Freie Wähler: Spitzenkandidat in der Zwickmühle

München – Der Spitzenkandidat der Freien Wähler für die Bundestagswahl, Stephan Werhahn aus München, hat Probleme mit seinem Wahlkreis.

Der 59-jährige Unternehmensberater, dessen Mutter eine Tochter von Konrad Adenauer ist, beabsichtigt eine Kandidatur im Wahlkreis Düsseldorf. Dort jedoch gibt es Vorwürfe gegen die örtlichen Freien Wähler. Zwei Vertreter sollen eine Vergangenheit als Rechtsradikale haben. Der FW-Landesvorsitzende Hubert Aiwanger, der auch den Bundesvorsitz der FW inne hat, fordert Werhahn zur Reaktion auf. „Wenn das nicht schnell ausgeräumt wird – und das wird sehr schwierig – sollte er sich eine andere Großstadt in Nordrhein-Westfalen suchen“, sagte Aiwanger unserer Zeitung. Ansonsten sei zu befürchten, dass der Spitzenkandidat politisch beschädigt werde. Zwar seien die Freien Wähler in Düsseldorf nicht Mitglied im FW-Landesverband. Solche Feinheiten könnten der Öffentlichkeit jedoch nicht vermittelt werden. Auch der Münchner FW-Landtagsabgeordnete Michael Piazolo warnte: „Ich kann Herrn Werhahn nur raten, sich diese Kandidatur sehr genau zu überlegen. Eigentlich kann ich nur abraten.“

Eile ist geboten: Denn Werhahns Nominierung in Düsseldorf ist eigentlich am kommenden Freitag geplant. Der Adenauer-Enkel wohnt seit einigen Jahren in München, stammt jedoch wie seine ganze Familie aus Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich hatten die Parteifreien überlegt, Werhahn eine Kandidatur im Wahlkreis München-Süd anzubieten. Dort jedoch wäre er auf den CSU-Matador Peter Gauweiler getroffen und wohl chancenlos untergegangen. So wurde die Idee einer Kandidatur in Nordrhein-Westfalen geboren. Dass sich Werhahn für Düsseldorf entschied, bringt die FW jetzt in Bedrängnis. Freie Wähler aus Mittelfranken, die offenbar von einer Aiwanger-Kritikerin aus dem Nürnberger Land gezielt munitioniert wurden, werfen den dortigen Parteifreien Rechtslastigkeit vor.

Umstritten ist vor allem der heutige hauptberufliche Geschäftsführer der Düsseldorfer FW-Ratsfraktion, Torsten Lemmer. Er war früher Neonazi, der bis 2001 im Hauptberuf rechtsextreme Musik vertrieb. Aufgrund dessen wurde er noch 2009 wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Gegenüber unserer Zeitung gibt sich Lemmer, inzwischen zum Islam übergetreten und mit einer Marokkanerin verheiratet, politisch geläutert. „Ich habe Musik produziert, die volksverhetzend war – das stimmt. Aber ich bin da wirklich raus.“ Seine Gruppierung bezeichnet Lemmer als „eher linkslastig-multikulturell“, von sich selbst sagt er: „Ich stehe links von Aiwanger.“ Jedoch nennen die FW aus Mittelfranken auch eine zweite problematische Personalie: Ein Ratsmitglied, Jürgen Krüger, ist erst 2010 von den rechtsradikalen „Republikanern“ zu den Freien Wählern übergetreten.

Ob Werhahn der Aufforderung Aiwangers Folge leisten wird, war gestern unklar. Plan A war Düsseldorf, hieß es gestern aus der Berliner Wahlkampfzentrale der FW-Bundesvereinigung. Alternativ seien auch Köln oder Bonn denkbar.

Dirk Walter

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