Freie Wähler holen Adenauer-Enkel

München - Parteichef Hubert Aiwanger sucht für die Freien Wähler Finanz-Kompetenz und stößt dabei auf Adenauer-Enkel Stephan Werhahn. Die Folge: Dissens mit Hans-Olaf Henkel.

Thema gefunden. Experten gesucht. Die Freien Wähler wollen für ihren Anti-ESM-Kurs prominente Finanzexperten anlocken. „Ich will ein Finanz- und Wirtschaftsteam formen“, kündigte Parteichef Hubert Aiwanger gestern an. Bisher gestaltet sich das schwierig.

Die Freien Wähler sind als kommunale Kraft entstanden, ihre Expertise ist bodenständig. Aiwanger gilt als Agrarpolitiker. Der zum Finanzexperten der Landtagsfraktion berufene Manfred Pointner ist ein Landrat, der aus Altersgründen nicht mehr kandideren durfte. Er ist versiert in Themen der Kommunalfinanzen. Der Riesenkomplex Euro-Rettung mit Banken- und Staatsschuldenkrise überfordert fachlich aber alle Berufspolitiker der Freien Wähler.

Will Aiwanger nun als Rettungsschirm-Gegner vor der Bundestagswahl 2013 punkten, braucht er präsentable Experten. Den medienaffinen Ex-Industrielobbyisten Hans-Olaf Henkel präsentierte er vor einigen Monaten, gestern nun stellte er Stephan Werhahn vor. Der Finanzmanager kokettiert mit seiner Familiengeschichte, ist eines der rund zwei Dutzend Enkelkinder des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU). In München, seit fünf Jahren Wahlheimat des Norddeutschen, will sich Ex-CDU-Mitglied Werhahn um ein Bundestagsmandat bewerben. Vielleicht, sagt Aiwanger erfrischend offen, könnte es auch die Spitzenkandidatur sein: „Mal schauen, was sich noch bewegt. Aber ihn kann man ziemlich nach vorn stellen, ohne dass man Angst haben muss, dass Blödsinn passiert.“ Eine Angst, die Aiwanger aus 2008 kennt, als er CSU-Rebellin Gabriele Pauli in seine Gruppe importierte.

Er hat allerdings „mit Enkel und Henkel“ (so spöttelt die „SZ“) eine schwierige Kombination. Neumitglied Werhahn lehnt Henkels Konzept eines Nord- und Süd-Euro offen als „politisch unklug“ ab. Er schimpft auch auf die Eurobonds-Forderungen der SPD, jener Partei, mit der die Freien Wähler in Bayern eine Koalition erwägen. Aiwanger wiederum kann sich wenig für Werhahns Ruf nach einer europäischen Bundesregierung begeistern: „Wir sind für ein Europa der Länder und Regionen.“

Die Suche nach weiteren Finanzexperten also läuft. Am liebsten wäre den Freien Wählern der Steuerrechtler Paul Kirchhof, mit dessen radikalem Steuersystem Aiwanger sympathisiert. Kirchhof aber zieht bisher nicht recht, auch nicht der profilierte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Generalsekretär Michael Piazolo kündigt an, Werhahn werde „nicht der Letzte“ sein. Man suche verstärkt Kontakt zu Wirtschaftsverbänden.

Christian Deutschländer

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