Friedrich Merz in einer Bildmontage mit Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
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Friedrich Merz hat den CDU-Richtungsstreit gewonnen - doch der Sieg ist teuer erkauft, kommentiert Georg Anastasiadis.

Der Merkur-Kommentar

„Sauerland-Trump“ hat gesiegt: CDU-Streit ist Gefahr für ganz Deutschland - und hat Folgen für Söder

  • Georg Anastasiadis
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Die CDU hat sich an den Abgrund manövriert. Daran tragen viele schuld - und Friedrich Merz hat den Sieg teuer erkauft. Auch für Markus Söder hat die Lage Konsequenzen, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Nach der Parteitags-Absage polterte Friedrich Merz gegen das Partei-„Establishment“, das wiederum beschimpfte Merz als „Sauerland-Trump“. Mit schweren Blessuren schleppt sich die CDU jetzt zu ihrem Parteitag im Januar. Dass es so weit kommen musste, ist auch die Schuld der Parteiführung. Ausgerechnet die Partei, die die Coronakrise managen muss, zeigt sich selbst damit heillos überfordert. Ein Kommentar.

Die CDU hat in dieser Woche einen Blick in den Abgrund geworfen – und ist schaudernd zurückgewichen: Mit gut einem Monat Verspätung soll nun doch die Wahl des neuen Parteichefs stattfinden. Friedrich Merz hat sich mit der unausgesprochenen Drohung, die Partei sonst in zwei Teile zu zerreißen, durchgesetzt. Jetzt soll Mitte Januar gewählt werden. Doch sein Sieg ist teuer erkauft. Merz trägt nach seinen polternden Angriffen auf das CDU-„Establishment“ nun das Kainsmal des „Sauerland-Trumps“, dem der eigene Erfolg wichtiger ist als die Einigkeit der Partei.

CDU-Streit um Merz und den Parteitag: Von Merkel bis Laschet - an der Krise haben viele mitgewirkt

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Dass es so weit kommen musste, ist aber nicht allein seine Schuld. Es ist eine Lachnummer, dass ausgerechnet die Merkel-Partei, die den Bürgern, Eltern, den Gastronomen in der Coronakrise so viel Veränderung und Improvisationstalent zumutet, selbst an der vergleichsweise simplen Organisation eines digitalen Parteitags scheitert. Der sich stets so freundlich und jovial gebende Merz-Rivale Armin Laschet wiederum war machtbewusst und auch skrupellos genug, diesen Umstand zu nutzen, um den für ihn ungünstigen Dezember-Wahltermin in einer Hauruckaktion abzuräumen. An der schwierigen Lage der Union haben viele mitgewirkt.

CDU-Streit birgt Gefahren für ganz Deutschland - für Markus Söder hat er direkte Konsequenzen

So groß ist der Wirbel um die zweite Corona-Vollbremsung, dass viele Bürger übersehen, welche Gefahr von den vermeintlich innerparteilichen CDU-Streitereien für das ganze Land ausgeht. Die CDU ist die Staatspartei, die stabile Mitte Deutschlands, die in 71 Jahren Bundesrepublik 51 Jahre lang den Kanzler stellte. Zerfiele die Union in ihrem Richtungskampf dauerhaft in zwei Lager, hätte das Folgen für das gesamte Staatswesen.

Diese Gefahr scheint nun fürs Erste gebannt, mit Konsequenzen auch für den heftig auf die Kanzlerwürde schielenden Münchner Regenten Markus Söder. Gleich, ob am Ende Laschet oder Merz den Kampf um Merkels CDU-Erbe gewinnt: Angesichts der Härte, mit der sich beide seit Monaten bekriegen, wird der Sieger am Ende kaum einem anderen die Kanzlerkandidatur überlassen.

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