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1000 Mal Aiwanger für Berlin: Der Freie-Wähler-Chef plant eine Hauptstadt-Kampagne.

Freie Wähler

Aiwanger will mit Hauruck in die Hauptstadt

Berlin - Hubert Aiwanger, Chef der lokal verwurzelten Freien Wähler, weilt derzeit auffallend häufig in Berlin. Er will die Bundesregierung ärgern, vor allem die CSU, und die eigene Truppe besser aufstellen. Gesucht: Kandidaten mit Schnauze und ein bisschen Geld.

Alle zwei Wochen zieht es den Niederbayern nach Berlin. Mission: Unruhe stiften. Die Regierung unter Angela Merkel, überhaupt die meisten Konservativen, hätten es sich etwas zu gemütlich gemacht, findet Hubert Aiwanger. Der Chef der Freien Wähler hat beschlossen, er werde sich nun „dort bemerkbar machen“. Auf den parlamentarischen Putz hauen, zumindest ein bisschen.

Aiwanger auf Abwegen? Bisher endeten die Ambitionen seiner Gruppe außerhalb Bayerns am Wahlabend stets weit unter allen Hoffnungen, im Bund waren es 2013 knapp 1,0 Prozent. Nun will er sich in Berlin in Themen festbeißen, die seiner Ansicht nach „dem gesunden Menschenverstand widersprechen“. Etwa in die Autobahn-Maut von CSU-Bundesverkehrsminister Dobrindt. Mit einer „Anti-Maut“-Kampagne will Aiwanger in Berlin auf sich und seine Partei aufmerksam machen; 1000 DIN A1-Plakate mit seinem Konterfei hat er drucken lassen, die in der ganzen Stadt angepinnt werden. „Maut stoppen!“ heißt es da, heute spricht er zu diesem Thema auf dem Alexanderplatz.

Ob dem dialektgefärbten Niederbayern am „Alex“ jemand zuhört oder alle nur vorbeirauschen? „Das macht mir nichts aus“, sagt er. „Es ist mir auch egal, ob mir da Bayern oder Berliner zuhören. Egal, woher sie aus Deutschland sind: Wenn ich so jemand erreiche, ist das doch gut.“ Ganz Deutschland darf also wissen: Die Freien Wähler sind gegen die Maut.

Passend zur neuen Aggressivitäts-Offensive hat er ein Plakat entwickeln lassen, das Angela Merkel mit Walter Ulbricht vergleicht. „Ulbricht hat damals gesagt, niemand habe die Absicht eine Mauer zu errichten; Merkel hat gesagt, ‚Mit mir wird es keine Maut geben‘“. Zwei offenkundige Lügen in Aiwangers Augen; den Vergleich findet er gerechtfertigt. „Das ist zugespitzt, sicher, aber ich finde, das kann man schon machen.“ Mit genau dem Vergleich landete er vor kurzem auf der Titelseite der „Bild“ als „Verlierer der Woche“ – stört ihn nicht. „Das war schon okay.“ Gelesen wurde sein Name und „Freie Wähler“ an dem Tag von vielleicht ein paar Millionen Menschen. Partei-Werbung mit relativ geringem Aufwand.

Nur: Was genau verspricht sich der Freie-Wähler-Chef davon? Potentielle Wähler natürlich, so ist das immer. Vor allem sucht Aiwanger aber Kandidaten, Spitzenkandidaten für die Bundeshauptstadt. 20 bis 30 Mitglieder hat die Partei in Berlin, lächerlich wenig in einer Metropolregion mit über sechs Millionen Einwohnern. Es könnten mehr sein, und, geht es nach Aiwanger, profiliertere Kandidaten. Den strahlenden Hoffnungsträger hat er unter seinen Berliner Kollegen nämlich noch nicht ausfindig gemacht. „Ich will jemanden finden, den man mit gutem Gewissen vorne hinstellen kann. Der Berliner muss sich nicht mit mir identifizieren, aber vielleicht mit einem anderen Kandidaten.“

Aiwanger sucht Berliner und Brandenburger Lokalkolorit, eine oder mehrere Personen, „der die Leute vertrauen, weil sie einer von ihnen ist“. Er könnte sich auch vorstellen, etablierte Politiker von anderen, kleinen Parteien für seine Sache zu gewinnen. Der richtige Hintergrund, nicht nur politisch, wäre wünschenswert. Bedeutet: Wäre nicht schlecht, wenn ein Hoffnungsträger auch in der Lage wäre, mal eine Plakatkampagne selbst zu finanzieren.

Hoffnungsträger gab es allerdings schon mehrere in der FW-Historie. Hans-Olaf Henkel war einer von ihnen, bevor er auf ein populistischeres Pferd setzte und überlief. Auch diese Liaison ist mittlerweile Geschichte, Aiwanger bedauert das nicht, sagt aber: „Da hat er auch nicht wirklich hingepasst.“ Abgesehen von den steigenden Umfragewerten, die Henkel damals zur AfD trieben, seien es dessen weitere politische Ansichten gewesen, die nicht zu den Freien Wählern gepasst hätten: „Er war immer der Mann für die große Politik. Wir dachten, das würde auch gut passen. Aber mit unserer lokalen, regionalen Verwurzelung konnte er nie wirklich etwas anfangen.“

Gesucht wird in Berlin also ein Lokalpatriot, mit Herz und Schnauze, um die Freien Wähler nun auch in der Bundeshauptstadt sattel- und wahlfest zu machen. Oder, wie Aiwanger es simpel ausdrücken würde: Er will bei den etablierten Parteien „Fracksausen verursachen“.

Tatjana Kerschbaumer

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