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Zum ersten Mal durften Frauen in Saudi-Arabien an einer Wahl teilnehmen.

Historisches Ereignis

Meilenstein mit Macken: Frauen gewinnen bei Wahlen in Saudi-Arabien

Riad - In Saudi-Arabien ist unter historischen Bedingungen gewählt worden. Erstmals durften Frauen an die Wahlurne gehen. Drei Kandidatinnen haben Sitze gewonnen. 

Mit großen Dingen kennt sich Lama bint Abdulasis al-Sulaiman als Vorstandsmitglied des Unternehmens ihrer Familie aus. Die Handelsfirma Rolaco aus der saudischen Hafenstadt Dschidda verkauft Lastwagen, Busse, Kräne und andere Baumaschinen - sie ist in dem streng islamisch-konservativen Königreich ein bekannter Name.

Nun ist Lama al-Sulaiman noch ein anderes großes Ding gelungen: Sie gehört zu den Frauen, die am Samstag bei den saudischen Kommunalwahlen erstmals in Lokalparlamente gewählt wurden. In Dschidda kam sie in Wahlkreis Nummer acht auf den zweiten Platz.

Für die saudischen Frauen war die Abstimmung ein historisches Ereignis, schließlich durften sie zum allerersten Mal überhaupt bei einer Wahl kandidieren und ihre Stimme abgeben. 2011 hatte der mittlerweile verstorbene König Abdullah angeordnet, dass auch Frauen das Wahlrecht erhalten. Es war einer von mehreren kleinen Schritten, die der Monarch dem Land in Richtung mehr Frauenrechte verordnete.

Selbst für das mit allumfassender Macht regierende Königshaus in der Hauptstadt Riad sind solche Maßnahmen ein Drahtseilakt. Einerseits dämpfen derartige Entscheidungen die Kritik im In- und Ausland an den stark beschnittenen Frauenrechten im Land, wo Bürgerinnen weder Auto fahren noch ohne Zustimmung eines Vormunds allein reisen dürfen. Andererseits regt sich aber in dem Königreich selbst massiver Widerstand gegen mehr Gleichberechtigung.

So warnten etwa streng konservative Geistliche in der Stadt Taif die Wähler davor, ihre Stimme einer Frau zu geben. Das, so behaupteten die Islamgelehrten, verstoße gegen die Scharia, das islamische Recht.

Die Geistlichkeit hat in dem Königreich traditionell eine starke Stimme. Sie wacht über eine strenge Auslegung des Wahhabismus, einer ultrakonservativen Lesart des Islam, aus der auch die radikale Ideologie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entsprungen ist.

Dagegen wehren sich Aktivistinnen wie Ludschain al-Hathlul, wenn es sein muss mit aufsehenerregenden Aktionen. Sie beteiligte sich vor rund zwei Jahren an einem Autofahrertag für Frauen und musste deshalb zweieinhalb Monate ins Gefängnis. Jetzt wollte sie bei den Kommunalwahlen kandidieren, wurde aber eine Woche vorher von der Kandidatenliste gestrichen. Trotzdem kann sie der Abstimmung etwas Gutes abgewinnen: „Ich sehe die Wahl als große Chance, die Rechte der Frauen voranzubringen“, sagte sie in der vergangenen Woche.

Dass in Dschidda außer Lama al-Sulaiman noch eine zweite Frau in den Gemeinderat einzieht, ist kein Zufall. Die Hafenstadt am Roten Meer gilt generell als vergleichsweise liberal. Zudem sind die beiden erfolgreichen Kandidatinnen Unternehmerinnen. Die Wirtschaft bietet Frauen in Saudi-Arabien gewisse Möglichkeiten. In ihrem 1968 gegründeten Familienunternehmen stieg Lama al-Sulaiman in den Vorstand auf. Die Mutter von vier Kindern ist Biochemikerin, am renommierten King's College in London erwarb sie einen Doktortitel.

Das Kopftuch trägt sie lockerer als andere Frauen, auf den im Königreich weit verbreiteten Gesichtsschleier verzichtet sie ganz. In Dschidda wurde sie 2009 sogar Vize-Präsidenten der Industrie- und Handelskammer, kurz vorher erst hatte sie den Kampf gegen Brustkrebs gewonnen. „Eine starke Frau“ nannte sie die saudische Zeitung „Okaz“, „Forbes Middle East“ zählte sie 2014 zu den 20 einflussreichsten arabischen Unternehmerinnen. Frauen seien als Geschäftsleute genauso fähig wie Männer, sagte Lama al-Sulaiman vor einem Jahr in Riad.

Der Gewinn eines Mandats dürfte ihr Prestige noch weiter steigern, auch wenn die Lokalparlamente kaum Macht besitzen. Mit dem Sieg trotzte Lama al-Sulaiman auch den Hürden, die die saudischen Behörden Bürgerinnen in den Weg stellten, die an der Wahl teilnehmen wollten. Die Bürokratie machte ihnen etwa eine Registrierung so schwer, dass letztlich weniger als zehn Prozent der Wähler weiblich waren.

Trotzdem dürfte der Erfolg mehrerer Kandidatinnen den Frauen in Saudi-Arabien Hoffnung auf mehr Rechte geben. Gebrauchen können sie diesen Lichtstreif am Horizont gut, denn unter der Herrschaft des neuen König Salman sieht es so aus, als mache das Land bei den Menschenrechten eher Rückschritte. Ein deutlicher Indikator: die Zahl der Hinrichtungen, die in diesem Jahr massiv gestiegen ist.

dpa

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