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Merz geht öffentlich auf eigene Partei los – für Laschet sieht er noch eine Chance: „Solange er...“

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CDU-Politiker Friedrich Merz auf der Bühne in Halle an der Saale zum Wahlkampfabschluss seiner Partei für die Bundestagswahl 2021
Sieht seine Partei in einer „extrem empfindlichen“ Phase: CDU-Politiker Friedrich Merz (Archivbild) © Karina Hessland/Imago

Warum haben CDU und CSU so viele Wähler verloren? Die Fehleranalyse des Ex-Unionsfraktionchefs Friedrich Merz fällt hart aus. In Bezug auf ihren Kanzlerkandidaten Armin Laschet würde er „abwarten“.

Berlin - „Die CDU ist denkfaul geworden“ - Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz geht nach der Bundestagswahl mit seiner Partei ins Gericht. Sie habe sich viele Jahre auf den Apparat der Regierung gestützt, sagte der CDU-Politiker den Funke-Zeitungen vom Freitag weiter.

Merz‘ Analyse: „Die Union hat das thematische Arbeiten verlernt. Das gilt für ihre inhaltliche Ausrichtung wie auch für ihre Präsenz bei den Themen und den Menschen.“ Das müsse jetzt wieder erarbeitet werden - „egal, ob in der Regierung oder in der Opposition“.

CDU und CSU fuhren vergangenen Sonntag mit zusammen 24,1 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein.

Merz zerlegt CDU/CSU: „Wollte Partei inhaltlich-strategisch stärker ausrichten“

Merz kritisierte, die CDU habe in den langen Jahren der Regierungsverantwortung viel an Profil und Inhalt aufgegeben. „Ich habe mich zweimal als Parteivorsitzender beworben, um die Partei inhaltlich-strategisch wieder stärker auszurichten. Aber das ist vergossene Milch. Es ist, wie es ist. Wir sind da, wo wir sind.“ Merz hatte sich zuletzt Ende 2020 um den Parteivorsitz beworben und war Armin Laschet unterlegen, der dann Kanzlerkandidat der Union wurde.

„Ich habe mich zweimal um den Parteivorsitz beworben, jeweils mit Unterstützung einer überwältigenden Mehrheit der CDU-Mitglieder, die auch weiterhin ungebrochen ist. Trotzdem hat der Parteitag zweimal anders entschieden“, sagte Merz. „Mein Bedarf an streitigen Abstimmungen gegen das Establishment ist .“ Er richte sich jetzt darauf ein, „ein normaler und hoffentlich guter Abgeordneter zu sein“.

CDU-Politiker Friedrich Merz geht im September 2021 im Anzug und mit Mappe in der Hand zum Plenarsaal des Deutschen Bundestag in Berlin.
CDU-Politiker Friedrich Merz attestiert seiner Partei „Denkfaulheit“ © Political-Moments/Imago

Merz zu Wahlausgang: „Harter Kern hat aus purer Angst vor Rot-Grün-Rot gewählt“

Zum Wahlausgang sagte Merz, die Union habe einen beachtlichen Teil ihrer Wähler über einen längeren Zeitraum verloren. „Übrig geblieben ist ein harter Kern von 24 Prozent, der zu einem großen Teil noch nicht einmal aus Überzeugung, sondern aus purer Angst vor Rot-Grün-Rot die Union gewählt hat. Angst vor den Gegnern ist aber auf Dauer kein tragfähiges Fundament für eine politische Partei, für eine Volkspartei schon gar nicht.“ Zuvor berichtete der Spiegel über einen heftigen Disput zwischen Merz und Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus nach der schweren Wahlniederlage.

Mit Blick auf seine Unterstützung für Laschet sagte Merz: „Wenn wir einen Vorsitzenden gewählt haben, dann unterstütze ich ihn, so lange er eine Chance hat, seine Aufgaben auch zu erfüllen.“ Und diese Chance habe er immer noch. Auf die Nachfrage, wie lange das gelte, sagte Merz: „Das müssen wir abwarten. Wir sind jetzt in einer extrem empfindlichen und unsicheren Phase der deutschen Politik.“ (dpa/frs)

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