Quarantäne für viele passé?

Brisanter Plan - ausgerechnet in der dritten Welle: Top-Arbeitsgruppe will Flugreisen erleichtern

  • Josef Forster
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Die Bundesregierung plant wohl die Quarantäne-Pflicht für Flugreisende aus bestimmten Gebieten abzuschaffen, berichtet die dpa. Auf den Osterurlaub könnte der Schritt Auswirkungen haben

München - Derzeit bieten Flughäfen einen traurigen Anblick. Nur wenige Geschäftsreisende sind in den weiten Gängen unterwegs, die Schalterhallen wirken vielerorts ausgestorben. Die aktuellen Quarantäneregeln schränken Flugreisen ein, die Airlines reduzieren ihr Angebot auf die nötigsten Verbindungen. Doch das könnte sich schon bald ändern: Bundesregierung, Länder und Verbände planen wohl Erleichterungen für Flugreisende. Statt Quarantäne sollen wohl negative Corona-Tests für Reisende aus bestimmten Gebieten Pflicht werden.

Corona-Pandemie: Airlines melden Rekord-Einbußen

Die Corona-Maßnahmen treffen auch die Flugbranche schwer. Alleine die Lufthansa, Europas größte Airline, meldete einen Verlust von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2020. Neben den Luftfahrtunternehmen sollen wohl auch Reisende von den geplanten Erleichterungen profitieren.

Nach dem Entwurf einer Arbeitsgruppe aus Bundesministerien, Ländervertretern und Verbänden sollen Reisende zumindest aus einfachen Risikogebieten künftig die Quarantäne mit einem einfachen negativen Corona-Test bei Einreise vermeiden können. Hierzu sollten auch zugelassene Antigen-Tests verwendet werden dürfen. Die Ergebnisse sollten in diesem Szenario umgehend zur vorherigen digitalen Einreiseanmeldung hochgeladen werden, wie aus einem Papier hervorgeht, das der dpa am Freitag vorlag.

Für Einreisen aus Hochinzidenzgebieten sieht der Entwurf wie bisher nach fünf Tagen eine Freistellung von der Selbstquarantäne vor, wenn ein zweiter negativer Test zur Einreiseanmeldung hochgeladen wird. Der erste Test muss bereits vor der Einreise vorliegen. Für Gebiete, in denen die Virusmutante wütet, soll die Quarantäne hingegen weiterhin 14 Tage betragen ohne die Möglichkeit des „Frei-Testens“. Zusätzlich wird die Einrichtung sogenannter „Flugkorridore“ vorgeschlagen. Dass der Entwurf auch umgesetzt wird, ist derzeit noch nicht ausgemachte Sache. Weitere Beratungen stehen an.

Reisen während Corona: Länderchefs von Reisebeschränkungen irritiert

Am vergangenen Freitag strich die Bundesregierung Mallorca von der Liste der Hochrisikogebiete. Die Airlines verzeichneten daraufhin einen sprunghaften Anstieg der Buchungen, da viele Bundesbürger:innen ihren Osterurlaub im Ausland verbringen wollen. Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, stört sich an der Entscheidung der Bundesregierung. Sie hat sich dafür ausgesprochen, Urlaub im eigenen Land unter strengen Bedingungen zu ermöglichen. „Dass jetzt wieder der Mallorca-Urlaub sozusagen dem Urlaub im eigenen Land aus epidemiologischen Gründen vorgezogen wird, das versteht niemand“, sagte sie am Freitagmorgen im Deutschlandfunk.

Die Ministerpräsidentin schlug stattdessen „kontaktlosen Urlaub“ im eigenen Land vor. Im Interview mit der Bild hatte sich zuvor auch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), für ein ähnliches Modell ausgesprochen. Über Öffnungspläne für Hotels in Deutschland wollen Bund und Länder voraussichtlich am 22. März beraten. Am Freitag steht zunächst das Thema Impfen auf der Agenda einer Runde mit Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten. (jjf/dpa)

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