Armin Schuster
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Armin Schuster, Leiter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz verteidigt das Vorgehen seiner Behörde

DWD auch mit deutlicher Kritik

„Monumentales Versagen“ bei Hochwasser-Warnung Katstrophenschutz-Chef irritiert mit Aussage

  • Josef Forster
    VonJosef Forster
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Die größte Flutkatastrophe seit 1962 forderte mindestens 160 Todesopfer, ein Sachschaden in Millionenhöhe entstand. Hätten die Menschen früher gewarnt werden können? Kritik wird laut.

München/Euskirchen - Es waren Bilder, die sich ins Gedächtnis brannten. Häuser, Autos, Schiffe von reißenden Fluten weggespült wie Spielzeug. Die verheerenden Überschwemmungen im Westen Deutschlands und in Bayern forderten über 160 Menschenleben. Sie nahmen den Betroffenen ihre Liebsten und ihr Zuhause. Nachdem die akute Gefahrenlage überwunden ist, fragen Kritiker: Hätten die Menschen früher und effektiver vor der Gefahr gewarnt werden können? Bundesinnenminister Horst Seehofer weist die Kritik ebenso zurück wie Armin Schuster. Der 60-Jährige leitet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Doch auch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hagelt es heftige Kritik.

Hochwasser-Katastrophe - Schuster weist Kritik zurück: „Warnsystem hat funktioniert“

Armin Schuster, Präsident des BBK, verwies auf die Zuständigkeit der einzelnen Länder und Kommunen im Katastrophenfall. Das Bundesamt halte „ein ausgeklügeltes Warnsystem bereit für unsere eigene Zuständigkeit: den Verteidigungsfall“, erklärte Schuster. Solange dieser nicht vorliege, löse der Bund über das System nicht selbst aus, sondern biete es Ländern und Kommunen an, wenn sie warnen wollen. Das sei vergangene Woche „der klassische Fall“ gewesen. „Ich kann Ihnen sagen: Unser Warnsystem hat funktioniert in jedem einzelnen Fall.“ Der Deutsche Wetterdienst, die Hochwasserzentrale und die Kreisbehörden hätten intensiv davon Gebrauch gemacht. 150 Warnmeldungen seien über das System geschickt worden - an Fernseh- und Rundfunkanstalten, an die Warn-Apps.

„Worauf ich keinen Einfluss habe, ist, wie vor Ort mit diesen Warnungen umgegangen wird. Dieses Durchgriffsrecht hat eine Bundesbehörde nicht im Katastrophenfall. Es führen die Länder und das ist, glaube ich, auch gut so. Und es führen die Landkreise. Auch das ist richtig“, sagte Schuster. Zuvor musste sich Schusters Behörde und das Bundesinnenministerium scharfer Kritik stellen.

Flutkatastrophe: Experten kritisieren Behörden - „Monumentales Versagen“

Aus Sicht der Hydrologin Hannah Cloke von der englischen Universität Reading ist in Deutschland viel schiefgegangen. Klare Hinweise, die im Rahmen des europäischen Frühwarnsystems EFAS bereits vier Tage vor den ersten Überschwemmungen herausgegeben worden seien, seien offenbar nicht bei der Bevölkerung angekommen, sagte sie der Zeitung Sunday Times. Die Wissenschaftlerin bescheinigte den Behörden „monumentales Versagen“.

Auch aus der Politik hagelt es Kritik. FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden.“ Hier zeige sich ein Systemversagen, „für das der Bundesinnenminister Seehofer unmittelbar die persönliche Verantwortung trägt“. Die FDP-Fraktion beantragte eine Sondersitzung des Innenausschusses.

Hochwasser-Katastrophe: Deutscher Wetterdienst warnte Behörden frühzeitig

Seehofer stritt die Vorwürfe ab. Der Minister betonte, dass der Katastrophenschutz in Deutschland gut aufgestellt sei. Bund, Länder und Kommunen müssten sich aber auch gemeinsam Gedanken machen, welche Lehren aus dem Krisenmanagement der vergangenen Tage zu ziehen seien. Es wäre falsch, „in der Arroganz (zu) verharren“, dass man nichts mehr verbessern könne. Der Deutsche Wetterdienst erhebt derweil schwere Vorwürfe.

Der DWD warnte die Behörden schon drei Tage vor der Katastrophe, wie die Bild berichtete. „Wir lagen diesmal mit unseren Warnungen gut. [...] Unsere Modelle haben uns dann veranlasst, vor einem extremen Unwetter zu warnen – drei Tage vorher! Diese Warnung ging an alle Lagezentren und den Katastrophenschutz der betroffenen Länder“, beschrieb Meteorologe Andreas Friedrich vom DWD gegenüber Bild. Nach der Flutkatastrophe werden nun die Rufe nach einer zentralen Koordinierungsstelle bei länderübergreifenden und speziellen Lagen laut. (jjf/dpa)

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