„Wenn Greta sagt ...“

Greta Thunberg im Visier von Friedrich Merz: Scharfe Attacke auf CDU-Parteitag

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Auf große Kritik hat Merz auf dem CDU-Parteitag in Leipzig verzichtet - zumindest, was Annegret Kramp-Karrenbauer angeht. Dafür griff er Greta Thunberg an.

  • Friedrich Merz hat auf dem CDU-Parteitag Kramp-Karrenbauers Arbeit gelobt
  • Viele hatten erwartet, dass er die Parteichefin angreifen würde
  • Dafür mussten andere seine Kritik einstecken

Leipzig - Friedrich Merz schlug dann doch sanfte Töne an. Der frühere Unionsfraktionschef hat sich beim CDU-Parteitag demonstrativ hinter die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gestellt. „Wir sind loyal zu unserer Vorsitzenden, zu unserer Parteiführung und zur Bundesregierung“, beteuerte er in seinem Beitrag kurz nach der Rede der Parteichefin in Leipzig - die er als „kämpferisch, mutig und nach vorn zeigend“ lobte. AKK hatte kurz zuvor die Machtfrage gestellt und für ihre Rede Standing Ovations erhalten. Mehr als eine Stunde sprach Kramp-Karrenbauer. Bei Merz wurden es etwa 13 Minuten.

CDU-Parteitag in Leipzig: AKK mit Seitenhieb auf Merz

13 Minuten, in denen es unter anderem gegen die SPD ging. Die führte Merz als mahnendes Beispiel dafür an, welchen Schaden interne Personaldebatten anrichten können: „Die Sozialdemokraten sind strukturell illoyal", so sein Urteil. Ganz anders sei das bei der Union: „Wir sind loyal zu unserer Vorsitzenden, der Parteiführung und der Bundesregierung, die wir tragen.“ Die Jahre der CDU-geführten Regierung seien „gute Jahre für Deutschland“ gewesen, betonte Merz.

Vor Kurzem klang das noch ganz anders. Merz hatte nach der Wahlschlappe in Thüringen das Erscheinungsbild der Bundesregierung als „grottenschlecht“ bezeichnet - und damit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeint. Für diesen Spruch revanchierte sich Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag jetzt. Es dürfe nicht sein, dass die CDU die von der Union geführte Bundesregierung schlechtrede, sagte Kramp-Karrenbauer vor den etwa 1000 Delegierten, denn das sei „keine erfolgreiche Wahlkampfstrategie“. Ein Seitenhieb auf Merz, den wohl jeder der Anwesenden verstand. 

Merz auf CDU-Parteitag: „Wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, bin ich dabei“

In einem Punkt grenzte sich Merz aber deutlich von Kramp-Karrenbauer und der CDU-Führung ab. Gruppierungen wie die rechtskonservative Werte-Union und die liberale Union der Mitte müssten „ihren Platz in der Union“ haben, sagte er. Die CDU könne „keinen Zuspruch finden, wenn wir innerhalb der eigenen Partei Einzelne oder ganze Gruppen ausgrenzen“, sagte er. Die derzeitige Parteiführung sieht die Aktivitäten dieser Gruppierungen hingegen kritisch.

Merz bot an, sich weiter für die CDU zu engagieren und gemeinsam die Partei nach vorne zu bringen. „Wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, dann bin ich dabei.“ Es gehe nicht um ihn „oder gar irgendwelche niederen Motive, die mir unterstellt werden“.

Friedrich Merz kritisiert auf CDU-Parteitag Klima-Aktivistin Greta Thunberg

Ähnlich wie Kramp-Karrenbauer versuchte Merz sich in seiner Rede beim Thema Klimaschutz zu profilieren. Eine Politik der Nachhaltigkeit sei "tief im C verwurzelt", hatte Kramp-Karrenbauer zuvor deklamiert. Merz wiederum kam dabei nicht ohne Kritik an „Fridays for Future“-Initiatorin Greta Thunberg aus. Sei eine beeindruckende Person, aber: „Wenn Greta sagt, wir hätten ihr die Jugend geraubt... Nein, dann muss man sagen: Ihr hattet in dieser Generation die beste Jugend, die es jemals überhaupt in diesem Teil der Welt gegeben hat.“ 

Doch wenn das auch für künftige Generationen so bleiben soll, so Merz, „dann müssen wir heute viel ändern“. Der Applaus der Delegierten kam an dieser Stelle etwas zögerlich - aber er kam, und zwar nicht zu gering. Thunberg hatte beim Uno-Klimagipfel in New York im September vor 60 Staats- und Regierungschefs harsche Kritik geübt. 

CDU-Parteitag in Leipzig- Greenpeace mit neuer Aktion

Gut zwei Minuten Beifall erhielt Merz für seinen Auftritt. Bei Kramp-Karrenbauer waren es sieben Minuten gewesen. „Wir haben eine Verantwortung für diese Schöpfung, das ist keine Erfindung von Greenpeace, keine Erfindung der Grünen“, hatte die Parteichefin unter anderem erklärt. Wusste sie, dass auch Greenpeace-Aktivisten auf dem Parteitagsgelände waren? Sie protestierten nach einer vielbeachteten Aktion in Berlin auch hier für mehr Klimaschutz.

Auch Merz nahm auf den Vorfall Bezug. „Ja, Greenpeace kann das Ding da, das C, abmontieren“, rief er. „Das können die behalten und sollen die mit nach Hause nehmen und sich ins Wohnzimmer stellen - da wird es segensreiche Wirkung entfalten.“

Auf dem Parteitag in Leipzig diskutiert die CDU auch über ein Kopftuchverbot. Peter Tauber provoziert dabei mit einem Foto auf Twitter.

Nach der Wahl zur neuen SPD-Spitze zeigte sich Christian Lindner via Twitter überrascht vom Ergebnis. Luisa Neubauer antwortete dem FDP-Chef direkt - es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch.

Video: Greenpeace-Aktion: Ein "C" auf der Suche nach dem "DU"

dpa/AFP/frs

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Erneut erregte Dieter Nuhr bei einem Auftritt die Gemüter im Publikum - wegen der Klimaaktivistin Greta Thunberg. Wann wird der letzte Greta-Witz gesprochen?

Rubriklistenbild: © AFP / TOBIAS SCHWARZ

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