Im Fall der Regierungsübernahme

SPD fordert Ganztagsschule als Pflicht

München – Die SPD will im Fall einer Regierungsübernahme verpflichtende Ganztagsschulen einführen. Dies kündigte der Bildungssprecher der Landtagsfraktion, Martin Güll, gestern an.

In jedem bayerischen Landkreis und jeder kreisfreien Stadt solle „mindestens ein Gymnasium und eine Realschule als komplette Ganztagsschule“ umgewandelt werden, sagte Güll.

Bisher ist der Besuch einer Ganztagsschule freiwillig. An vielen Gymnasien gibt es gar keine reguläre Ganztagsklasse. Die Staatsregierung erklärte gestern, den Ausbau der Ganztagsangebote voranzutreiben. Allerdings solle die traditionelle Halbtagsschule der Regelfall bleiben, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Bis Ende 2014 soll es an 90 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Ganztagsunterricht geben. Derzeit sind es 78 Prozent. „Wir wollen die Reichweite erhöhen, das ist unser Ziel.“ Das Kultusministerium empfiehlt den Gymnasien, eine Ganztagsklasse je Jahrgang einzurichten. Künftig soll es sie nicht nur in der 5. und 6. Klasse, sondern auch in der 7. und 8. Klasse geben. Der SPD reicht das nicht. „Von wegen hohe Dynamik, das ist immer noch Schneckentempo“, sagte Güll. Ganztagsangebote seien zum Teil reine Betreuung, aber kein Unterricht.

Zahlen des Kultusministeriums belegen, dass es inzwischen an den meisten Schulen zwar Ganztagsangebote gibt. Diese werden aber nur von einer Minderheit besucht. Die Schülerzahl an Volks- und Realschulen sowie Gymnasien liegt bei knapp 1,3 Millionen. Ganztagsangebote besuchen aber nur ein gutes Zehntel, nämlich 143 000 Schüler. Weitere 92 000 nehmen an der Mittagsbetreuung teil. Das Angebot orientiere sich am Bedarf. Jeder Antrag werde genehmigt, versicherte Spaenle.

Güll hält auch hier dagegen: Die Förderung sei so schlecht, dass viele Bürgermeister auf einen Antrag verzichteten.  

dw/lby

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