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Die Woche des Abschieds hat begonnen im Landtag. Franz Maget lädt zum letzten Mal an seinen Wurstkessel, die Grünen schmeicheln zum ersten Mal dem Erzfeind Günther Beckstein.

Abschiedswoche im Landtag

Franz Maget geht mit Klaps und Kessel

München - Die Woche des Abschieds hat begonnen im Landtag. Franz Maget lädt zum letzten Mal an seinen Wurstkessel, die Grünen schmeicheln zum ersten Mal dem Erzfeind Günther Beckstein.

Tief hängt der Wurst-Mief über den Tischen in dem kleinen Raum. Die Grünen haben gerade hier getagt mit Bioweißwürsten, nun kommt die SPD an mit Normalweißwürsten. Die Luft steht, der Servierwagen rollt. „Irgendwie habe ich das Gefühl“, sagt Franz Maget freudig, „es ist wie früher.“

Wie früher sitzt er da neben seinem alten Pressesprecher vor den alten Journalisten und wiederholt die alte Botschaft – trotz miserabler Umfragewerte bedingungslos optimistisch für den Wahltag: „Das Rennen ist völlig offen.“ Neu ist: Es ist Magets letzter Auftritt in seiner Journalistenrunde „11.58“. Der langjährige SPD-Fraktionschef, jetzt Landtagsvizepräsident, scheidet mit der Wahl freiwillig aus dem Parlament aus.

Das jahrelang gepflegte Ritual am Kessel aufleben zu lassen mit den Weißwürsten, die das Zwölfuhrläuten nicht mehr hören sollen (deshalb die Anfangszeit 11.58 Uhr), hilft beim Abschied. Wobei Maget (59) eh keinen arg sentimentalen Eindruck macht. „Ein bisschen Wehmut“, diagnostiziert er bei sich, „aber ich weine hier nicht.“

Lieber nutzt er den letzten Auftritt für einen aufmunternden Klaps an den Nachfolger als Spitzenkandidaten, Christian Ude. Zweimal trat Maget für die SPD an, 2003 und 2008, beide Male chancenlos. Ude habe nun zwei Vorteile, sagt er: „Er hat die konkrete Machtperspektive“, dank Bündnis-Option mit Grünen und Freien Wählern. Außerdem könne der Münchner OB „Erfolg in Regierungstätigkeit“ vorweisen. Maget verlangt ein Ende der Lästereien über Udes angebliche geographische Unkenntnis: „Ich bedaure, dass einige belanglose Ausrutscher monatelang breitgetreten werden.“

Eine politische Botschaft also statt Selbstbespiegelung. Maget mag nicht gern darüber reden, was er demnächst so plant. Ein Buch ist in Arbeit, halb Autobiografie, halb Würdigung: „Es geht auch anders.“ Am Montag nach der Wahl, 9.30 Uhr, startet Maget zudem einen Spanischkurs. Nach dann 23 Jahren im Parlament scheidet er mit 5500 Euro Pension aus. Ein neuer Job, der mit der Pension verrechnet wird, dürfte in Sicht sein – Maget aber schweigt.

Am Donnerstag leitet er als Vizepräsident die letzte Sitzung des Landtags vor der Wahl. Abschied nehmen dann auch andere: Georg Schmid zum Beispiel, der gefallene CSUler. Für ihn gibt es auch keine eigene Ausstands-Runde. Die CSU-Fraktion trifft sich zwar am Mittwochabend zur Schifferlfahrt mit unter anderem Horst Seehofer am Starnberger See, eine Verabschiedung der Abgänger ist dort aber nicht geplant.

Vermutlich wird es eh keine sehr harmonische letzte Landtagswoche. Die Stimmung ist aufgeheizt seit der Abgeordneten-Affäre, die Konsequenzen werden gerade in Transparenz-Gesetzen formuliert und in Kampfabstimmungen beschlossen. Da überrascht allerdings ein Detail: Eine besondere Ehre wird dem Promi-Aussteiger Günther Beckstein zuteil. In seiner letzten Parlamentswoche vernimmt er hohes Lob von absolut unerwarteter Seite. Der Grüne Sepp Dürr, der sonst gern auf alles einhaut, was schwarz oder gelb ist, widmet dem langjährigen Innenminister zum Abschied einen fast liebevollen Online-Aufsatz. Beckstein den persönlichen Respekt zu verweigern, schreibt Dürr, „ist nicht einfach, wenn nicht gar unmöglich. Ich weiß es, denn ich habe es lange mit aller Kraft versucht“. Er habe es nicht durchgehalten. Beckstein sei ehrlich, „zutiefst unpolitisch und darin manchmal entwaffnend naiv".

cd

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