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Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist schwer erkrankt. Foto: Liu Xia/Archiv

Chinesischer Bürgerrechtler

Friedensnobelpreisträger wegen Leberkrebs freigelassen

Wegen seines Einsatzes für Demokratie in China erhielt Liu Xiaobo 2010 den Friedensnobelpreis. Da saß er schon in Haft. Erst jetzt kommt der 61-jährige unter Auflagen frei. Aber nur, weil er schwer an Leberkrebs erkrankt ist - möglicherweise unheilbar.

Peking (dpa) - Der inhaftierte chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist wegen "Leberkrebs im späten Stadium" zur medizinischen Behandlung freigelassen worden.

Wie sein Anwalt Shang Baojun am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Peking berichtete, ist der 61-jährige Bürgerrechtler vom Gefängnis ins Krankenhaus in Shenyang in der Provinz Liaoning gebracht worden, wo er behandelt werde.

Liu Xiaobo sei vergangene Woche "Bewährung aus medizinischen Gründen" gewährt worden, sagte der Anwalt. Damit ist er praktisch auf freien Fuß gesetzt worden, was auf die Schwere der Krebserkrankung hinweist, für die es in dieser Phase kaum Heilungschancen gibt. Bisher hatte Chinas Regierung die Forderungen nach einer Freilassung des Ehrenvorsitzenden des chinesischen Pen-Clubs unabhängiger Schriftsteller immer zurückgewiesen.

Der Bürgerrechtler, der sich für Demokratie und Menschenrechte in China eingesetzt hatte, war 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Liu Xiaobo war Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der ein "freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat" in China gefordert werden.

Der Literaturwissenschaftler hatte schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking wiederholt in Haft gesessen - insgesamt fünf Jahre. Er erhielt 2010 den Friedensnobelpreis. Bei der Übergabezeremonie in Oslo blieb sein Stuhl leer. Seine Frau Liu Xia lebt seit damals unter Hausarrest in ihrer Wohnung in Peking.

Der Leberkrebs sei am 23. Mai offen zu Tage getreten und diagnostiziert worden, berichtete der Anwalt Mo Shaoping, für dessen Kanzlei Shang Baojun arbeitet, der dpa. Nach der Freilassung zur medizinischen Behandlung dürften ihn Familienmitglieder wie seine Frau jetzt besuchen. "Aber ich weiß nicht, ob Liu Xia ihn bereits gesehen hat", sagte Mo Shaoping, da wenig Kontakt zu ihr möglich ist.

Die Freilassung gelte nur für China, nicht die USA, sagte der Anwalt auf Spekulationen, es stehe vielleicht eine Ausreise bevor. Nach seiner Darstellung ist Liu Xiabo auch nicht wirklich frei. "Sein Anwalt kann ihn bislang nicht besuchen", sagte Mo Shaoping. "Das ist ein weiteres Verfahren." Auch sei unklar, wie es ihm wirklich gehe. "Ich weiß nicht, wie ernst sein Gesundheitszustand jetzt ist."

Menschenrechtsgruppen übten scharfe Kritik an der Behandlung des Friedensnobelpreisträgers. "Es macht die ganze Sache noch schlimmer, dass Liu Xiaobo mit einer schweren Krankheit im Gefängnis diagnostiziert wird, wo er gar nicht erst hätte hingebracht werden dürfen", sagte Patrick Poon von Amnesty International in Hongkong. Die Behörden müssten sofort sicherstellen, dass er angemessene medizinische Behandlung und Zugang zu seiner Familie bekomme.

"Die Behörden müssen auch den beschämenden und illegalen Hausarrest für seine Frau Liu Xia beenden", sagte Poon weiter. Sie müsse frei Besucher empfangen und reisen dürfen - und wieder mit Liu Xiaobo zusammenkommen können. China müsse ferner "sofort und ohne Bedingung" all jene freilassen, die allein für die Ausübung ihrer Menschenrechte inhaftiert worden seien, forderte der Amnesty-Experte.

Die Freilassung ist für die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auch kein Zeichen für ein Umdenken der Führung Chinas. "Wir beobachten seit Jahren, dass schwer erkrankte oder gefolterte politische Gefangene in China aus der Haft entlassen werden, damit sie zuhause und nicht im Polizeigewahrsam sterben", sagte Ulrich Delius von der GfbV. Es sei gängige Praxis bei Tibetern. So versuchen Behörden, "ihr Gesicht zu wahren und Vorwürfen zu entgehen, Menschen seien durch die Haftumstände oder Folter ums Leben gekommen".

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