Daniel Röder

Fünf Fragen an einen Mitgründer von „Pulse of Europe“

„Wir brauchen ein vereintes Europa“

Ende 2016 hat der Rechtsanwalt Daniel Röder die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ mit ins Leben gerufen. Zur ersten Kundgebung in Frankfurt am Main kamen 200 Menschen. Inzwischen gehen Anhänger europaweit auf die Straße – auch in München. Mitte März kamen insgesamt mehr als 20 000.

Herr Röder, sind Sie überrascht vom schnellen Erfolg ihrer pro-europäischen Bewegung?

Schon ein bisschen. Wir hatten vorab keine Erfolgskurven im Blick. Wir hatten nur das Gefühl, dass es vielen Leuten so gehen muss wie uns. Brexit und Trump-Wahl haben gezeigt, dass sich die Welt neu zusammensetzt. Aber dass sich „Pulse of Europe“ jetzt zu einer europaweiten Bewegung entwickelt, überrascht mich schon.

Ablehnung und Misstrauen sind derzeit populär – gegen Globalisierung, gegen Migration. Ihre Bewegung positioniert sich dagegen klar für etwas. Ein Schlüssel zum Erfolg?

Unbedingt. Unsere Idee war, in diese Welt der negativen Kraft etwas Positives als Gegengewicht zu setzen. Viele Leute sind überzeugt, dass Demokratie die beste Staatsform ist. Dass wir für unsere Grundrechte eintreten müssen. Dass wir ein vereintes Europa brauchen, um die weltweiten Herausforderungen bewältigen zu können.

Sind ertrinkende Menschen im Mittelmeer die andere, dunkle Seite dieser europäischen Idee?

Zur europäischen Idee gehört das überhaupt nicht – aber es gehört leider zur europäischen Realität. Das ist eine ziemliche Schande. In der Flüchtlingskrise haben alle Staaten weggeschaut – übrigens lange auch die Deutschen, als etwa in Italien viele Flüchtlinge auf Lampedusa angekommen sind. Gerade das Flüchtlingsthema kann nur europäisch gelöst werden.

Wie erklären Sie Ihren Kindern, warum Sie Europa so gut finden?

Ich erkläre ihnen, dass die Europäische Union für Frieden steht. Und ich sage ihnen, dass man große Probleme wie Armut oder Klimawandel als kleiner Nationalstaat alleine nicht bewältigen kann.

Trotzdem sagen manche: Von der EU habe ich nichts.

Natürlich gibt es auch viel Frust. Aber diesen Menschen muss man erklären, dass die EU nicht der Globalisierungstreiber gewesen ist. Und sie ist auch nicht verantwortlich für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien oder Italien. Da sind die nationalen Regierungen in der Pflicht.

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