Friedrich Merz gestikuliert beim CDU-Parteitag im Januar 2021.
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Bitte zurückbleiben: Friedrich Merz gibt Markus Söder und der CSU einen klaren Ratschlag zur Kanzlerfrage.

„Freundlich ausgedrückt ...“

Schlecht für die CSU? Merz gibt Söder provokanten Kanzler-Rat - und zerreißt Merkels Corona-Kurs

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Friedrich Merz‘ Kanzlerträume sind geplatzt - eine klare Meinung zur K-Frage hat der Konservative trotzdem. Gleiches gilt für die Corona-Politik Angela Merkels.

Hamm/München - Es ist davon auszugehen, dass Friedrich Merz dieser Tage gerne selbst auf dem Sprung zum Kanzlerkandidaten gestanden wäre - doch das Ringen um den CDU-Vorsitz ging an Armin Laschet. Nun steht Merz weiter an der Seitenlinie. Eine unmissverständliche Meinung zur K-Frage hat der konservative Christdemokrat dennoch: In einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger* hat Merz vor allem der Schwesterpartei CSU einen klaren Rat gegeben. Hart ins Gericht ging er zudem mit der Corona-Politik von Kanzlerin Angela Merkel.

Kanzler Markus Söder? Merz gibt CSU klaren Ratschlag - „Würden Binnenverhältnis der Union verändern“

„Die CDU kann sich den Kanzlerkandidaten eigentlich nicht nehmen lassen“, stellte Merz in dem Gespräch klar - Armin Laschet habe zudem „unverändert gute Chancen“. Überraschender ist Merz‘ Einschätzung zur Lage der CSU: „Es kann in der gegenwärtigen Lage eigentlich auch nicht im Interesse der CSU liegen, den Kanzlerkandidaten zu stellen“, urteilte er.

Nur Söder könne die bayerische Landtagswahl 2023 mit absoluter Mehrheit für die CSU gewinnen, prognostizierte der Politik-Rückkehrer. Mehr noch: „Ein Kanzler Söder würde zudem das Binnenverhältnis in der Union zu Lasten der CSU deutlich verändern. Die CSU könnte ihre Rolle, immer auch ein bisschen Opposition gegen die eigene Regierung zu sein, nicht mehr spielen.“

Den Christsozialen attestierte Merz im aktuellen Kräftemessen zwischen Söder und Laschet mehr „schiere Lust an der Provokation“, denn einen Kampf um das Kanzleramt. Es handle sich um „ein Wesensmerkmal der CSU seit ihrer Gründung“.

Corona in Deutschland: Merz kritisiert Merkels Krisenmanagement - „diplomatisch ausgedrückt suboptimal“

Eine bittere Bilanz zog Merz mit Blick auf das Corona-Management der Bundesregierung um Angela Merkel. Arbeit und Erscheinungsbild der Regierung seien „freundlich und diplomatisch ausgedrückt, auch heute wieder suboptimal“. „Andere demokratische Länder haben zum Beispiel von Anfang an die Infektionen systematisch erfasst, nachverfolgt und isoliert“, erklärte Merz, in Deutschland sei das wegen der „Heiligen Kuh“ Datenschutz aber nicht möglich.

Spätestens nach der ersten Welle hätte die Regierung Lehren ziehen müssen, rügte Merz in dem Gespräch mit dem Westfälischen Anzeiger: „Passiert ist aber nichts, stattdessen geht es weiterhin nur um immer neue Lockdowns und noch längeres Einsperren der Bürger.“ Auch beim Thema Impfstoff-Beschaffung sei Deutschland nicht gut genug. 

Friedrich Merz bekräftigt politische Ambitionen - und warnt vor Machtverlust der Union

Merz bekräftigte indirekt auch eigene Ambitionen auf neue politische Aufgaben. Ein Weiter-So sei nach der Bundestagswahl keine Option, sagte der 65-Jährige mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie und den Klimawandel. Bessere Antworten seien nötig - „und an dieser Aufgabe will ich gern mitwirken“.

Wie zuvor Söder und Laschet mahnte allerdings auch Merz, eine erneute Regierungsmehrheit der Union sei keine ausgemachte Sache. Weder auf die Grünen, noch auf die SPD könne man als Koalitionspartner zählen. „Die FDP hat keinen Grund für Liebeserklärungen zu unseren Gunsten, dafür ist sie zu schlecht behandelt worden“, fügte Merz hinzu: „Das wird ein sehr anspruchsvoller Wahlkampf.“ (fn) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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