Das Hochwasser der Erft verwüstete den historischen Kern der Stadt Bad Münstereifel
+
Das Hochwasser der Erft verwüstete den historischen Kern der Stadt Bad Münstereifel

Hochwassergebiete

Flutkatastrophe: Zahl der Unwetter-Toten in Deutschland steigt auf 156

Die Zahl der Toten durch die Unwetterkatastrophe in Deutschland ist nochmals deutlich gestiegen und liegt nun bei 156.

In Rheinland-Pfalz erhöhte sich die Opferzahl nach Polizeiangaben von Sonntagmorgen um weitere zwölf auf 110. In Nordrhein-Westfalen waren bis Samstagabend 45 Tote gezählt worden, zudem kam mindestens ein Mensch bei Überschwemmungen im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land ums Leben. Auch in der Sächsischen Schweiz gab es starke Überschwemmungen.

In den Hochwassergebieten in NRW und Rheinland-Pfalz galten zudem immer noch zahlreiche Menschen als vermisst. Allerdings waren viele Telefon- und Internetverbindungen weiterhin unterbrochen, was die Kontaktaufnahme massiv erschwerte. Bis zum Sonntagmorgen wurden in diesen beiden Ländern insgesamt 155 Unwetter-Tote verzeichnet.

Die Zahl der Toten übertrifft mittlerweile um ein Mehrfaches jene der sogenannten Jahrhundertflut aus dem Jahr 2002, bei der in Sachsen 21 Menschen gestorben waren. In den überfluteten Orten in NRW und Rheinland-Pfalz boten sich Bilder von verheerender Zerstörung, so im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler im nördlichen Rheinland-Pfalz und im nordrhein-westfälischen Erftstadt.

Kritisch blieb die Lage an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen in NRW. Es drohe weiterhin "akute Überflutungsgefahr" durch Versagen des Absperrdammes, warnte die Kölner Bezirksregierung. Zwar pumpten Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks dort Wasser ab. Laut Bezirksregierung kann eine Entwarnung aber erst bei einer Zweidrittel-Entleerung der Talsperre gegeben werden. Nach vorsichtiger Schätzung könne diese am Sonntagnachmittag erreicht sein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte am Samstag zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Erftstadt und sprach den Betroffenen seine Anteilnahme aus. "Wir trauern mit denen, die Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder verloren haben. Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz", sagte der Bundespräsident. In Erftstadt hatte die über die Ufer getretene Erft zahlreiche Häuser unterspült und zum Einsturz gebracht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Sonntag zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) das ebenfalls schwer von der Unwetterkatastrophe getroffene Eifeldorf Schuld besuchen. In dem 660-Einwohner-Ort waren mehrere Häuser komplett von den Wassermassen fortgerissen worden.

Derweil löste der oberbayerische Landkreis Berchtesgadener Land am Samstag den Katastrophenfall aus. Nach Angaben des Landratsamts wurden rund 65 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht. Straßen und Keller wurden überflutet. In dem Ort Marktschellenberg war den Angaben zufolge der Ortsteil Scheffau von der Außenwelt abgeschnitten. Der Pegel der Berchtesgadener Ache hatte am Samstagabend den historischen Höchststand von 3,15 Metern erreicht. Die Behörden befürchteten, dass sich die Lage noch weiter verschärfen könnte.

Auch in der Sächsischen Schweiz in Sachsen wurden mehrere Orte von starkem Hochwasser heimgesucht. Die Verwaltung des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge warnte vor einer "erheblichen Gefahrensituation" in Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf, Schöna und Gohrisch. Einzelne Ortsteile waren nicht mehr erreichbar.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte eine Soforthilfe von mehr als 300 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe an. Darüber wird nach seinen Angaben am Mittwoch das Bundeskabinett beraten. "Es braucht einen nationalen Kraftakt", sagte Scholz der "Bild am Sonntag". Scholz will dem Kabinett zudem ein milliardenschweres Aufbauprogramm für die Flutregionen vorschlagen. Die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken müssten zügig repariert werden, sagte er.

Im ebenfalls von schweren Überschwemmungen heimgesuchten Osten Belgiens erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf mindestens 27. Von 103 weiteren Menschen war nach Angaben der Behörden der Verbleib am Samstagabend noch ungeklärt.

Auch in mehreren Regionen Österreichs kam es zu starken Überflutungen. An verschiedenen Orten in den Bundesländern Salzburg und Tirol wurde Zivilschutzalarm ausgelöst. In der Altstadt von Hallein kam es zu massiven Überschwemmungen.

mkü/isd

Auch interessant

Kommentare