+
Ai Weiwei kommt in München an und wird von seinem Sohn begrüßt.

Bei Deutschland-Besuch

Freundeskreis bittet um Rücksicht auf Ai Weiwei

Berlin - Vier Jahre hat Ai Weiwei auf seinen Pass gewartet. Jetzt ist er in Deutschland. Seine Unterstützer gehen davon aus, dass die chinesische Regierung ihn auch hier genau im Blick behalten wird.

Der deutsche Freundeskreis des ausgereisten chinesischen Künstlers Ai Weiwei hat um Rücksichtnahme auf die prekäre politische Situation des 57-jährigen Regimekritikers gebeten. „Wir appellieren an die deutsche Öffentlichkeit, ihn in Zukunft als herausragenden Künstler wahrzunehmen und nicht als politischen Aktivisten“, sagte der Berliner Galerist und Sprecher der Initiative, Alexander Ochs, der Deutschen Presse-Agentur. „Man könnte ihn sonst in eine Situation bringen, die die chinesische Regierung veranlasst, ihn nicht wieder einreisen zu lassen.“

Ai Weiwei, der berühmteste zeitgenössische Künstler Chinas, hatte in der vergangenen Woche nach einem vierjährigen Ausreiseverbot erstmals China wieder verlassen dürfen. Derzeit ist er zu einer ärztlichen Behandlung in München, kommende Woche wird er in Berlin erwartet. Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Der Freundeskreis hatte im vergangenen Jahr die Bundesregierung zum Engagement für Ai Weiwei aufgefordert.

Die jetzige Ausreiseerlaubnis wäre ohne die Gespräche der deutschen Staatsspitze mit der Regierung in Peking nicht zustandegekommen, sagte Ochs. Ausdrücklich nannte er den Einsatz von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch mehrerer Kabinettsmitglieder. „Wir sind sehr dankbar, dass es durch das Zusammenwirken mit der Politik zu dieser Situation gekommen ist“, so der Galerist. „Wir sind uns aber auch bewusst, dass die Repressionen und die Situation der Menschenrechte in China sich dadurch insgesamt nicht verändert hat.“

Derzeit hat Ai Weiwei nach Informationen seiner Unterstützer die Zusage der Pekinger Behörden, sich frei bewegen und auch zurückkehren zu können. Der Künstler habe gerade in der jüngsten Zeit mehrfach deutlich gemacht, wie wichtig ihm die Verankerung in der Heimat sei, sagte Ochs. „Er ist der chinesischste aller Chinesen. Wir sind überzeugt, dass er als Künstler in der Welt mehr bewegen kann denn als Kommentator der chinesischen Außen- und Innenpolitik.“

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

CSU-Minister streitet für Wiederberufung
CSU-Minister Gerd Müller will um sein Amt kämpfen: In einer Neuauflage der Großen Koalition möchte Müller Entwicklungsminister bleiben.
CSU-Minister streitet für Wiederberufung
Warum Özdemir in München Polizeischutz brauchte
Es ist ein zwiespältiges Bild: Die Türkei versucht mit der Freilassung von Deniz Yücel eine Charmeoffensive. Im Gegenzug hofft sie auf Panzer und Touristen. Doch die …
Warum Özdemir in München Polizeischutz brauchte
Viele Krisen, keine Lösungen: Tage der ratlosen Diplomaten
So viel Unsicherheit war selten bei der Sicherheitskonferenz. Rivalen ziehen in München übereinander her, schütten Öl ins Feuer oder präsentieren Trümmerteile. Wo ist …
Viele Krisen, keine Lösungen: Tage der ratlosen Diplomaten
Peter Tauber will sich als CDU-Generalsekretär zurückziehen
Der 43-jährige Parteimanager Tauber ist in der CDU schon länger umstritten. Sein Rückzug kommt dennoch überraschend. Für die Vorsitzende Merkel ist der Schritt eine …
Peter Tauber will sich als CDU-Generalsekretär zurückziehen

Kommentare