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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Junge (8) vor ICE gestoßen

Kommentar zum Sicherheitsgefühl nach Frankfurt: Das Böse in unserem Alltag

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Schreckliche Taten wie der Mord an einem Achtjährigen in Frankfurt schüren die Angst, mehr Polizeipräsenz kann ein Mittel dagegen sein. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Der grausame Mord an einem 8-jährigen Buben am Frankfurter Hauptbahnhof offenbare keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke, sagte gestern die Sprecherin der deutschen Verkehrsminister. Da ist viel dran. Absolute Sicherheit kann kein Staat gewährleisten, auch nicht mit noch so viel Polizei. Das Böse wird immer wieder Wege in unseren Alltag finden. Und trotzdem darf es die Politik nach einem so monströsen Verbrechen nicht bei den üblichen Rufen nach der maximalen Härte des Gesetzes belassen – genau das war das Signal, das gestern zu Recht Bundesinnenminister Horst Seehofer gesendet hat, indem er seinen Urlaub unterbrach, um die aufgewühlte Öffentlichkeit zu informieren.

Frankfurt und weitere Fälle, “die am Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nagen“

Es ist einfach zu viel passiert in diesem hitzigen Sommer: die Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen durch Kinder und Jugendliche, der Mord an einem Regierungspräsidenten, die Tötung einer jungen Frau und eines Kindes durch Bahnsteigschubser, nicht enden wollende Tumulte in öffentlichen Schwimmbädern – das alles sind Zeichen einer gesellschaftlichen Verrohung, die am Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nagen. 

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Und das alles passiert ja nicht in einem luftleeren Raum, sondern spielt sich ab vor dem Hintergrund einer seit der Kölner Silvesternacht geführten Ausländerdebatte, die mal hochkocht und mal wieder abebbt, aber nie ganz verschwindet. Es gäbe sie übrigens auch dann, wenn die AfD nicht begierig auf jedes neue Stichwort wartete – und damit ihrerseits die Gewalt beförderte, nämlich die von Rechtsextremen.

Viele von uns werden sich jetzt dabei ertappen, wie wir in unserem Alltag noch vorsichtiger werden, angefangen am Bahnsteig. Neue Türen an stark besuchten Bahnhöfen können eine sinnvolle Maßnahme sein. Doch auch ausgeklügelte Sicherheitssysteme werden Täter nicht immer stoppen können. Dem Gefühl schwindender Sicherheit kann am wirksamsten der Staat begegnen. Deshalb braucht es zuletzt doch die sichtbare Polizeipräsenz im öffentlichen Raum, damit die Angst uns nicht die Freiheit nimmt.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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