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Die Wahl von Merz ist gut für Deutschland, aber schwierig für Söder

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Von: Georg Anastasiadis

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Friedrich Merz, daneben Kommentator Georg Anastasiadis
Ein Kommentar von Georg Anastasiadis © Tobias Schwarz/AFP/Marcus Schlaf

62 Prozent der CDU-Mitglieder stimmten für Friedrich Merz als neuen Vorsitzenden. Sein Erfolg ist auch ein Sieg unserer Demokratie. Doch es gibt auch ein paar Verlierer.

Das an Erschütterungen reiche Jahr 2021 endet mit einem letzten gewaltigen Beben. Viele hatten damit gerechnet, dass die CDU-Basis Friedrich Merz zum neuen Parteichef kürt. Doch von der Fulminanz seines Ergebnisses – 62 Prozent im ersten Wahlgang bei zwei Gegenkandidaten – gehen Schockwellen aus. Jetzt erst zeigt sich in aller Dramatik, wie sehr die CDU-Mitglieder ihrer alten Funktionärselite überdrüssig sind. Und wie sehr sie, jenseits vieler medialer Belehrungen, nach 16 Jahren Merkel eine Neuausrichtung der Union wollen, die auch konservativ denkenden Menschen wieder eine geistige Heimat gibt.

Die Merz-Wahl wirkt belebend für den demokratischen Wettbewerb in Deutschland

Das Ergebnis ist in seiner Klarheit gut für die CDU, weil es nach einer Serie knapper Entscheidungen die Spaltung beendet und endlich wieder einen klaren Führungsauftrag erteilt. Das Merkel-Lager hat sich keinen Gefallen getan, als es ausgerechnet Helge Braun ins letzte Gefecht schickte. Der hilflose Ex-Kanzleramtsminister kam wie eine Karikatur der untergegangenen Ära daher.

Doch das 62-Prozent-Plebiszit wirkt weit über die CDU hinaus belebend für den demokratischen Wettbewerb im Land. Die AfD wird es künftig schwerer haben, sich als selbst ernannte Hüterin patriotischer Werte aufzuspielen, der Ampel-Kanzler erhält den im Parteiensystem unverzichtbaren Oppositionsführer, und auch die FDP muss sich anstrengen: Je mehr es Merz gelingt, liberal gesinnte Bürger anzusprechen, desto ungemütlicher wird es für die FDP in der Umarmung von SPD und Grünen; das sorgt für Stress im Ampelbündnis.

Merz-Wahl: Der Verlierer ist Söders CSU

Dumm gelaufen ist es für die CSU. Deren Vorsitzender Markus Söder war – neben Merkel selbst – viele Jahre der Vorsitzende des Aktionsbündnisses zu Verhinderung von Merz. Seine bundespolitische Rolle ist jetzt erst mal ausgespielt. Liebend gerne hat Söder die CDU seine Macht spüren lassen. Ab jetzt könnte es umgekehrt laufen. Denn der Wahl-Tegernseer Merz hat auch in Bayern viele Anhänger. (Georg Anastasiadis)

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