frankreich niedergebrannt

Paris - Das Flüchtlingscamp von Grande-Synthe sollte ein Vorzeigeprojekt sein: Unterkünfte nach internationalen Standards für Menschen, die zuvor unter schwierigen Bedingungen in einem Zeltlager ausharrten. Nun geht es in Flammen auf, angezündet bei einer Schlägerei.

Ein Flüchtlingslager in Nordfrankreich ist bei Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Afghanen in Flammen aufgegangen. Der Großteil der Holzhütten in dem Lager in Grande-Synthe bei Dünkirchen sei zerstört worden, sagte Präfekt Michel Lalande. Bewohner des Lagers hätten das Feuer gelegt. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag sprach er von einer „Verwüstung“ und betonte, es brauche viele entschlossene, gewalttätige Leute, um zu einem solchen Schaden zu kommen.

In Nordfrankreich sammeln sich seit Jahren immer wieder Migranten, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. In dem Camp sollen zuletzt rund 1500 Menschen gelebt haben. Grande-Synthe liegt rund 30 Kilometer Luftlinie von Calais, wo die Behörden im vergangenen Jahr ein riesiges Elendslager geräumt hatten. Im „Dschungel von Calais“ hatten zeitweise mehrere Tausend Menschen in Zelten und Hütten gelebt. Sie wurden auf Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt.

Etwa 500 Migranten aus Grande-Synthe wurden zunächst in Turnhallen untergebracht, wie die Regionalzeitung „La Voix du Nord“ berichtete. 59 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um die Flammen zu löschen. Insgesamt seien rund 20 Personen von Rettungskräften behandelt worden, berichtete der Sender BFMTV. Die Regierung kündigte an, dass eine Untersuchung den Hergang klären solle. Der Innenminister und die Wohnungsbauministerin wollten am Dienstagnachmittag nach Grande-Synthe reisen.

Das Lager war vor etwas mehr als einem Jahr von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) und der Stadt Grande-Synthe eingerichtet worden. Es sollte internationalen Standards genügen und eine anständige Unterbringung ermöglichen: Die 300 Holzhütten ersetzten ein wildes Zeltlager, in dem sich bis dahin Hunderte Flüchtlinge unter erbärmlichen Umständen aufgehalten hatten. Der Staat hatte das Projekt anfangs kritisch beäugt, dann aber doch den Betrieb finanziert. MSF zog sich jedoch vor einigen Monaten zurück und kritisierte zunehmenden Druck der Behörden.

Präfekt Lalande sagte schon in der Nacht, die ersten Schlägereien seien bereits am Montagnachmittag ausgebrochen. Laut „La Voix du Nord“ erzählte der Bürgermeister von Grande-Synthe, die Zahl der Menschen im Lager und ethnische Spannungen nach der Räumung von Calais hätten Probleme bereitet.

Innenminister Bruno Le Roux hatte erst vor einigen Wochen inakzeptable Zustände beklagt, darunter die Erpressung von Geld für den Zugang zu den Duschen. Der Staat verlängerte Mitte März die Finanzierung des Camps bis Ende August - unter der Bedingung, die Zahl der Bewohner auf 700 zu reduzieren und das Lager besser zu sichern, um gegen Schleuser vorgehen zu können. Das Feuer könnte nun das Ende des Projekts besiegeln. Der Präfekt sagte, nach den Ereignissen der Nacht sehe er nicht, wie dort wieder ein Lager eingerichtet werden könne.

dpa

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