+
Papst Franziskus hält im Parque Bicentenario in Quito eine Messe. Foto: Robert Puglla

Papst Franziskus warnt in Ecuador vor "hochtönigen Worten"

Auf der ersten Station seiner Südamerika-Reise klagt Franziskus den Individualismus als Ursache für Krieg und Gewalt an. Brüderlichkeit und Einheit mit Achtung der Vielfalt seien der Auftrag der Christen, sagt er in Quito auf einer Messe vor einer Million Menschen.

Quito (dpa) - Papst Franziskus hat in Ecuador zu mehr Mitmenschlichkeit und Respekt der Vielfältigkeit gemahnt.

Bei einer Messe vor mehr als einer Million Menschen betonte Franziskus in Quito, die Evangelisierung solle nicht "hochtönigen Worten" folgen, sondern dem Antrieb zur Einheit der Menschen in "vielgestaltiger Harmonie".

Kriege und Gewaltausbrüche der aktuellen Welt seien nicht nur auf Spannungen zwischen Staaten und sozialen Gruppen zu beziehen. "In Wirklichkeit sind sie ein Ausdruck dieses verbreiteten Individualismus, der uns trennt und uns gegeneinander stellt", sagte der 78 Jahre alte Papst auf seiner zweiten Messe in Ecuador, der ersten Station seiner Südamerika-Tour.

Intrigen, Misstrauen und Verrat seien Zeichen der zunehmenden Bosheit, gegen die das Christentum den Auftrag der Einheit auszuführen habe, sagte der Argentinier. "Die Selbsthingabe ist das, was die zwischenmenschliche Beziehung begründet, die nicht dadurch entsteht, dass man Dinge schenkt, sondern sich selbst", betonte Franziskus.

Der Messe im Parque Bicentenario, der in der ecuadorianischen Hauptstadt zur Zweihundert-Jahr-Feier der Unabhängigkeit Lateinamerikas errichtet wurde, wohnte auch Ecuadors Staatschef Rafael Correa bei, mit dem der Papst am Vorabend im Regierungspalast ein privates Gespräch geführt hatte. In Ecuador war es in den vergangenen Wochen zu zahlreichen Kundgebungen gegen Steuervorhaben der Regierung gekommen. Correa fror die Pläne vor dem Papstbesuch ein, die Proteste bezeichnete er als Verschwörung.

Bereits am Montagabend (Ortszeit) hatte der Papst vor den Toren der Kathedrale Quitos zur Brüderlichkeit aufgerufen. "Dass niemand ausgeschlossen werde, dass alle Brüder seien", wünschte der Papst, als er einer Menschenmenge dort seinen Segen erteilte.

Am Mittwoch fliegt Franziskus nach Bolivien weiter. Die achttägige Reise will Franziskus am Wochenende in Paraguay abschließen.

Reiseprogramm und Video auf Webseite Radio Vatikan

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nordkorea-Fotos zeigen immer ein bestimmtes Detail - es ist überlebenswichtig
Fast alle übersehen auf den Fotos, die den nordkoreanischen Diktator mit seiner Gefolgschaft zeigen, ein bestimmtes Detail. Es ist immer gleich – und überlebenswichtig. 
Nordkorea-Fotos zeigen immer ein bestimmtes Detail - es ist überlebenswichtig
Interview mit Wohlfahrtsverbands-Leiter: „Wir brauchen eine 180-Grad-Kehrtwende“
Das Wirtschaftsministerium schlägt Alarm, weil die Löhne immer weiter auseinanderdriften - das deckt sich mit den Erfahrungen von Dr. Ulrich Schneider, dem Leiter des …
Interview mit Wohlfahrtsverbands-Leiter: „Wir brauchen eine 180-Grad-Kehrtwende“
Fast die Hälfte der Wähler ist noch unentschlossen
Berlin (dpa) - Einen Monat vor der Bundestagswahl weiß nach einer Umfrage fast die Hälfte der Wähler noch nicht, für wen sie am 24. September stimmen will.
Fast die Hälfte der Wähler ist noch unentschlossen
Kommentar: Mehr Videoüberwachung in Bayern - Vorfahrt für Sicherheit
Mit einem massiven Ausbau der Videoüberwachung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens in ganz Bayern will die Staatsregierung die Sicherheit im Freistaat weiter …
Kommentar: Mehr Videoüberwachung in Bayern - Vorfahrt für Sicherheit

Kommentare