+
Sie sind wieder Freunde: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan trifft in Ankara den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Foto: Mikhail Klimentyev

Verstärkte Zusammenarbeit

"Freunde" Erdogan und Putin einig über Irak und Syrien

Der Besuch von Kremlchef Putin bei Präsident Erdogan dauerte nur wenige Stunden. Die Visite demonstrierte, wie eng die Partnerschaft zwischen Moskau und Ankara inzwischen ist - die vom Westen zunehmend argwöhnisch beäugt wird.

Ankara (dpa) - Russland und die Türkei wollen nach den Worten des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Spaltung des Iraks und des Bürgerkriegslandes Syrien verhindern.

Nach einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin sagte Erdogan am Donnerstagabend in Ankara: "Beim Thema territoriale Integrität, sei es die des Iraks oder Syriens, sind wir einer Meinung." Putin verwies auf die Haltung seiner Regierung, wonach das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Irak das Land nicht destabilisieren dürfe.

Erdogan betonte erneut, das Unabhängigkeitsreferendum, bei dem fast 93 Prozent für eine Abspaltung der Kurdenregion stimmten, habe "überhaupt keine Legitimität". "Leider hat die Regionalregierung, indem sie das Referendum trotz aller freundschaftlichen Warnungen abgehalten hat, einen großen Fehler begangen." Erdogan kündigte nicht näher benannte "Maßnahmen" gegen die kurdische Führung an. Zuvor hatte er gedroht, die Ölexporte der Kurdenregion über die Türkei zu stoppen. Er hatte auch militärische Schritte nicht ausgeschlossen.

Putin kündigte an, Russland und die Türkei würden die Zusammenarbeit ihrer Diplomaten, Militärs und Geheimdienste in Syrien verstärken. Putin und Erdogan bekräftigten die Einrichtung von vier sogenannten Deeskalationszonen in Syrien, die bei der jüngsten Gesprächsrunde in Astana in Kasachstan vereinbart worden war. Die größte dieser Schutzzonen soll in der nordsyrischen Provinz Idlib entstehen.

Der Weg sei nicht einfach gewesen, sagte Putin. "Aber faktisch sind die Voraussetzungen geschaffen für ein Ende des brudermörderischen Krieges in Syrien, für die endgültige Vernichtung der Terroristen und eine Rückkehr der Syrer zum friedlichen Leben." An den Treffen in Astana hatten Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung teilgenommen, die Türkei gilt als Schutzmacht der Opposition.

Der nur wenige Stunden dauernde Besuch Putins bei Erdogan war auch eine Demonstration der engen Partnerschaft, die die beiden Präsidenten inzwischen aufgebaut haben. Bei der Pressekonferenz - bei der keine Fragen zugelassen waren - bezeichneten Putin und Erdogan den jeweils anderen als Freund. Die rapide Annäherung des Nato-Partners Türkei an Moskau wird im Westen mit Argwohn beobachtet. Das gilt besonders, seit Ankara mit Moskau den Kauf des modernen russischen S-400-Luftabwehrsystems vereinbart hat.

Dabei herrschte bis zum Sommer vergangenen Jahres noch Eiszeit zwischen Russland und der Türkei. Auslöser der schweren Krise war der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im November 2015. Im August 2016 legten beide Seiten den Konflikt offiziell bei, nachdem Erdogan sich entschuldigte. Die damals verhängten Sanktionen hat Moskau aber immer noch nicht vollständig aufgehoben.

Trotz der demonstrativen Einigkeit, die Erdogan und Putin an den Tag legten, wurden strittige Fragen nicht abgeräumt. Dabei handelt es sich vor allem um die Visumpflicht für Türken und den Einfuhrstopp für türkische Tomaten - beides Strafmaßnahmen, die Moskau in der Krise nach dem Abschuss verhängte. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax lediglich, dass die Landwirtschaftsministerien beider Länder weiter die Aufhebung des Tomaten-Importverbots vorbereiteten. "Eine Lösung kommt näher."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landtagswahl 2018 in Bayern im News-Blog: Binnen weniger Wochen muss die Regierung stehen
Landtagswahl 2018 in Bayern im News-Blog: Hier schreiben Mike Schier und Christian Deutschländer, die Landtags-Korrespondenten des Münchner Merkur.
Landtagswahl 2018 in Bayern im News-Blog: Binnen weniger Wochen muss die Regierung stehen
Neues Freihandelsabkommen zwischen USA und Südkorea
US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Staatschef Moon Jae In haben am Montag in New York ein neues gemeinsames Freihandelsabkommen für beide Länder unterzeichnet.
Neues Freihandelsabkommen zwischen USA und Südkorea
Kremlkritiker Nawalny nach  Entlassung gleich wieder im Knast
Dritte Festnahme Nawalnys seit Mitte Juni: Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist am Montag sofort nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erneut …
Kremlkritiker Nawalny nach  Entlassung gleich wieder im Knast
Geht Trumps nächster Minister? - Treffen könnte Entscheidung bringen
Donald Trump hält an seinem Kandidaten für den Supreme Court der USA fest - trotz schwerer Vorwürfe. Derweil droht der nächste Minister seinen Posten zu verlieren. Der …
Geht Trumps nächster Minister? - Treffen könnte Entscheidung bringen

Kommentare