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Raucher-Rebell verliert Partei-Bundesvorsitz 

Frankenberger steigt aus der Politik aus

Erlangen – In diesem Sommer hatte er angekündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Nun wurde Sebastian Frankenberger beim Bundesparteitag der ÖDP als Parteivorsitzender abgewählt.

Sebastian Frankenberger fühlt sich „traumhaft“. Einen Tag nach seiner Abwahl als Bundesvorsitzender der ÖDP ist im Gespräch mit ihm offiziell nichts von Frust oder Enttäuschung zu hören. Im Gegenteil: „Ich genieße es, nun frei zu sein von Partei-Arbeit und freue mich auf die nächsten Projekte, die da kommen werden“, sagt der 33-Jährige.

Es war ja auch nicht überraschend: Schon im Sommer hatte der Passauer im Interview mit unserer Zeitung angekündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Als Grund nannte er damals interne Parteistreitigkeiten. Der engagierte Niederbayer ist nicht überall beliebt, seit er sich unermüdlich für ein Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz“ einsetzte. Das führte 2010 zum Volksentscheid über die Frage nach einer Verschärfung des Nichtraucherschutzes – und ermöglichte damit das bundesweit schärfste Nichtraucherschutzgesetz in Bayern. Doch nicht nur Wirte und rauchende Wirtshaus-Gäste gingen auf die Barrikaden, beschimpften und hetzten gegen ihn. Auch parteiintern kam Ärger darüber auf, dass plötzlich nur noch Frankenberger im Scheinwerferlicht stand. Der nennt das Verhalten seiner Parteikollegen, die gegen ihn wetterten, heute die üblichen „Parteispiele“. Und ist froh, dass er da nicht mehr mitmachen muss. Beim Bundesparteitag in Erlangen wählten die knapp 200 Delegierten am Samstag mit 50,59 Prozent der Stimmen Gabriela Schimmer-Göresz zur neuen Vorsitzenden. Die 62-jährige Justizangestellte aus Neu-Ulm engagiert sich vor allem im Kampf gegen die Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TISA. Ihr unterlag Frankenberger, der 39,54 Prozent der Stimmen erhielt.

Warum hatte er sich überhaupt noch einmal zur Wahl gestellt? „Nach meiner Rücktrittsankündigung habe ich die vergangenen Monate dazu genutzt, aufzutanken. War mit einer Jugendgruppe beim Papst in Rom, war viel in den Bergen“, erzählt er. „Und dann waren sehr viele da, die mich bestärkt haben, mich nicht von den Kampagnen gegen mich entmutigen zu lassen. Sondern mich zu engagieren, weil es gerade jetzt dringender denn je ist, dass wir uns einsetzen.“ Denn wenn er sehe, was die etablierten Parteien tun, da habe die ÖDP noch immer das Parteiprogramm, hinter dem er wirklich steht. Er bleibe Parteimitglied. Werde sich aber künftig eher für ausgewählte Kampagnen etwa im Umweltschutz engagieren, als das parteiinterne „Postengeschacher“ mitzumachen. Das hatte er schon als ehemaliges CSU-Mitglied gehasst, weshalb er zur ÖDP gewechselt war – und nun wieder enttäuscht wurde. „Ich glaube, das ist eine Parteikrankheit“, sagt er abgeklärt. Seiner Nachfolgerin wünscht er, dass es ihr gelingt, dass wieder alle an einem Strang ziehen. Und die ÖDP nicht zu einer reinen kommunalen Wählervereinigung verkommt.

Und er selbst? Wird neben der Kampagnen-Arbeit im Tourismusbereich arbeiten. Und ansonsten die freie Zeit genießen? Da lacht er: „Ich kann Ihnen eines versichern, so frei wird es nicht.“

Katja Kraft

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