Dieter Janecek (38). klaus haag

Führungswechsel bei den Grünen

„Frust? Nur wenn wir uns kleiner machen“

München - Grünen-Chef Janecek tritt ab und verlangt von der Partei, eine Ideenschmiede zu sein: „Wurscht, ob 8 oder 15 Prozent“

Führungswechsel bei den Grünen: Der Co-Vorsitzende Dieter Janecek tritt auf dem Landesparteitag am 18./19. Oktober nach sechs Jahren ab. Der 38-Jährige will sich auf die Arbeit im Bundestag konzentrieren – dort ist er Neuling, aber bereits wirtschaftspolitischer Sprecher und koordiniert den grünen Realo-Flügel. Um die Nachfolge des Münchners bewerben sich Eike Hallitzky und Markus Büchler. Wen er favorisiert, sagt Janecek nicht.

Sie gehen freiwillig – mit welchem inhaltlichen Vermächtnis an Bayerns Grüne? Träumt weniger, keift weniger, arbeitet härter am Machtwechsel?

Ich sehe als Bilanz ganz nüchtern: Dass wir es geschafft haben, in Bayern in der Fläche stark zu werden. Es gibt keinen Kreistag, in dem wir nicht drin sind, wir sind in vielen Orten prägende Kraft. Dieser Anspruch, Bayern verändern zu wollen, einen neuen Heimatbegriff zu prägen, aber sich auch bei unbequemen Themen wie der Asylpolitik nicht wegzuducken – dazu konnte ich beitragen.

Sie haben München verloren, Miesbach gewonnen – damit wollen Sie so glücklich sein?

Und Miltenberg – wir haben zwei grüne Landräte! In München haben wir das beste Ergebnis aller Zeiten erreicht und sind dann aus der Regierung geflogen, das ist natürlich tragisch.

Ist es frustrierend, Mini-Opposition im Landtag zu sein, kleinste Fraktion?

Es ist nur dann frustrierend, wenn man sich selber kleiner macht. Wenn wir uns als Ideenschmiede aufstellen, für Veränderung in Bayern einstehen, die Energiewende und den digitalen Wandel mit allen Chancen begleiten, dann ist mir das relativ wurscht, ob wir gerade 8 oder 15 Prozent haben.

2008 waren Sie ein Unbekannter. Jetzt sammeln Sie Aufgaben in Berlin. War der Landesvorsitz eh als Sprungbrett geplant?

Da war gar nix geplant. Viele Dinge, auch meine Kandidatur 2008, ergeben sich durch Zufall. Was ich bewusst gemacht habe: Mir Themen zu suchen wie die Energiewende, die Wirtschaftspolitik, die digitale Agenda, um mir und Bayerns Grünen Reputation aufzubauen.

Ihre Co-Vorsitzende Sigi Hagl hat sich jetzt ein Jahr lang praktisch versteckt. Können sich die Grünen zwei unbekannte Vorsitzende leisten?

Als ich gestartet bin, war ich äußerst unbekannt und bin erstmal ein Jahr lang in die Fläche gegangen, um mir halbwegs einen Namen zu machen. Sigi Hagl hat absolut das Vertrauen der Basis, sie wird sich stark entwickeln. Öffentlichkeit ist erstmal nicht alles. Wichtig ist, dass ein Parteivorsitzender nach innen integriert.

Neulich haben Sie Gedanken an Schwarz-Grün mal wüst beerdigt, obwohl sie als einer der Pioniere gelten. Aus der Wut raus?

Ich habe immer gesagt, man muss gesprächsfähig sein, es geht um Inhalte. Aber das Klima zwischen CSU und Grünen hat sich verschlechtert. Ich weiß nicht mehr, was die unter Seehofer wollen, wofür sie stehen – die Verlässlichkeit ist momentan weg.

Momentan?

Natürlich schließe ich das nicht für alle Zeiten aus. Mit progressiven Kräften rede ich gerne. Aber gerade schaut’s da düster aus.

Realistisch betrachtet gibt es aber vorerst keine Machtoption jenseits der CSU in Bayern.

Das mag kurzfristig so sein, aber daran orientieren wir uns nicht. Wenn es einen Partner gibt 2018, mit dem wir etwas konsequent verändern können – bessere Flüchtlingspolitik, bessere Bildung – dann ist das so. Aber wir wollen nicht regieren um jeden Preis.

Interview: Christian Deutschländer

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