+
Irakische Sicherheitskräfte beteiligen sich am Kampf gegen den ISA südlich von Mossul.

Kampf um Mossul

Folter und Mord: Schwere Vorwürfe gegen irakisches Militär

London /Bagdad - Männer in Polizeiuniformen sollen die Bewohner befreiter Dörfer nahe Mossul gefoltert und erschossen haben. Amnesty International fordert Konsequenzen.

Irakische Sicherheitskräfte sollen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mehrere Menschen nahe Mossul hingerichtet haben. Bewaffnete Männer in Polizeiuniformen hätten bis zu sechs Menschen kaltblütig erschossen, berichtete Amnesty am Donnerstag. Einige Opfer seien vorher gefoltert worden. Die Sicherheitskräfte hätten ihnen Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen.

Die Millionenstadt Mossul ist das Machtzentrum des IS im Irak. Irakische Truppen versuchen derzeit, mit Hilfe kurdischer Milizen und westlicher Unterstützung die Stadt zu erobern.

Amnesty verlangt Aufklärung und Suspendierungen

„Die irakischen Behörden müssen umgehend gründliche und unabhängige Untersuchungen dieser Vorfälle durchführen“, forderte die stellvertretende Direktorin des Amnesty-Büros in Beirut, Lynn Maalouf. Die Regierung müsse alle Personen vom Dienst suspendieren, die im Verdacht stünden, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Maalouf befürchtet, dass sich ähnliche Vorfälle im Zuge der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul wiederholen könnten. Hinrichtungen dieser Art verstießen gegen internationales Recht.

Nach Informationen von Amnesty ereigneten sich die Vorfälle südlich von Mossul. Mehrere Bewohner befreiter Orte seien gefesselt oder mit Kabeln und Gewehrkolben geschlagen worden, bevor einige erschossen worden seien. Teilweise seien ihre Leichen verstümmelt oder mit verbundenen Augen aufgefunden worden. Die Getöteten seien allesamt ohne Autopsie beigesetzt worden.

IS-Terroristen entführten hunderte Menschen

Hunderte Menschen sollen im Süden Mossuls zuvor von IS-Terroristen entführt worden sein, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen, wie Amnesty berichtete. Einige der von den Uniformierten Getöteten seien zuvor nur mit knapper Not diesen Entführungen entkommen.

Über ähnliche Übergriffe irakischer Sicherheitskräfte hatte die Menschenrechtsorganisation bereits im Mai diesen Jahres bei der Befreiung von Falludscha berichtet. Auch damals sollen Uniformierte der staatlichen Polizei beteiligt gewesen sein.

Irakische Streitkräfte rücken zusammen mit Verbündeten seit Wochen auf die irakische IS-Hochburg Mossul vor.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Korea-Treffen bietet enorme Chancen“ – doch beim zentralen Thema wird es alles andere als leicht
Nordkoreas Diktator Kim und Südkoreas Präsident Moon treffen sich im Grenzort Panmunjom zum großen Gipfel. Es soll um atomare Abrüstung und eine langfristige …
„Korea-Treffen bietet enorme Chancen“ – doch beim zentralen Thema wird es alles andere als leicht
Bundeswehr bleibt weiter in Mali und Somalia
Die UN-Mission zur Stabilisierung von Mali ist momentan der größte und gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Künftig sollen dort sogar noch mehr deutsche …
Bundeswehr bleibt weiter in Mali und Somalia
Mike Pompeo ist neuer US-Außenminister
Lange Zeit sah es so aus, als sei Mike Pompeo ein Wackelkandidat - dann gab ein Teil der oppositionellen Demokraten seinen Widerstand gegen den außenpolitischen Falken …
Mike Pompeo ist neuer US-Außenminister
Syrische Zeugen berichten über von "inszeniertem Anschlag"
Der mutmaßliche Giftgasangriff im syrischen Duma schürt die Spannungen zwischen West und Ost. Die OPCW-Ermittler suchen nach Spuren. Doch Russland wartet das Ergebnis …
Syrische Zeugen berichten über von "inszeniertem Anschlag"

Kommentare