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Legehennen in Großbetrieben: dicht gedrängt auf engstem Raum. Experten fordern mehr Tierschutz. Julian Stratenschulte/Archiv Foto: Julian Stratenschulte

Wende wird angemahnt

Regierungsberater fordern mehr Tierschutz im Stall

Berlin - Massentierhaltung mit Tausenden Schweinen oder Puten steht immer stärker in der Kritik. Ein Gutachten für das Agrarministerium mahnt nun eine deutliche Wende an - auch wenn es Milliarden kosten kann.

Angesichts von Protesten gegen riesige Mastanlagen und massiven Antibiotika-Einsatz fordern Berater der Bundesregierung ein Umsteuern zu mehr Tierschutz in den Ställen.

Damit wären aber auch höhere Lebensmittelpreise für die Verbraucher verbunden, heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Landwirtschaftsministerium. Für größere Akzeptanz in der Bevölkerung sollten Schweine oder Geflügel unter anderem genug Platz im Stall und Zugang zu Frischluft und Tageslicht haben. Solche Umstellungen kosteten bis zu fünf Milliarden Euro im Jahr zusätzlich. Die Landwirtschaft könne dies nicht allein tragen.

In der Nutztierhaltung in Deutschland gebe es "erhebliche Defizite vor allem im Bereich Tierschutz", heißt es in der Analyse. In vielen gängigen Haltungssystemen bestehe ein hohes Risiko, dass Schmerzen und Schäden für Tiere entstünden. Die Marktchancen, die sich aus der positiven Einstellung vieler Bürger zum Tierschutz ergäben, würden aber nicht annähernd ausgeschöpft. "Fleischprodukte werden in den meisten Fällen vielmehr als Standardware über den Preis vermarktet."

Die Wissenschaftler machen mehrere Vorschläge für mehr Tierschutz. So müssten auch viel weniger Arzneimittel eingesetzt und Beschäftigte besser ausgebildet werden. In den Ställen sollten sich Tiere auf verschiedenen Bodenbelägen bewegen können, Amputationen wie das Schwänzekürzen bei Ferkeln sollten entfallen. Dies seien tiefgreifende Änderungen, die einen langen Atem bräuchten, sagte der Vorsitzende des Beirats, Harald Grethe von der Universität Hohenheim. Aus den Mehrkosten für die Bauern könnte resultieren, dass sich die Endpreise für die Verbraucher um drei bis sechs Prozent erhöhen.

Damit die Fleischproduktion nicht in Länder mit geringerem Tierschutz verlagert werde, seien politische Begleitmaßnahmen nötig, erläutert der Beirat. Dazu zählten zusätzliche und eindeutigere gesetzliche Mindeststandards. Freiwillige Brancheninitiativen sollten mit mehr Geld ausgestattet und bestimmte Produkte aus den Regalen genommen werden. Die Wissenschaftler warnen, die Betriebsgröße ins Zentrum zu stellen. Wichtiger seien die konkreten Bedingungen für die Tiere.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mahnte: "Das Wohl der Tiere müssen wir uns auch was kosten lassen." Der Tierschutzbund forderte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) zu Taten auf. Der Bauernverband warnte vor Produktionsverlagerungen ins Ausland: "Ein radikaler Umbau mit der Brechstange führt die Landwirtschaft ins Abseits und bringt den Tierschutz nicht weiter." Der Parlamentarische Agrar-Staatssekretär Peter Bleser (CDU) sagte, Ziel sei, gemeinsam mit allen Beteiligten dafür zu sorgen, dass es Nutztieren bessergehe.

Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums

Zusammenfassung des Gutachtens

Komplettes Gutachten, 425 S.

dpa

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