News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona erschossen haben

News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona erschossen haben
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Karneval und Politik: Vorbereitungen für den berühmten Umzug in Nizza - mit Le Pen, Fillon und Macron.

Die wichtigsten Kandidaten

Frankreich vor der Wahl: Große Nation, stolz, bereit für Neues

In drei Monaten wählen die Franzosen ihren nächsten Präsidenten. Die Kandidaten bieten großes Kino – inklusive Verwandtenaffäre bei den Konservativen. Vom Durcheinander könnte der parteilose Emmanuel Macron profitieren.

Update vom 18. Juni 2017: Holt Präsident Emmanuel Macron heute in der Stichwahl die absolute Mehrheit? Wir berichten in einem Live-Ticker zu den Wahlen 2017 in Frankreich.

Update vom 11. Juni 2017: Erhält Präsident Emmanuel Macron in den Parlamentschaftswahlen eine Mehrheit in der französischen Nationalversammlung? Alle Informationen finden Sie im Live-Ticker zur Wahl 2017 in Frankreich.

München – Die Dame, die den französischen Wahlkampf in bemerkenswertes Chaos gestürzt hat, trägt einen karierten Blazer. Penelope Fillon, gestrenge Gattin des konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon, spricht über ihre Rolle. „Ich bin niemals seine Assistentin gewesen – oder was auch immer in der Art“, erklärt sie. Das 2007 geführte Video-Interview der britischen Zeitung „Sunday Telegraph“ ist nun wieder aus den Archiven gekramt worden. Madame Fillons präzise Selbstbeschreibung könnte ihrem Mann endgültig den Weg in den Elysée-Palast verbauen.

Eigentlich galt Fillon, früher Premierminister unter Nicolas Sarkozy, als aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentschaft. Konservativ und katholisch. Bereit zu überfälligen Wirtschaftsreformen und einem Abbau des gewaltigen Staatsapparats. Verlässlich, bieder, vielleicht ein bisschen langweilig. Nicht der schlechteste Politiker-Steckbrief in diesen Zeiten. Dann aber kamen die Enthüllungen der Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“. Fillon hat demnach über 15 Jahre seine Gattin als Beraterin beschäftigt – für insgesamt gut 830 000 Euro. Das Problem: Selbst die erinnerungsstärksten Mitarbeiter der Nationalversammlung beteuern, Penelope Fillon niemals im Parlament gesehen zu haben.

Ratlos: der konservative Kandidat François Fillon.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Mittel. Auch Überweisungen über insgesamt 84 000 Euro an Fillons Kinder, die als Jura-Studenten dem Vater mit ihrer Expertise geholfen haben sollen, haben die Staatsanwälte im Visier. Nicht nur die politischen Gegner feilen angesichts solcher Schlagzeilen dankbar an ihren nächsten Attacken. Auch aus der konservativen Fraktion im Europaparlament kommt inzwischen Druck. Natürlich müsse Fillon die Vorwürfe entkräften, sagt Fraktionschef Manfred Weber (CSU) gegenüber unserer Zeitung. „Ich gehe davon aus, dass ihm dies in den kommenden Tagen gelingt.“

Vor dem nun aufgetauchten Interview-Ausschnitt seiner Frau hatte sich Fillon eine kühne Verteidigungsstrategie zurechtgelegt. Es handle sich um einen von den regierenden Sozialisten komponierten Staatsstreich, ließ er verbreiten. Der Vorwurf der Scheinarbeit sei haltlos. Für viele Beobachter sind das die verzweifelten Luftschläge eines Taumelnden. Hinter den Kulissen sollen die Republikaner längst diskutieren, wer drei Monate vor der Wahl die Kandidatur übernehmen könnte. Ausgang offen. Alain Juppé, wie Fillon ehemals Premierminister und Zweitplatzierter der parteiinternen Vorwahl, hat erst mal abgewunken.

Angeschlagen: Marine Le Pen vom rechten Front National

Auch der parteilose frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron könnte von den irrlichternden Konservativen abgestoßene Wähler gewinnen. In einer jüngst veröffentlichten Umfrage hat er Fillon bereits überholt und rangiert mit 23 Prozent auf Rang zwei. Dabei sollte die diesjährige Wahl eigentlich ein Testlauf für den erst 39-Jährigen und seine im April 2016 gegründete Gruppierung „En marche“ („In Bewegung“) werden. Nun aber könnte Macron schneller in den Elysée-Palast einziehen als erwartet. Laut Umfragen würde er in einer möglichen Stichwahl gegen die rechte Kandidatin Marine Le Pen 65 Prozent holen.

Wie aber hat es Macron in kurzer Zeit geschafft, eine stetig größer werdende Zahl von Franzosen für seine Politik zu begeistern? Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts, nennt als Gründe vor allem Sprache und Jugendlichkeit des Politikers. „Macron redet anders als die anderen Kandidaten. Ohne Worthülsen. Und er traut sich, Überzeugungen zu äußern, die vielleicht auf den ersten Blick gerade nicht so populär sind – für die europäische Idee, für ein enges Verhältnis zu Deutschland.“ Zudem würden viele Menschen Macron eine hohe Wirtschaftskompetenz zuschreiben – in einem Wahlkampf, in dem die Konjunktur und das Schaffen neuer Arbeitsplätze das dominierende Thema seien. Baasners Fazit: „Macron verkörpert den Wunsch vieler Franzosen nach Veränderung.“

Im Aufwind: der parteilose Emmanuel Macron.

Vor allem bei Erstwählern ist Macron Umfragen zufolge beliebt. Und das, obwohl er dem vielkritisierten Eliten-System des Landes entstammt. Sohn eines Ärzte-Ehepaars, Absolvent einer Eliteschule, Studium von Philosophie und Volkswirtschaft. Später Investmentbanker, dann Wirtschaftsminister – bevor er sich Mitte 2016 mit dem sensationell unbeliebten Staatschef François Hollande überwarf. Im Wahlkampf fordert Macron einen „New Deal“ für Europa, will die EU-Außengrenzen besser sichern und Terroristen entschieden bekämpfen. Gleichzeitig bezeichnet er die Aufnahme von Flüchtlingen als moralische Verpflichtung, über Asylanträge müsste aber schneller entschieden werden. Macron verbinde kluge Ideen aus dem linken und dem konservativen Spektrum, sagen seine Fans. Er inszeniere sich nur als Visionär, sagen seine Gegner.

Zu letzteren gehört vor allem die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Umfragen sehen sie im ersten Wahlgang stabil bei 27 Prozent. Allerdings hat ihre Partei bei keiner Wahl in Frankreich bislang mehr als 7 Millionen Stimmen erhalten. Für die Präsidentschaft bräuchte sie in einer Stichwahl aber selbst bei niedriger Wahlbeteiligung rund 15 Millionen Stimmen. „So viele Wähler wird sie nicht für sich gewinnen“, sagt Frank Baasner vom Deutsch-Französischen Institut.

Für die Europäische Union wäre das nach Brexit und Trump mal wieder eine gute Nachricht. Denn für den Fall ihres Wahlsiegs hat Le Pen angekündigt, eine Volksabstimmung über EU- und Euro-Austritt anzusetzen. Seit Jahren wettert sie gegen Brüssel – obwohl sie als langjährige EU-Parlamentarierin selbst von dem System und seinen hübschen Aufwandsentschädigungen profitiert.

Außenseiter: der Sozialist Benoît Hamon.

Auch die Chefin des Front National ist nicht frei von Affären. Weil sie illegal eine Mitarbeiterin beschäftigt haben soll, die fast ausschließlich mit Parteiarbeit beschäftigt war, soll Le Pen dem EU-Parlament 300 000 Euro zurückzahlen. Vergangene Woche sorgte zudem die Nachricht für Aufsehen, dass Security-Mitarbeiter einen TV-Journalisten im Tross von Le Pen rabiat aus dem Raum geworfen hätten. Der Mann hatte der Politikerin eine kritische Frage gestellt. Ihr Sprecher erklärte den Vorfall für „Fake News“ – bis ein Video davon auftauchte.

Die linken Kandidaten, der Sozialist Benoît Hamon und der Alt-Linke Jean-Luc Mélenchon, dürften es kaum in die Stichwahl schaffen. Aber auch um ihre Stimmen müssten die verbliebenen Kandidaten vor dem Showdown am 7. Mai werben. Zwei von drei Franzosen sprechen sich bisher gegen eine Präsidentin Le Pen aus – ein Vorteil für Macron? Abwarten. Die Grande Nation steht vor einer sehr grundsätzlichen Entscheidung.

Die Antworten auf alle Fragen zur Wahl in Frankreich finden Sie hier. Hier erfahren Sie außerdem, ab wann es am Wahlabend ein Ergebnis gibt und können außerdem den Wahltag in Frankreich in unserem Live-Ticker verfolgen.

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