+
Ein Polizist bei der Spurensuche in dem Waggon des Schnellzugs Thalys. Foto: Philippe Huguen

Frankreich will mit Nachbarn für mehr Zugsicherheit sorgen

Der mutmaßliche Attentäter aus dem Thalys sitzt in U-Haft, ihm wird mehrfacher Mordversuch vorgeworfen. Die Debatte um die Sicherheit von Zügen gewinnt an Fahrt: Ein Ministertreffen in Paris soll auch über Gepäckkontrollen nach dem Zufallsprinzip sprechen.

Paris (dpa) - Nach der Attacke in einem Thalys-Zug sprechen europäische Verkehrs- und Innenminister am Samstag in Paris über die Sicherheitsvorkehrungen im Bahnverkehr. Es geht um die Frage, ob Reisende systematischer und koordiniert kontrolliert werden können.

Dies kündigte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve in einem Interview des Senders France Inter an. Cazeneuve nannte als mögliche Maßnahme, die Kontrolle der Papiere von Reisenden vorzuschreiben.

Auch über zufällige Gepäckkontrollen und multinationale Polizeiteams für Züge solle am Samstag gesprochen werden. Er hält solche Vorschläge mit den Regeln des Schengener Abkommens für vereinbar, das die Grenzkontrollen zwischen den teilnehmenden Ländern abgeschafft hat. "Das kann man machen, ohne Schengen zu verändern", meinte er.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP aus dem Umfeld des Ministers berichtete, sollen neun Länder bei dem Treffen vertreten sein - neben Frankreich auch Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz. Eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur beim Pariser Innenministerium blieb zunächst unbeantwortet.

Der 25 Jahre alte Angreifer aus dem Thalys-Hochgeschwindigkeitszug sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Ein Sprecher der Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte, dass dem Marokkaner nach einer Richter-Entscheidung aus der Nacht nun auch offiziell unter anderem mehrfacher Mordversuch in Zusammenhang mit Terrorismus vorgeworfen wird. Ein entsprechendes Verfahren hatte Staatsanwalt François Molins eingeleitet.

Frankreichs führender Anti-Terror-Ermittler wertete die Beteuerungen des mutmaßlichen Islamisten, er habe die Passagiere lediglich ausrauben wollen, als "frei erfunden". Die Ermittler gehen davon aus, dass er ein Blutbad anrichten wollte.

Der mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnete Mann hatte am Freitagabend in dem Zug auf der Fahrt von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet und war von mehreren Fahrgästen niedergerungen worden. Vor der Tat schloss er sich nach Angaben Molins in einer Zugtoilette ein und schaute dort ein Video an, das im Namen eines radikalen Islam zu Gewalt aufrief. Er verletzte zwei Menschen schwer. Frankreich war in den vergangenen Monaten mehrfach Ziel von islamistischen Anschlägen und Terrorplänen.

Interview Bernard Cazeneuve bei France Inter

Video aus dem Zug bei CNN

Interview SNCF-Chef Pepy im "Journal du Dimanche"

Interview Alain Vidalies zu Gepäckkontrollen bei Europe 1

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Asylstreit: Merkel sucht unter Hochdruck europäische Lösung
Der Streit in der Union über Zurückweisungen an den Grenzen ist nur vertagt. Kanzlerin Merkel hat jetzt zwei Wochen Zeit, um in der EU bilaterale Asylabkommen zu …
Asylstreit: Merkel sucht unter Hochdruck europäische Lösung
Tunesier in Köln soll deutlich größere Menge an Gift-Samen gelagert haben
Laut einem Medienbericht soll der Tunesier, der in Köln hochgiftiges Rizin hergestellt haben soll, deutlich mehr giftige Samen besessen haben, als bisher bekannt …
Tunesier in Köln soll deutlich größere Menge an Gift-Samen gelagert haben
Merkel spricht auf Berliner Klimaschutz-Konferenz
2010 hatte Merkel den "Petersberger Klimadialog" selbst ins Leben gerufen, um den Kampf gegen den Klimawandel zu forcieren. Nun hinkt Deutschland beim CO2-Sparen …
Merkel spricht auf Berliner Klimaschutz-Konferenz
Asylstreit mit Merkel: Kanzlerin zeigt Seehofer die Grenzen auf - der stichelt weiter
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Zwei Wochen hat die Kanzlerin nun Zeit, um einen Bruch abzuwenden. Alle Entwicklungen rund um …
Asylstreit mit Merkel: Kanzlerin zeigt Seehofer die Grenzen auf - der stichelt weiter

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.