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Vier Festnahmen: Die französische Gendarmerie schlug sam Freitag in Montpellier zu.

Sprengstoff gefunden

Akuter Anschlagsverdacht: Verdächtige in Frankreich festgenommen

Montpellier - In Frankreich sind vier Verdächtige - darunter eine Jugendliche - festgenommen worden, weil sie einen Anschlag geplant haben sollen. Ein Einkauf wird ihnen zum Verhängnis.

Mit der Festnahme von drei jungen Männern und einer Jugendlichen haben die französischen Behörden nach Regierungsangaben einen Anschlag vereitelt. Die vier Verdächtigen im Alter zwischen 16 und 33 Jahren wurden am Freitag im südfranzösischen Montpellier und in zwei weiteren Städten der Region gefasst, wie Innenminister Bruno Le Roux mitteilte. Laut Justizkreisen wurden bei Wohnungsdurchsuchungen kleine Mengen des von Dschihadisten verwendeten Sprengstoffs TATP gefunden.

Mit den Festnahmen sei "ersten Erkenntnissen zufolge ein unmittelbar bevorstehender Anschlag auf französischem Boden vereitelt" worden, erklärte der Innenminister. "Die Ermittler gehen davon aus, dass eine Tat geplant war, aber wir wissen nicht, wo und wie", hieß es aus informierten Kreisen.

Verdächtige kauften Lösungsmittel

Die Verdächtigen wurden festgenommen, nachdem sie das Lösungsmittel Azeton gekauft hatten. Azeton ist ein Bestandteil des Sprengstoffs TATP, der sich relativ einfach herstellen lässt. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden nach Polizeiangaben 71 Gramm TATP sowie Azeton, das ebenfalls bei der Herstellung von TATP verwendete Wasserstoffperoxid und Schutzhandschuhe gefunden.

In einem am Mittwoch in einem sozialen Internet-Netzwerk aufgetauchten Video bekannte sich die 16-Jährige zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Daraufhin sahen die Sicherheitskräfte verstärkten Handlungsbedarf.

Hier wohnten die Verdächtigen.

Ins Kriegsgebiet oder Anschlag in Frankreich

Die Jugendliche äußerte den Ermittlern zufolge die Absicht, ins syrisch-irakische Kriegsgebiet zu ziehen oder in Frankreich einen Anschlag zu verüben. Einer ihrer "Mentoren" soll der ebenfalls am Freitag festgenommene 20-Jährige sein, der dem französischen Inlandsgeheimdienst bekannt war. Er wollte sich der Polizei zufolge womöglich "in die Luft sprengen".

In Frankreich wurden seit Anfang 2015 mehrere islamistische Anschläge mit insgesamt 238 Toten verübt. Eine Reihe von Attentaten konnte den Behörden zufolge verhindert werden.

Ermittlungsverfahren gegen Louvre-Angreifer eröffnet

Vor einer Woche attackierte in der Nähe des Louvre-Museums in Paris ein Ägypter mit zwei Macheten patrouillierende Soldaten. Er schrie dabei "Allahu Akbar" (Gott ist groß) und verletzte einen Soldaten leicht, bevor ein anderer Soldat ihn mit Schüssen außer Gefecht setzte. Gegen den 29-Jährigen wurde am Freitag ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Mordversuchs und terroristischer Aktivitäten eröffnet. Er war laut jüngsten Ermittlungen am 26. Januar aus Dubai kommend eingereist.

Seit den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand, das Anschlagsrisiko gilt als unvermindert hoch. "Wir haben es mit einer äußerst großen terroristischen Bedrohung zu tun", sagte Premierminister Bernard Cazeneuve am Freitag als Reaktion auf die Festnahmen in Südfrankreich.

Derweil beginnt im südfranzösischen Nizza am Samstag unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen der traditionelle Karneval. In Nizza war am 14. Juli vergangenen Jahres ein Mann mit einem Lastwagen in einen Menschenmenge gerast und hatte 86 Menschen getötet. Der IS nahm die Tat für sich in Anspruch.

afp

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