CDU-Politiker Friedrich Merz mit Mund-Nasenschutz im Juni 2021 bei der Landesvertreterversammlung seiner Partei Maritim Hotel in Düsseldorf.
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Im Clinch mit dem Flügel der „Werte-Union“ in der Partei: CDU-Politiker Friedrich Merz

Protest gegen neuen Flügel-Chef

Merz fährt harsche Attacke gegen ultrakonservativen CDU-Flügel – „Unqualifizierte Rundumschläge“

Beide gelten als Vertreter des konservativen Teils in der CDU. Doch Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz geht den neuen Werte-Unions-Vorsitzenden Max Otte nun scharf an.

Berlin - Schlagabtausch innerhalb der CDU. Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz hat in Sachen ultrakonservativer Werte-Union geraten: „Ich fordere alle CDU-Mitglieder dazu auf, die sogenannte Werte-Union zu verlassen und die Zukunft gemeinsam in der CDU zu gestalten.“ Das sagte Merz, der zum Wahlkampfteam des CDU-Vorsitzenden Armin Laschet gehört, der dpa.

Die Werte-Union sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Nach eigenen Angaben liegt ihre Mitgliederzahl bei über 4000 - darunter sind allerdings auch Mitglieder ohne CDU-Parteibuch. Die CDU hat insgesamt rund 400.000 Mitglieder, rund 140.000 sind es bei der CSU.

Merz kritisiert Werte-Union und Otte: „Unqualifizierte Rundumschläge“

Neuer Vorsitzender der Werte-Union ist der Ökonom Max Otte. Otte hatte am Wochenende gesagt, Merz sei durch seine frühere Lobbytätigkeit belastet und sollte „kein Staatsamt übernehmen, auch wenn die Lobbytätigkeit ruht“.

Sein Vorgänger, Alexander Mitsch, der die Gruppe wegen Ottes Verhalten kurz zuvor verlassen hatte, entgegnete, das sei „schlichtweg inakzeptabel“. Klar sei: „Otte spricht hier keine Mehrheitsmeinung der Werte-Union aus.“ Die hatte sich unter Mitschs‘ Führung dafür engagiert, dass Merz Kanzlerkandidat der Union wird.

Ex-Unionsfraktionschef Merz attackierte Otte nun scharf. Otte „kennt offenbar den Unterschied zwischen Lobby und beruflicher Tätigkeit als Rechtsanwalt und Aufsichtsrat nicht.“ Merz war früher Aufsichtsratschef für Deutschland des US-Vermögensverwalters Blackrock. Das Mandat endete zum 31. März 2020 - es ruht also nicht nur. Merz sagte: „Die unqualifizierten Rundumschläge von Herrn Otte sollten den Mitgliedern dieser selbst ernannten Werte-Union zu denken geben.“

Bundestagswahl 2021: Laschet berät mit CDU-Spitze in Berlin

Nach der umstrittenen Wahl Ottes zeigt die Werte-Union immer stärkere Auflösungserscheinungen. Mitglieder verschiedener Landesvorstände traten aus Protest gegen Ottes Kurs zurück. Interne Kritiker werfen Otte vor, die Werte-Union nach rechts rücken und zur AfD hin öffnen zu wollen. Otte reagierte darauf gelassen und geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Werte-Union gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen wird.

Unterdessen berät die CDU-Führungsspitze um Parteichef Laschet an diesem Montag zum letzten Mal offiziell vor der Sommerpause. Die Vorgänge in der Werte-Union dürften dabei, wenn überhaupt, nur am Rande, eine Rolle spielen, berichtet die dpa. Es wurde erwartet, dass sich die Parteigremien unter anderem mit dem bevorstehenden Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 beschäftigen werden.

Stimmen zur ultrakonservativen Werte-Union: „Zerlegen sich gerade selbst“

CDU-Spitzenvertreter haben indes mit Genugtuung auf die Spaltungstendenzen der Werte-Union reagiert. „Ich glaube, wir sollten denen nicht mehr Aufmerksamkeit schenken, wie es wert ist. Und nach allem, was ich wahrnehme, zerlegen die sich gerade selbst“, sagte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier beim Eintreffen zu den Beratungen. Die Werte-Union werde maßlos überbewertet. Er schloss sich der Merz‘ Forderung an.

Präsidiumsmitglied Karl-Josef Laumann sagte: „Die Werte-Union passt von ihren Werten her schlicht und ergreifend nicht zur CDU.“ Es sei gut, „sehr deutlich zu machen, dass die Union mit der Werte-Union überhaupt nichts zu tun hat“. Man könne ja anscheinend nicht verbieten, dass sich die Gruppierung Union nenne. „Aber es hat mit der CDU nix zu tun. Punkt, aus.“ (dpa/AFP/frs)

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