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Gleich zwei größere Interviews hat Frauke Petry in den vergangenen Tagen gegeben.

Eine Partei reizt ihre Dämonen

"Fremdschämen": Frauke Petry provoziert mit Aussagen über ihr Privatleben

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München - In der AfD brechen wieder Konflikte auf: Im Mittelpunkt steht die Vorsitzende Frauke Petry. Sie provoziert mit ungewöhnlichen Aussagen - nicht nur über Politik, sondern auch über Privates.

Diese Tage hat Frauke Petry zwei größere Interviews gegeben. Der österliche Friede in ihrer Partei ist seither beendet. Schon das harmlosere der beiden Interviews findet bundesweit Beachtung: Ein britischer Journalist befragt die AfD-Vorsitzende vor laufender Kamera dermaßen beharrlich, dass sie zunehmend gereizt reagiert, am Rande ihrer Fassung. Er fragt mit größter Gelassenheit weiter, akzeptiert keine ausweichende Antwort. Während das Video mit Frauke Petry im Internet derzeit wie wild geklickt wird, sorgt parteiintern Petrys zweites Interview für größeren Wirbel – drei Seiten in der Illustrierten „Bunte“.

Petry und ihr Lebensgefährte Marcus Pretzell, der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende, sprechen darin über Privates und die Politik. Sie reden über den „ersten Kuss“. Sie lobt seine „männliche Stärke“, er ihr Aussehen, das etwas „dämonenhaft Schönes“ habe. „Sexy“ sei sie. Über solche Sätze mag man sich lustig machen, allerdings nutzen Politiker aller Parteien ab und an bunte Blätter, um deren nicht so Polit-affine Zielgruppe zu erreichen.

Frauke Petry: "Was Beatrix gesagt hat, war katastrophal"

Parteiintern hätte die „Bunte“-Sache sicher Geraune gegeben, von „Fremdschämen“ reden Vorstandsmitglieder. Dass es nun ein handfester Streit wurde, dass die „FAZ“ gar eine Führungskrise nahen sieht, liegt an den politischen Passagen. Petry geht nochmal auf die Schießbefehl-Debatte und auf Äußerungen der Europaabgeordneten Beatrix von Storch über den Waffeneinsatz ein. Petry: „Was Beatrix gesagt hat, war katastrophal. Ich will keine Toten.“ Auch Bundesvize Alexander Gauland greift sie an für seine Aussage, die Flüchtlingskrise sei ein „Geschenk“ für die AfD: „Ein fataler Satz. Man kann sich doch nicht über Entwicklungen freuen, die dem Land schaden.“

Die Angegriffenen wehren sich jetzt. Storch konterte via „Bild“, die Schuss-Debatte habe Petry selber losgetreten: „Das war der Kardinalfehler.“ Mehrere Vorstandsmitglieder werden damit zitiert, die Parteivorsitzende dürfe solche Diskussionen ja nicht öffentlich austragen. Das sei ein Problem ihres Führungsstils.

In der AfD scheinen persönliche Konflikte und Flügelkämpfe vor dem Bundesparteitag Ende April in Stuttgart massiv aufzubrechen. Petry muss derzeit einige politische Brände bekämpfen. Die saarländische AfD wehrt sich gegen ihre Zwangsauflösung. Die Bundesspitze will die Saar-AfD wegen angeblicher enger Kontakte zu Rechtsextremen liquidieren. Petry sucht auch Distanz zum thüringischen Landeschef Björn Höcke und seinen Aussagen zur Genetik anderer Völker.

Auch bei ihren eigenen Mitarbeitern gibt es ein Zerwürfnis: Petry verkündete kurz vor Ostern, sie wolle nicht mehr mit dem offiziellen AfD-Pressesprecher zusammenarbeiten. Offenbar traut sie seiner Arbeit nicht mehr, unter anderem gab es Spott über zwei verpasste Interviews im Morgenfernsehen. Der Rest der AfD-Spitze hält an dem Sprecher allerdings fest und lässt sich weiter von ihm vertreten – Petry steht nun vor der Entscheidung, ob sie auf eigene Kosten einen Berater einstellt.

AfD sinkt in Umfragen erstmals seit Wochen wieder

Hinter den Kämpfen könnte ein Richtungsstreit stehen, ob die AfD sich künftig Bündnissen öffnet. Petry sagt, wenn die AfD erstmal 25 bis 30 Prozent habe, „dann werden wir entscheiden können, wer mit uns koaliert und wer nicht“. Womöglich ist sie einigen Kollegen auch zu dominant, zu forsch. In der jungen Partei, von der sich letztes Jahr die „Alfa“ um Parteigründer Bernd Lucke im Zorn abspaltete, beansprucht Petry die Deutungshoheit. Ein festes Parteiprogramm wird in diesen Tagen aber erst noch ausgearbeitet.

In Umfragen ist die AfD erstmals seit Wochen wieder leicht gesunken. In der wöchentlichen Erhebung von Emnid für „Bild am Sonntag“ verlor die AfD einen Punkt auf zwölf Prozent. Die anderen Parteien blieben stabil. CDU und CSU kamen demnach erneut auf 34 Prozent, die SPD auf 22 Prozent. Die Grünen liegen mit 13 Prozent laut der Erhebung wieder vor der AfD, die Linke verharrte bei neun Prozent, die FDP bei sechs Prozent.

AfD-Anhänger vertrauen Seehofer mehr als Petry

Die AfD-Chefin Petry kommt unterdessen bei einer Umfrage zum Vertrauen in Politiker nicht gut weg - auch bei den Anhängern der eigenen Partei. Die vertrauen lieber auf Horst Seehofer.

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