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Friedrich Merz

Ludwig-Erhard-Stiftung

Friedrich Merz lehnt Preis ab - Eklat wegen umstrittenem Publizisten Tichy?

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Der frühere CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz hat offenbar den Ludwig-Erhard-Preis ausgeschlagen. Der Grund ist pikant.

Update vom 19. Oktober 2018: Kehrt Friedrich Merz nun tatsächlich in die Politik zurück? Einem Bericht zufolge hat sich der Ex-CDU-Fraktionschef nun mit Politikern und hochrangigen EU-Beamten in Brüssel getroffen - auch um Kanzlerin Angela Merkel sei es bei den Gesprächen gegangen, heißt es.

Bonn - Was die „soziale Marktwirtschaft“ eigentlich ist, darüber könnte man trefflich streiten, knapp 70 Jahre nachdem Ludwig Erhard den Begriff in der jungen Bundesrepublik populär machte. Guten Gewissens lässt sich jedenfalls sagen: Friedrich Merz, Ex-Fraktionschef der Union im Bundestag hätte trefflich in die Reihe derer gepasst, die die Ludwig-Erhard-Stiftung zuletzt mit ihrem gleichnamigen Preis auszeichnete.

Doch der Mann, der einst die Steuererklärung auf den Umfang eines Bierdeckels reduzieren wollte, wird sich nicht in die Riege der Preisträger um Gerhard Schröder, Hans-Werner Sinn, Otto Graf Lambsdorff und Co. einreihen: Wie das Handelsblatt berichtet, hat Merz den Ludwig-Erhard-Preis ausgeschlagen. 

Ein Hauptgrund ist dem Bericht zufolge der streitbare Stiftungs-Vorsitzende Roland Tichy - Betreiber des, je nach Betrachter-Standpunkt, wahlweise als „liberal-konservativ“ oder „rechtspopulistisch“ eingeordneten Blogs und Monats-Magazins „Tichys Einblick“.

Absage - weil Merz nicht mit Tichy auf einer Bühne stehen wollte?

Merz habe nicht mit Tichy auf einer Bühne auftreten wollen, zitiert das Handelsblatt aus einer internen Mail. Geschrieben hatten diese offenbar vier Ex-Jurymitglieder - sie zogen sich, so heißt es, aufgrund des Eklats um Tichy aus dem Gremium zurück.

Gerhard Schröder kam: Roland Tichy bei der Verleihung des Ludwig-Erhard-Preises an den Bundeskanzler a.D. im Jahr 2016

"Wenn es uns nicht einmal mehr gelingt, einen Preisträger auszuzeichnen, der der Stiftung nahesteht, und der große Verdienste um die Marktwirtschaft erworben hat, hat entweder die Stiftung, oder die Jury ein Problem", schrieben Rainer Hank, Ulric Papendick, Nikolaus Piper und Ursula Weidenfeld dem Bericht zufolge. "Wir glauben, dass die Stiftung ein Problem hat."

Mittlerweile sei es auch schwierig geworden, Laudatoren für den Preis zu finden. „Viele haben mit Verweis auf die Rolle des Vorsitzenden der Stiftung in seiner privaten Publikation abgelehnt", wird aus der Mail der Vier zitiert. Tichy vermische seine publizistische Tätigkeit und seine Arbeit in der Ludwig-Erhard-Stiftung. Am Wochenende soll ein weiteres Mitglied der Jury das Handtuch geworfen haben.

„Absage wegen ‚Tichys Einblick‘ ist mir nicht bekannt“

Tichy wies die Vorwürfe zurück. Warum Merz den Preis nicht annehmen wolle, könne nur der CDU-Mann selbst beanworten, beschied der Publizist. Als Laudatoren und Gäste habe man zuletzt unter anderem Wolfgang Schäuble, Christian Lindner oder auch Jens Spahn gewinnen können. "Eine Absage wegen ‚Tichys Einblick‘ auf eine Anfrage ist mir nicht bekannt", erklärte Tichy.

Der Streit schlug unterdessen bereits Wellen bis in die Bundespolitik hinein. FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff begrüßte die kolportierte Absage Merz‘. „Endlich steht jemand aus dem bürgerlichen Lager auf und entlarvt Roland Tichy, dessen rechtspopulistischer ‚Tichys Einblick‘ nicht zufällig so oft auf den Pulten der AfD im Bundestag liegt“, schrieb er am Montag auf Twitter: „Danke, Friedrich Merz“.

Tichy war seit den 00er-Jahren unter anderem als Chefredakteur der Magazine Euro und Wirtschaftswoche tätig. 2015 gründete er den Blog Tichys Einblick - der sich in der Eigenbeschreibung „liberal-konservativ“ nennt. Zu einem Eklat kam es Anfang 2017, als der Gast-Autor Jürgen Fritz in einem Beitrag von „grün-linken Gutmenschen“ schrieb - und die so Kategorisierten als „geistig krank“ bezeichnete.

Lesen Sie auch: Friedrich Merz ist zurück - das ist seine neue Aufgabe

fn

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