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Hier ist Kim bei einer Ausstellung des Militärministeriums. Das Foto wurde im Mai 2017 veröffentlicht.

Fast jeder übersieht es

Nordkorea-Fotos zeigen immer ein bestimmtes Detail - es ist überlebenswichtig

Fast alle übersehen auf den Fotos, die den nordkoreanischen Diktator mit seiner Gefolgschaft zeigen, ein bestimmtes Detail. Es ist immer gleich – und überlebenswichtig. 

Pjöngjang – Eigentlich ist es offensichtlich, aber fast alle übersehen es: Auf den Bildern, die den nordkoreanische Diktator Kim Jong-un mit seiner Gefolgschaft zeigen, ist ein bestimmtes Detail immer gleich – und es ist überlebenswichtig. Kims Leute hängen augenscheinlich immer an seinen Lippen und sind permanent sehr interessiert an allem, was der Diktator sagt, tut oder anschaut. Alle wissen: Machen sie nicht den Eindruck, als würden sie jedes Wort ihres Chefs sprichwörtlich aufsaugen, wirken abwesend oder gähnen gar einmal, droht ihnen eine schwere Strafe.

Kim kennt angeblich keine Skrupel und lässt Leute, die ihm seiner Meinung nach nicht so folgen, wie er es wünscht, schnell von der Bildfläche verschwinden. Das kann den Aufenthalt in einem Strafarbeitslager bedeuten, und im schlimmsten Fall den Tod. Deshalb ist Kim auf offiziellen Bildern der Regierung immer von Militär und Funktionären umringt, die ihn begeistert anhören. Meist haben diese Vertreter, die mit dem Diktator Fabriken, Schulen oder Versammlungen besuchen, auch Stift und Block gezückt, um sich jedes Wort des Diktators merken zu können. 

Hier schaut sich der Diktator eine Pharamziefabrik an. Eine nordkoreanische Zeitung veröffentlichte das Bild im Okober 2015.

Die Hintergründe erklärt Professor James Grayson, Korea-Experte an der englischen Sheffield Universität, dem Nachrichtensender BBC. Diese Darstellung sei eine Demonstration der vom Diktator erwarteten Macht, seines Wissens, seiner Weisheit und seines Interesses. Eingeführt habe dies Kims Großvater Kim Il-sung in den 1950er-Jahren. „Es ist ein Teil des Images, dass der oberste Führer gütig regiert“, so Grayson. 

Der Diktator trifft Militärpersonal, das eine neues Rakten-System testet. Das Bild wurde im März 2016 veröffentlicht.

Obwohl es auch in Nordkorea Tablets gibt, bleibe Papier das bevorzugte Medium. Die Bilder werden im Fernsehen und in den staatlichen Medien verbreitet. Die Gefolgschaft, die mitschreibt, wolle so dargestellt werden, dass sie wirklich jedes Wort des Diktators aufmerksam registriert. Grayson: „Es geht darum, ihn als Mann mit breitem Wissen zu präsentieren“, weiß Grayson. „Aber das ist lächerlich. Er kann unmöglich über all diese verschiedenen Themen Bescheid wissen.“

Der Diktator besucht hier die Verteidigungstruppen an der Südwestfront Nordkoreas.

Professor Steve Tsang, Lehrstuhlinhaber für Zeitgenössische China-Studien an der Nottingham-Universität, sagte der BBC, dass Kims Gefolgsleute extrem sorgsam mitschreiben würden. „Sie würden nichts aufschreiben wollen, das politisch nicht akkurat wäre – es könnte sich rächen.“ Die Notizen würden in der Regel nicht veröffentlicht, das wäre gegen den Willen des Propaganda-Ministeriums. Dabei sei es egal, ob es sich um tatsächliche Äußerungen geht oder sich davon unterscheidet. „Niemand wird das je infrage stellen“, so Tsang.

Das im März 2016 veröffentlichte Foto zeigt Kim Jong-un bei der Besichtigung eines Maschinenwerks in der Industriestadt Hamhung.

Kims Untergebene wissen, dass ihnen stets der Tod drohen kann. Deshalb versuchen sie erst gar nicht, sich den Anordnungen und Gepflogenheiten zu widersetzen. Sie hören weiter eifrig zu und schreiben mit. Denn ihr Leben hängt davon ab.

Nordkorea war jüngst wieder sehr präsent in den Medien, als das Land erneut eine ballistische Rakete abgefeuert hatte. Außerdem glaubten Experten, dass Nordkorea hinter der Cyberattacke steckt, die Mitte Mai hunderttausende Rechner weltweit infiziert hatte.

mh

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