+
Bilder der Kontrolle in Nizza.

Nach Verbot des Ganzkörperbadeanzugs

Nizza: Polizei geht gegen Burkini-Trägerinnen vor

Nizza - Fotos von einer Polizeikontrolle am Strand von Nizza haben die Debatte um Burkini-Verbote in Frankreich angeheizt. Unklar ist, ob die Frau zum Ausziehen ihres Burkinis gezwungen wurde. 

Zu sehen ist auf den Bildern, wie vier Angehörige der städtischen Polizei eine Frau umringen, die mit Leggings, einem langen türkisfarbenen Oberteil und mit einem um den Kopf gewickelten Tuch am Strand der südfranzösischen Stadt liegt. Dann zieht die Frau vor den Polizisten das türkisfarbene Oberteil aus, unter dem sie noch ein ärmelfreies Oberteil trägt.

Unklar ist, ob die Polizisten die Frau zuvor aufgefordert hatten, das lange Oberteil auszuziehen, wie britische Medien es darstellen. Auf Twitter gab es trotzdem umgehend empörte Reaktionen: "Sie wollen ihr ihre Kleidung wegnehmen", schrieb der Vorsitzende des Kollektivs gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich, Marwan Muhammad. Der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, sprach von einem "Gipfel der Absurdität".

Französische Urlaubsorte erließen Burkini-Verbot

Nach den islamistischen Anschlägen in diesem Sommer haben zahlreiche französische Urlaubsorte, darunter Cannes und Nizza, das Tragen des umstrittenen Ganzkörperbadeanzugs an ihren Stränden verboten. Der Burkini - eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini - bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen.

Der Burkini wird in den Dekreten der Bürgermeister nicht namentlich genannt. Vielmehr wird Frauen der Zugang zum Strand untersagt, die "keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln beim Baden achtet".

Als Begründung für die Verbote führen die Bürgermeister an, wegen der nach den islamistischen Anschlägen angespannten Stimmung in Frankreich könne der Burkini zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen. Kritiker verurteilen die Maßnahme als überzogen und islamfeindlich.

Seit Verhängung der Burkini-Verbote sind bereits gegen mehrere Frauen Bußgelder verhängt worden. Das Rathaus von Nizza konnte zunächst nicht sagen, ob die Frau, deren Polizeikontrolle am Mittwoch für Aufregung sorgte, wegen ihrer Kleidung einen Bußgeldbescheid erhielt, wie es die Fotos nahelegen.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Rechtspopulist Steve Bannon will mit neuer "Bewegung" ins EU-Parlament
Steve Bannon, umstrittener Ex-Berater von Präsident Donald Trump und Galionsfigur der radikalen Rechten in den USA, konzentriert sich einem Medienbericht zufolge jetzt …
US-Rechtspopulist Steve Bannon will mit neuer "Bewegung" ins EU-Parlament
Korruptionsaffäre um Juan Carlos spitzt sich zu
Nach seiner Abdankung im Jahr 2014 war der spanische Altkönig Juan Carlos weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Nun wird der 80-Jährige von seiner Vergangenheit …
Korruptionsaffäre um Juan Carlos spitzt sich zu
CSU fordert Durchgreifen bei abgelehnten Asylbewerbern
Die CSU geht aus dem jüngsten Streit um die Asylpolitik leicht gerupft hervor. Deshalb demonstriert sie jetzt Geschlossenheit. Doch die Meinungsverschiedenheiten …
CSU fordert Durchgreifen bei abgelehnten Asylbewerbern
Donald Trump wird Opfer eines fiesen Internet-Streichs: Wer diesen Begriff googelt, findet ihn
Donald Trump wurde Opfer einer Google-Bombe. Wer den einen bestimmten Begriff eintippt, bekommt als Ergebnis hauptsächlich Bilder des Präsidenten.
Donald Trump wird Opfer eines fiesen Internet-Streichs: Wer diesen Begriff googelt, findet ihn

Kommentare