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Frauke Petry bei einer Pressekonferenz im März 2017.

Bundestagswahl 2017

Frauke Petry: Wer ist die Frau an der Spitze der AfD?

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Frauke Petry ist ehemalige Unternehmerin, fünffache Mutter und Parteivorsitzende der AfD. Ihr nächstes Ziel ist die Bundestagswahl im September, hier will sie mit ihrer Partei den Einzug in das Parlament schaffen. Doch wer ist diese Frau, die an der Spitze der AfD steht?

Update vom 18. Juli 2017: Alice Weidel und Alexander Gauland führen die AfD in den Bundestagswahlkampf. Wer sind die beiden Spitzenkandidaten? Wir haben die Infos. 

Frauke Petry ist studierte Chemikerin, fünffache Mutter und Parteivorsitzende der AfD. Einst wollte sie es mit dieser Partei im September schaffen, in den Bundestag einzuziehen – und das als drittstärkste Kraft. Doch es kam anders und Alexander Gauland und Alice Weidel sollen nun durch den Bundestagswahlkampf führen.

Doch wer die AfD und Frauke Petry begreifen will, sollte dabei mit Sicherheit auch einen Blick hinter die Kulissen der Politikerin werfen. 

Frauke Petrys Leben vor der AfD

Frauke Petry wird 1975 in Dresden geboren. Ihr Vater kann nach Westdeutschland fliehen, der Rest der Familie folgt ihm kurz nach dem Mauerfall in die Nähe von Dortmund. In der Schule ist Petry eine Überfliegerin, macht ihr Abitur mit einem Durchschnitt von 1,1 und erhält später ein Stipendium für ihr Chemie-Studium. Später gründet sie ihre eigene Firma, geht damit aber fünf Jahre später pleite. 

Frauke Petry und die AfD: So gelang ihr der Aufstieg in der Partei

Heute steht in ihrer Berufsbeschreibung „Politikerin“, sie ist als Landes- und Bundesvorsitzende für die AfD tätig. Sie ist jedoch als eine derer in die AfD eingestiegen, denen der Grundgedanke der Partei zwar gefiel, die sich aber mit der Politik von Bernd Lucke trotzdem nicht identifizieren konnten. Petry hatte in ihrem Machtkampf mit Lucke dabei einen wichtigen Unterstützer an ihrer Seite, Markus Pretzell. Mit Pretzell ist sie heute übrigens verheiratet, sie erwarten ein gemeinsames Kind. Mit Pretzells Hilfe schaffte es Petry, Bernd Lucke 2015 den Parteivorsitz abzugreifen und von den Mitgliedern der AfD zur ersten Vorsitzenden gewählt zu werden. Parteigründer Bernd Lucke wurde in dieser Abstimmung von den AfD-Mitgliedern sogar ausgebuht und ausgepfiffen. 

Wer ist Frauke Petry? Ein Portrait im „New Yorker“

Wie wird Frauke Petry im Ausland wahrgenommen? Im vergangenen Oktober hat sich ein Journalist des Gesellschaftsmagazins „The New Yorker“ über einige Zeit hinweg mit Petry beschäftigt und ein Portrait über sie geschrieben, das auch in deutschen Medien kursierte. „Der neue Star der neuen deutschen Rechten“ heißt der Text, in dem Thomas Meaney die AfD als das erfolgreichste, nationalistische Phänomen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschreibt.

Petry wird von ihm hier sehr genau charakterisiert, er hat sie aufmerksam beobachtet, immer wieder fügt er Zitate ein. Meaney traf Petry häufig zu Gesprächen, er hörte sich Reden von ihr an und begleitete sie auf Wählerveranstaltungen. Dabei erweckt er das Bild einer sehr ehrgeizigen, intelligenten, aber auch kühl berechnenden Frau. Um sich selbst ein Bild von Meaneys Portrait zu machen, finden Sie hier den Artikel zum Nachlesen

Petrys wichtigste politische Themen 

Auf ihrer Website stellt Frauke Petry ihre ganz persönlichen AfD-Themen vor: Im Bereich der Familienpolitik ist das die Forderung eines Familienwahlrechts. Das besagt, dass Eltern für ihre Kinder zur Wahl gehen können. Gleichzeitig macht sich Petry auch für ein „Familiensplitting“ stark: Dieses soll das Ehegattensplitting ersetzen und die Zahl der Kinder bei der Besteuerung stärker berücksichtigt werden. 

Petry befürwortet das Angebot von staatlichen, privaten und kirchlichen Schulen – Förderschulen sollen nebenher vorhanden sein. So heißt es in ihrer Schwerpunktsübersicht: „Inklusion muss dem Menschen dienen, nicht der Mensch der Inklusion.“ Damit schließt sie an das AfD-Grundsatzprogramm an, in dem die Partei klar ihre Stellung zur Inklusion in deutschen Schulen erklärt: Teilhabe am deutschen Bildungssystem sei Kindern mit Behinderung bereits in ausreichendem Ausmaß gewährleistet, heißt es in dem bundesweiten Programm. Eine stärkere Inklusion würde nicht behinderte Schüler in ihrem Lernerfolg hemmen. 

Ganz im Einklang mit dem bundesweiten AfD-Programm fordert Petry auch persönlich, den Einfluss der EU auf die Bundesländer und deren Politik zu beschränken. So heißt es auf Petrys Website: „Regionale Förderung braucht keinen Umweg über Brüssel.“ 

Vom Klimawandel ist die Chemikerin - wie auch der Rest der AfD - nicht überzeugt: Sie fordert aus diesem Grund ausdrücklich, dass Braunkohle weiter genutzt werden soll.

Aktuelle Stimmung in der AfD: Petry im Streit mit anderen Vorstandsmitgliedern

Nach wie vor herrscht in der AfD rund um Frauke Petry eine äußerst angespannte Stimmung. Noch immer wirft das vom Parteivorstand eingeleitete Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke Schatten über die Partei. Frauke Petry stimmte dafür, ihr Parteikollege und interner Gegner Alexander Gauland dagegen. Dieser steht auf der Seite von Björn Höcke, der wegen einer äußerst umstrittenen Rede zum Berliner Holocaustmahnmal in Kritik geraten war und vertritt nun gemeinsam mit Alice Weidel die AfD im Bundestagswahlkampf. 

Die Ermittlungen gegen Höcke wurden mittlerweile eingestellt, das Ausschlussverfahren wurde jedoch innerhalb des Parteivorstandes beschlossen. Treibende Kraft hinter dem Verfahren soll Partei-Chefin Frauke Petry gewesen sein. Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen scheint dagegen jedoch auf der Seite von Gauland und Höcke zu stehen - Spiegel Online berichtete über einen Streit um Mails zu diesem Thema, die an die Parteibasis verschickt werden sollten. 

Alles in allem scheint der parteiinterne Machtkampf noch immer am Brodeln zu sein – und Frauke Petry steckt mittendrin. 

Bundestagswahl 2017: Frauke Petry nicht alleinige Spitzenkandidatin

Ursprünglich war es Petrys Ziel, als alleinige Spitzenkandidatin im September antreten zu wollen - diese Hoffnungen musste sie jedoch nach einer Mitgliederversammlung begraben. Mit der Ernennung von Weidel und Gauland zum Spitzenduo sollte die ganz große Schlappe jedoch erst noch folgen. Offiziell hatte Petry auf die Position als Spitzenkandidatin verzichtet - innerhalb der Partei sorgte diese Maßnahme für ein Beben. Seitdem scheint die AfD in verschiedene Lager aufgeteilt zu sein, einfach aufgeben will Petry jedoch nicht. 

Im Januar hatte sie in einem Interview mit dem „Focus“ noch betont, dass Mehrfachspitzen wenig förderlich für den Wahlkampf seien. Im Anschluss folgte die Entscheidung der AfD-Vorstandsmitglieder, mit einem Team an Spitzenkandidaten gegen die anderen Parteien anzutreten. Einzelne Kandidaten der AfD wurden hier schon auf Landesebene beschlossen: So fordert beispielsweise Landesparteichef Leif-Erik Holm in Mecklenburg-Vorpommern Angela Merkel heraus, die hier seit 1990 stets ein Direktmandat für den Bundestag gewonnen hat. 

Noch im Juni lag die AfD laut einer Allensbach-Umfrage bei lediglich 6,5 Prozent -  seitdem befinden sich die Alternativen jedoch wieder im Aufwind. Laut der jüngsten Umfragen steht die AfD wieder zwischen 8 und 9,5 Prozent und entfernt sich somit wieder von der 5-Prozent-Hürde. Damit verzeichnet die AfD im Vergleich zum Jahresbeginn ein Stimmverlust. Die Chancen auf einen Einzug in den Bundestag stehen damit nach wie vor gut. 

Fest steht: Der Eklat um die Rede von Bernd Höcke hatte die AfD in Umfragewerten absinken lassen. Frauke Petry prognostizierte im Januar ein „sicheres zweistelliges Ergebnis“ für die AfD, dennoch sei das Potential der Partei auch „nach oben begrenzt“. Als Ziel nannte Frauke Petry dabei, die AfD wolle „stärkste Oppositionspartei“ werden. 

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