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Franz Maget war von 2000 bis 2009 Oppositionführer im Landtag.

Sanfte Rüge für Martin Schulz

Maget: SPD hat in punkto Kirche umgedacht

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München - Franz Maget im Merkur-Interview über das Verhältnis von Kirche und SPD. Mit einer sanften Rüge für Martin Schulz: Debatten wie die um religiöse Symbole brächten nie etwas.

Am Freitag stellt Franz Maget sein Buch „Kirche und SPD“ vor – „von Gegnerschaft zu Gemeinsamkeiten“. Das Interesse daran steigt plötzlich, denn Magets Parteifreund Martin Schulz, Europa-Spitzenkandidat, verlangt, den öffentlichen Raum von religiösen Symbolen freizuhalten. Im katholischen Bayern sorgt das für Wirbel. Wir sprachen mit Maget, 60, dem langjährigen SPD-Fraktionschef.

Herr Maget, hatten Sie in Ihrem Büro ein Kreuz?

Ich habe auch heute noch eines. Weil ich christlich erzogen bin und mich der Katholizismus geprägt hat.

Martin Schulz rät, keine religiösen Symbole im öffentlichen Raum zu präsentieren. Wer hat Recht?

Er hat Recht damit, dass wir zurückhaltend damit umgehen sollten. Er sagte nicht: christliche Symbole, sondern religiöse. Zurückhaltender Umgang damit bedeutet nicht, das christliche Erbe Europas zu verleugnen.

Sind Sie für das Kreuz im bayerischen Klassenzimmer, im Rathaus, für das große Kruzifix im Landtag?

In fast allen öffentlichen Räumen Bayerns hängen Kreuze. Streitfälle darum sind so minimal, dass man diese Debatte jetzt gar nicht eröffnen würde. Die bayerische Regelung halte ich für weitgehend in Ordnung. Erfreulicherweise hat sie Rechtsfrieden gebracht.

Schulz tritt heute in Bayern auf. Werden Sie ihm die Meinung geigen, warum er dieses Fass wieder aufgemacht hat?

(lacht) Ich glaube, solche Debatten bringen nie etwas. Ich finde aber auch die Einwände der CSU scheinheilig. Schulz spricht aus der europäischen Warte. Und zur EU gehören auch dezidiert laizistische Staaten wie Frankreich, wo die Verfassung religiöse Symbole im öffentlichen Raum nicht erlaubt.

"Schulz wird nie Bedeutung des Christentums für Europa vergessen"

Die Sorge ist, dass er das als Kommissionspräsident auf Deutschland ausweiten will!

Nein. Der Mann kommt immerhin aus Aachen, das ist eine der katholischsten Städte Europas. Martin Schulz wird nie die Bedeutung des Christentums für Europa vergessen.

Früher hielt die SPD Religion für fortschrittsfeindlich. Hat sie inzwischen umgedacht?

Absolut. Früher verlief die Geschichte der Sozialdemokratie fast durchgängig in Gegnerschaft, ja sogar Feindschaft zu den Kirchen. Das ist leicht zu erklären: Die Kirche war damals eng verbunden mit der Obrigkeit, es gab die Einheit von Thron und Altar. Ich erinnere mich übrigens noch länger an peinliche Hirtenbriefe, die am Wahlsonntag von der Kanzel herunter verlesen wurden.

Das Umdenken der SPD begann in München...

München hatte immer großen Bevölkerungszuwachs. So kam der Katholizismus in einer größere Stadt. Hier sind sich Katholiken und Sozialdemokraten nähergekommen.

Interview: Christian Deutschländer

Kirche und SPD, Franz Maget (Hg.), Volk Verlag, 200 Seiten, 14,90 Euro.

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