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Warum Asylbewerber Taliban sein wollen

Für Asyl geben sich Afghanen als Islamisten aus

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Die Rechtslage ist kurios: Viele Afghanen geben sich beim Asylantrag als Mitglieder der Islamisten-Miliz aus, um als verfolgt zu gelten. Sie hoffen so, eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten.

München – In Afghanistan waren sie angeblich radikal- islamische Kämpfer – nun wollen sie genau deshalb Schutz in Deutschland: Kürzlich wurde bekannt, dass etliche afghanische Asylbewerber angeben, den Taliban angehört zu haben. Kurios: Viele von ihnen bezichtigen sich offenbar selbst, um ihre Anerkennungschancen zu steigern.

Die Taliban gelten als skrupellose, islamistische Miliz. Die Organisation terrorisiert die Zivilbevölkerung, mordet und kämpft gegen das staatliche Militär. Deshalb droht ihren Anhängern in Afghanistan Verfolgung – bis hin zur Todesstrafe. In Deutschland ist das ein möglicher Asylgrund. Bei „drohenden Menschenrechtsverletzungen wegen einer früheren Mitgliedschaft“ könne „im Einzelfall eine Schutzgewährung in Betracht kommen“, heißt es beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf Anfrage unserer Zeitung. Ein Ausschlussgrund von Schutz sei die Taliban-Mitgliedschaft jedenfalls nicht, weil diese von den Vereinten Nationen nicht als Terrororganisation eingestuft würden.

Darüber, wie viele Asylbewerber sich als Taliban ausgeben, gibt das BAMF keine Auskunft. Die Asylantragsgründe seien „von Fall zu Fall verschieden und werden statistisch nicht erfasst“, heißt es. Der „Spiegel“ schreibt von „mehreren tausend“ Fällen. Gegen 70 Männer, die für die Taliban gekämpft hätten, ermittle der Generalbundesanwalt. Ein angeblicher Taliban steht derzeit in Berlin vor Gericht. Er hatte behauptet, mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen zu haben. Nun widerruft er. Laut seinem Anwalt war er als Wirtschaftsflüchtling gekommen und hatte die Geschichte nur erfunden. Sollte das Gericht dem glauben, droht ihm zwar keine Verurteilung, dafür aber die Abschiebung.

Wie hoch der Anteil erfundener Taliban ist, lässt sich schwer einschätzen. Offenbar gibt es auch Fälle, in denen Afghanen als junge Männer zum Dienst bei den Taliban gezwungen werden und deshalb flüchten. Andere können mit den Gräueltaten nicht leben und sagen sich los. In solchen Fällen hängen die Asylchancen auch davon ab, was der Einzelne verbrochen hat. War er an Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt, darf keine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.

Rubriklistenbild: © AFP

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